Fußball-Bundesliga Bayern schüttelt Bayer ab, Bremen im Torrausch

Tabellenführer FC Bayern konnte auch von Leverkusen nicht gestoppt werden. Bremen ging als Sieger aus einem Schützenfest hervor. Rostock stürzte Meister VfB Stuttgart tiefer in die Krise, für Dortmunds Trainer Thomas Doll wird es nach der Pleite in Karlsruhe eng.


Hamburg - Luca Toni hat Bayern München in Leverkusen zum 1:0-(1:0)-Sieg geschossen. In Bremen erlebten die Fans einen denkwürdigen Nachmittag. Die ersatzgeschwächte Werder-Mannschaft schoss gegen Arminia Bielefeld einen 8:1 (4:1)-Erfolg heraus. Der KSC besiegte Dortmund 3:1 (1:1), Rostock feierte den dritten Sieg in Folge mit dem 2:1 (2:0) gegen Meister Stuttgart. Bochum und Nürnberg trennten sich 3:3 (1:1), der HSV führte zwei Mal gegen Wolfsburg, nach 90 Minuten aber hieß es 2:2 (1:0).
"Wir haben ein sehr spannendes Spiel gesehen. Ich bin sehr glücklich über drei schwer erkämpfte Punkte. Das war bislang die härteste Prüfung für uns", befand Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld nach dem Sieg in der BayArena. Leverkusens Coach Michael Skibbe sagte: "Die Bayern haben sich den Sieg mit ihrer Abgeklärtheit verdient. Ich bin dennoch mit der Leistung meiner Mannschaft zufrieden, sie hat ein tolles Spiel abgeliefert."

In der spielentscheidenden Szene traf Toni in der 40. Minute nach Vorarbeit von Miroslav Klose, der später wegen einer Verletzung ausgewechselt werden musste. Vor der Partie hatte schon Torwart Oliver Kahn wegen Ellenbogenbeschwerden passen müssen. Bayern (20 Punkte) baute seinen Vorsprung an der Spitze auf vier Punkte auf den Tabellenzweiten Schalke aus. Leverkusen hat als Vierter nun schon sechs Zähler Rückstand auf die Münchner. Cleverness, dazu ein überragender Torwart Michael Rensing, der den kurzfristig verletzten Oliver Kahn bravourös vertrat, gaben den Ausschlag zu Gunsten der Bayern.

Für Bayern hatte Nationalspieler Klose vor Tonis 1:0 bereits einen Treffer erzielt, von der Latte war der Ball klar hinter der Linie aufgeprallt, wie TV-Bilder zeigten. Schiedsrichter Knut Kircher aber gab das Tor nicht. Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sagte zu der Szene: "Da müssen wir uns schleunigst was einfallen lassen. Es kann nicht sein, dass jede Woche zwei Tore nicht gegeben werden."

Bremer treffen achtmal gegen Bielefeld

Werder Bremen stellte mit dem 8:1 gegen Bielefeld den Rekordsieg vom 26. November 1983 gegen Kickers Offenbach ein. 40.120 Zuschauer im Bremer Weserstadion sahen eine turbulente erste Halbzeit. Die Platzherren gingen in der 17. Minute durch Peter Niemeyer, der bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung (33.) ein starkes Saisondebüt in Werders Startelf gab, in Führung. Zehn Minuten vor der Pause gelang Hugo Almeida das 2:0, bevor Artur Wichniarek die erste Bielefelder Chance zum Anschlusstreffer nutzte (37.).

Die Bremer setzten sich aber noch vor dem Halbzeitpfiff durch einen Doppelschlag von Boubacar Sanogo (41./44.) wieder ab. Nach der Pause traf Nationalspieler Per Mertesacker an seinem 23. Geburtstag zum 5:1 (59.), Markus Rosenberg (66.), Diego (85.) und Almeida (88.) sorgten für den Endstand. "Das war destaströs von unserer Seite, sorry", sagte Bielefeld-Trainer Ernst Middendorf. Dagegen sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf: "Ich kann meiner Mannschaft nur gratulieren."

