Fußball-Bundesliga Berliner Befreiung

Hertha BSC ist zurück: Nach drei Pleiten hintereinander wahrten die Berliner durch den Sieg gegen Bremen ihre Chance auf Champions League und Meistertitel. Werder bleibt dagegen im Niemandsland der Tabelle und kann sich nun endgültig auf Pokal und Uefa Cup konzentrieren.


Hamburg - Als die Negativserie gestoppt war, griff Josip Simunic nach einer Ehrenrunde zum Mikrofon. "Wir haben heute nur wegen euch gewonnen. Ihr habt uns riesig unterstützt. Ich habe euch versprochen, dass wir fünf der letzten sechs Spiele gewinnen. Daran glauben wir", rief der Ersatz-Kapitän den Fans von Hertha BSC Berlin nach dem 2:1 (0:1) gegen Werder Bremen zu.

Simunic hatte die Bremer Führung durch Mertesacker 43.) ausgeglichen (71.). Mit seinem Tor in der Schlussphase erhielt der Brasilianer Raffael (87.) Hertha die Hoffnung auf den ersten Meistertitel seit 78 Jahren. Mit 52 Punkten liegt die Hertha zwar immer noch fünf Punkte hinter Spitzenreiter VfL Wolfsburg. Die Champions-League-Qualifikation ist aber wieder in greifbare Nähe gerückt. Der verletzte Kapitän Arne Friedrich zeigte sich nach zuletzt drei Niederlagen in Folge erleichtert über einen "unglaublich wichtigen Sieg, um oben dranzubleiben. Riesenkompliment an die Truppe für ihre Moral. Jetzt ist auch was drin für uns in Hoffenheim".

Für Hertha-Trainer Lucien Favre war das Spiel "eine Sache des Charakters. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit mehr bewegt und sind mehr gelaufen". Favre hatte großen Anteil am Erfolg seiner Elf nach drei Niederlagen in Folge. Die Einwechslungen von Waleri Domowchiyski und Amine Chermiti erwiesen sich in der zweiten Halbzeit als Volltreffer.

"Es war wieder an der Zeit zu gewinnen. Bremen ist auch ohne Diego und Özil eine der besten Mannschaften Deutschlands und war am Ende der ersten Halbzeit zwei Klassen besser als wir", sagte Favre. Nach 15 Minuten der zweiten Halbzeit sei seine Mannschaft aufgewacht "Mein Team hat nach der schwierigen Zeit Charakter gezeigt. Die Stimmung im Stadion war phantastisch. Nach drei Niederlagen so viele Zuschauer, das zeigt, es bewegt sich etwas in Berlin."

Sehr erleichtert war auch Berlins Manager Dieter Hoeneß. "Wir haben uns lange einlullen lassen. Die Mannschaft hat es erzwungen. Aber der Sieg war verdient", sagte er. Nach dem Abpfiff sei ihm die "halbe Zugspitze" vom Herzen gefallen.

Bremen lieferte dagegen eine mäßige Generalprobe für das DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch beim Hamburger SV (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ab, der sein Spiel gegen Hannover ebenfalls 2:1 (1:0) gewann. "Wir haben den Sieg verschenkt hier. Aber wir haben uns in den letzten Wochen so viel Selbstbewusstsein geholt. Das lassen wir uns nicht durch ein Spiel nehmen", meinte Bremens Clemens Fritz.

Während im Uefa Cup und dem DFB-Pokal noch alles möglich ist, geht für Werder in der Bundesliga in den verbleibenden fünf Spielen dagegen weder nach oben noch nach unten viel. Der Uefa-Cup-Halbfinalist bleibt im Mittelfeld und wartet seit dem 20. September 2008 (5:2 bei Bayern München) auf den zweiten Auswärtssieg der Saison. "Uns hat im kreativen Bereich einiges gefehlt", sagte Kapitän Frank Baumann. "Dennoch hätten wir das Spiel nicht verlieren dürfen." Werder-Sportdirektor Klaus Allofs machte eine "naive Abwehrleistung" für die Niederlage verantwortlich. "Außerdem haben wir versäumt, das zweite Tor zu machen."

Vor 65.000 Zuschauern im Olympiastadion bestimmte Hertha in der Anfangsphase das Spiel und kam schnell zur ersten Torchance. Nach Vorarbeit von Stürmer Marko Pantelic verfehlte Mittelfeldspieler Gojko Kacar (3.) aber zunächst den Ball und im zweiten Versuch das Werder-Tor. In der 26. Minute hätte Hertha durch Cicero (26.) in Führung gehen müssen, doch der Brasilianer köpfte eine Flanke von Raffael an den Pfosten.

Dies war offenbar ein Weckruf für die Gäste, denn plötzlich fand Bremen besser ins Spiel. Nach Möglichkeiten von Werder-Kapitän Frank Baumann (30.) und Sebastian Prödl (41.) drückte Innenverteidiger Mertesacker nach einer Ecke den Ball aus dem Gewühl heraus über die Linie.

Nach der Pause bemühten sich die Hausherren wieder um die Spielkontrolle. Doch Bremen war stets gefährlich und vergab durch den eingewechselten Peter Niemeyer (60.) die große Chance zum 2:0. Der Ausgleich durch den Kopfball von Simunic fiel daher etwas überraschend. Kurz vor Schluss schlug dann Raffael zu.

ulz/sid/dpa

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