Dortmunds Sieg gegen Werder Ein Hauch von Klopp

Edin Terzić setzt bei seinem Debüt als Chefcoach kein Ausrufezeichen, aber Akzente. Youssoufa Moukoko braucht naturgemäß noch ein bisschen Zeit. Und Werder Bremen versinkt in kuriosen Negativserien.
Edin Terzić bei seiner Premiere als Cheftrainer

Edin Terzić bei seiner Premiere als Cheftrainer

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Eine Kostprobe vom Terzićball: Herzlich willkommen in der Bundesliga, Edin Terzić! Der Nachfolger Lucien Favres beim BVB hatte von seiner Vorstellung bis zum Anpfiff in Bremen kaum Zeit, einmal seine Startaufstellung mit Vor- und Zunamen zu verlesen. Erste Eigenheiten seiner Spielidee ließen sich aber gegen Bremen bereits ausmachen: Das 4-1-4-1 als Grundordnung etwa, Marco Reus als einflussreicher Kreativspieler irgendwo zwischen Acht und Zehn, einige ansprechende Phasen im hohen Pressing. Und: Dortmund hat wieder einen Trainer, den man über die Außenmikrofone hört. Da wehte schon fast ein Hauch von Jürgen Klopp durchs Weserstadion.

Das Ergebnis: Borussia Dortmund gewinnt 2:1 (1:1) bei Werder Bremen. Den Spielbericht lesen Sie hier.

Die erste Hälfte: Gerne wird die Handball-Metapher bemüht, wenn es darum geht, Dominanz ohne Torraumszenen in Worte zu fassen. In Halbzeit eins aber war es oft so, dass nicht Dortmund sich rund um den Bremer Strafraum den Ball zuschob, sondern Werder: Florian Kohfeldts Mannschaft hatte riesige Probleme, die erste Pressinglinie der Dortmunder zu überspielen. Der Rückstand war folgerichtig, der danach nachlassende Druck des BVB dann aber eine Einladung: Zur Pause war Werder voll drin im Spiel, hätte durch einen Augustinsson-Schlenzer sogar führen können (44. Minute).

Die zweite Hälfte: Dortmund blieb besser, wurde allerdings nie wieder so erdrückend gut wie in der Anfangsphase. Mit der besten Chance scheiterte Reus per Flugkopfball an Jiri Pavlenka (72.). Weil die Bremer einen vermeidbaren Strafstoß verursachten und ihrerseits weder geordnet noch per Brechstange wirklich gefährlich nach vorne kamen, sollte das jedoch ausreichen.

Genie und Wahnsinn: Superhelden werden bekanntlich erst durch ihre menschlichen Seiten interessant. Den Bremern wäre es an diesem Abend aber wohl lieber gewesen, hätte Torhüter Pavlenka zu seiner Superkraft »Reflexe« nicht auch noch seine menschliche Schwäche »Fangsicherheit« zur Schau gestellt. Nachdem der Tscheche zuvor alles gehalten hatte, was sich nach menschlichem Ermessen halten ließ, flutschte Pavlenka eine Viertelstunde vor Schluss erst der sicher geglaubte Ball aus den Händen, dann rempelte er auch noch Manuel Akanji beim Versuch um, den Ball wieder unter Kontrolle zu kriegen. Als letzte Pointe parierte Pavlenka dann auch noch den Strafstoß von Reus, war beim Nachschuss allerdings machtlos.

Jiri Pavlenka war Werders tragische Figur

Jiri Pavlenka war Werders tragische Figur

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Die Kontaktperson: Wenn man über Raphael Guerreiro spricht, fällt mit ziemlicher Sicherheit das Wort »unterschätzt«. Zum Nachteil des Portugiesen spielt er bei einem BVB, der in den letzten Jahren nie ganz den Schritt von der guten zur sehr guten Mannschaft gepackt hat – und dann ist er auch noch nominell Linksverteidiger. Ins Rampenlicht schafft man es so nicht, trotzdem ist kaum ein Spieler im Dortmunder Kader so wichtig. Ein Abstaubertor wie gegen Werder (12.) ist dafür nicht der Grund, aber ein Anlass, um darauf hinzuweisen: 115 Ballkontakte hatte Guerreiro, fast in jeder Partie nimmt kein zweiter Spieler so aktiv am Spiel teil wie er. Technisches Vermögen und Spielintelligenz taten ihr Übriges.

Drei Elfer, kein Punkt: Werder handhabt es wie viele in dieser Pandemie: Die Bremer vertreiben sich die Zeit mit Serien. Die von neun Spielen ohne Sieg in Folge ist sicher unschön, aber solcherlei gelingt auch anderen Mittelfeldklubs wie der Frankfurter Eintracht (und von Schalke 04 soll hier gar nicht die Rede sein). Dass nun aber schon im dritten Spiel hintereinander ein leichtfertig hergeschenkter Strafstoß zum Rückstand und letztlich zur Niederlage führte, sollte den Bremern zu denken geben.

Start-Schwierigkeiten: Youssoufa Moukoko macht es smart: Er teilt sich seine Altersrekorde ein. Jüngster Bundesliga-Spieler war der 16-Jährige schon vorher, in Bremen wurde er jüngster Bundesliga-Spieler in der Startelf eines Klubs. Bis zum jüngsten Bundesliga-Torschützen muss Moukoko sich noch ein Weilchen gedulden: In der Defensive war Dortmunds Sturmspitze fleißig, am Ball aber kaum zu sehen. 19 Ballkontakte in 79 Minuten sind der niedrigste Wert aller Spieler, die von Beginn an auf dem Platz standen. Lediglich zu Beginn beider Halbzeiten sorgte Moukoko für etwas Gefahr, als er jeweils fünf Meter vor dem Tor einen Schritt zu spät zum Einschieben kam. Man sollte, ja, man muss es ihm nachsehen.

Youssoufa Moukoko hatte Probleme, ins Spiel zu finden

Youssoufa Moukoko hatte Probleme, ins Spiel zu finden

Foto: PATRIK STOLLARZ / AFP

Angeberwissen für Werder-Interessierte: Zu insgesamt drei Gelegenheiten erwähnte Sky-Kommentator Markus Lindemann, dass Florian Kohfeldt mit der Hereinnahme von Nick Woltemade wohl mehr auf lange Bälle setzen wollte. Der 18 Jahre alte Bremer Offensivmann ist tatsächlich auch ein Mammutbaum unter den Eigengewächsen: 1,98 Meter Körpergröße lassen Assoziationen zu den Peter Crouches dieser Welt durchaus zu. Am Ende gewann Woltemade ein einziges Kopfballduell, verarbeitete den Ball aber gleich zweimal unter Druck auf engem Raum: Der Youngster ist nämlich gar kein Stoßstürmer, sondern ein schlaksiger Techniker, der einfach 20 Zentimeter zu groß für seinen Spielertyp geraten ist.

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