"Das war wieder ein Grottenkick"

Aufsteiger Karlsruher SC bleibt weiter die Überraschungsmannschaft der Saison. Das 3:1 gegen Dortmund war bereits der fünfte Saisonsieg und bedeutet vorläufig Rang drei in der Tabelle. Massimilian Porcello (25.), Mario Eggimann (64.) und Sebastian Freis (75.) trafen für den KSC, Christian Wörns erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich (41.). Die dritte Niederlage in Serie bringt BVB-Trainer Thomas Doll in große Not. "Das war wieder ein Grottenkick. Jetzt wird viel auf uns einprasseln", sagte Doll. Auf die Frage, ob er überhaupt noch genug Zeit habe, die Mannschaft wieder auf Vordermann zu bringen, antwortete er mit einem "Ja".

Auch der VfB Stuttgart befindet sich in der Krise. Beim 1:2 in Rostock kassierte der Meister die vierte Auswärtsniederlage der Saison. Damit verpasste die Mannschaft von Trainer Armin Veh mit Anschluss ans obere Tabellendrittel und geht angeschlagen in die Champions-League-Partie am Dienstag gegen den FC Barcelona (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Vor 19.000 Zuschauern erzielten Mittelfeldspieler Tobias Rathgeb (16.) und Abwehrspieler Orestes (17.) die Tore für die Gastgeber. Nationalspieler Mario Gomez (73.) konnte nur noch verkürzen. Durch den Erfolg verließ die Mannschaft von Coach Frank Pagelsdorf die Abstiegsplätze und feierte erstmals seit dem 6. Dezember 2003 wieder drei Siege in Folge in der Bundesliga.

Ausgerechnet Zvjezdan Misimovic hat Pokalsieger 1. FC Nürnberg im Spiel bei seinem Ex-Club VfL Bochum einen Punkt gerettet. Der Bosnier erzielte in der 81. Minute den Ausgleichstreffer der Franken zum 3:3 (1:1) bei den Westfalen, konnte aber das sechste Spiel in Folge der Nürnberger ohne Sieg auch nicht verhindern. Während die Franken den Sprung aus der Abstiegszone verpassten, muss sich auch der VfL nach mittlerweile fünf Partien ohne Dreier nach unten orientieren. "Das 3:3 ist am Ende ein korrektes Ergebnis. Damit können wir alle leben", sagte FCN-Trainer Hans Meyer.

Vor 18.615 Zuschauern geriet der "Club" allerdings völlig unnötig in Bedrängnis. Die Gäste gingen zweimal durch den überrageneden Per Kluge (40., 60.) in Führung, kassierten aber postwendend durch schwere individuelle Fehler in der Abwehr den Ausgleich. Das 1:1 für den VfL erzielte Stanislav Sestak (43.) und das 2:2 Marcin Mieciel (52.). Für das 3:2 der Westfalen sorgte erneut Sestak in der 66. Minute.

Der Hamburger SV derweil zu seinem 120-jährigen Vereinsjubiläum und im 1500. Spiel seiner Bundesliga-Geschichte einen Sieg verpasst. Gegen den VfL Wolfsburg musste sich der HSV mit einem 2:2 (1:0) begnügen. "Ich bin völlig unzufrieden", kommentierte HSV-Coach Huub Stevens die Vorstellung seiner Elf.

Vor rund 54.000 Zuschauern erzielten Bastian Reinhardt (17.) und Kapitän Rafael van der Vaart (70.) die Tore für die Gastgeber. Zum jeweiligen Ausgleich für die Niedersachsen trafen Grafite mit einem Foulelfmeter (57.) und Ashkan Dejagah (88.). "Dass wir zweimal einen Rückstand aufgeholt haben, zeigt, dass die Moral stimmt", sagte VfL-Trainer Felix Magath. Sein Team belegt in der Tabelle nun Platz zwölf, Hamburg ist Sechster.

mti/sid



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