Mögliche Kagawa-Rückkehr nach Dortmund In der Stadt des Lächelns

Shinji Kagawa steht offenbar vor der Rückkehr von Manchester United zu Borussia Dortmund. Die Fans des BVB würden den Transfer als Akt der Befreiung begrüßen. Sportlich bringt er Fragen mit sich.

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Shinji Kagawa gibt es doppelt. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man nach Bildern des japanischen Offensivspielers sucht. Der eine Kagawa grinst, strahlt und lacht. Er ist besessen von kindlicher Freude. Der andere sieht aus wie ein Wettermann beim Fernsehen, der jeden Tag Regen vorhersagen muss. Er schaut missmutig bis betrübt.

Der fröhliche Kagawa trägt ein schwarzgelbes Trikot, der traurige ein rotes.

Vor zwei Jahren war er von Borussia Dortmund zu Manchester United gewechselt. Der Transfer war damals logisch. Kagawa hatte mit dem BVB zweimal nacheinander die Meisterschaft gewonnen und im zweiten Jahr auch den Pokal, woran er jeweils großen Anteil hatte.

Aus dem unbekannten Nachwuchsspieler, für den der BVB lediglich eine Ausbildungs-Entschädigung von 350.000 Euro an Cerezo Osaka überwiesen hatte, war ein Profi geworden, dem die Bundesliga plötzlich zu klein war und der für höhere Aufgaben gemacht schien. Manchester United zahlte 16 Millionen.

Fans warten vor dem Krankenhaus auf Kagawa

Mittlerweile ist Kagawas Preis wieder gesunken. Denn der Wechsel nach England hat sich als Fehler erwiesen. Kagawa machte in zwei Jahren nur 38 Spiele und traf sechs Mal. Oft spielte er auf dem Flügel, einer Position, die ihm nicht behagt. Am wohlsten fühlt er sich hinter den Spitzen, auf der Zehn. Louis van Gaal, der dritte Trainer, den Kagawa in Manchester erlebt, macht dem 25-Jährigen für die neue Saison wenig Hoffnung: "Er spielt nicht nach meiner Philosophie", sagt der neue Übungsleiter.

Und so wird in den letzten Tagen der Transferperiode immer wahrscheinlicher, wovon viele BVB-Fans schon seit Kagawas Abschied träumen: dass er zurück nach Dortmund kommt, sozusagen seine Stadt des Lächelns. Übereinstimmenden Berichten zufolge arbeitet der BVB intensiv an einer Rückholaktion.

Als Dortmunds Nachwuchskoordinator Lars Ricken bei der Auslosung zur Champions League darauf angesprochen wurde, versuchte er sich gar nicht erst an einem Dementi: "Lassen wir uns mal überraschen in den kommenden Tagen", sagte er. Einige Dortmunder Fans sollen schon ihr Lager vor jenem Krankenhaus aufgeschlagen haben, in dem die Zugänge des BVB ihren Medizincheck absolvieren.

Aus Sicht der Anhänger wäre der Rückkauf Kagawas eine Befreiungsaktion. #freeshinji, befreit Shinji - dieses Stichwort ist bei Twitter und Facebook nicht erst seit den jüngsten Meldungen über eine mögliche Kagawa-Rückkehr populär. Und tatsächlich wäre er nicht der erste Profi, den der BVB nach einem missglückten Auslandsaufenthalt wieder aufnimmt.

In Dortmund ist Kagawas Lieblingsposition besetzt

In Januar 2013 war Nuri Sahin plötzlich wieder da. Nach anderthalb Jahren bei Real Madrid kam er nach Hause, so formulierte Sahin das damals. Zurück zu jenem Verein, für den er im Alter von 16 Jahren in der Bundesliga debütiert hatte. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke berichtete: "Wir haben immer gesagt: Wenn du zurückkommen willst, gib uns ein Zeichen." Und Sahin gab dem Verein ein Zeichen.

Seine Heimkehr war ein Rührstück in Schwarzgelb. Die Manifestierung des Dortmunder Marketingslogans: echte Liebe. Der Transfer lohnte sich, Sahin wurde umgehend Stammspieler. In der abgelaufenen Saison stand er bei allen Bundesliga-Partien auf dem Platz.

Das wäre bei Kagawa nicht garantiert. Denn der BVB ist auf Kagawas Lieblingsposition prächtig besetzt. Beim Supercup-Erfolg gegen den FC Bayern spielte Henrich Mchitarjan in der Zentrale der offensiven Mittelfeldreihe, im Pokal gegen die Stuttgarter Kickers war es Marco Reus. Beim Ligastart gegen Bayer Leverkusen bot Trainer Jürgen Klopp eine Mittelfeld-Raute mit Reus hinter den Spitzen auf.

Außerdem ist nicht klar, wie stark Kagawa im Moment ist. Seine Konkurrenz in Manchester ist mit Spielern wie Danny Welbeck, Antonio Valencia, Ashley Young und Adnan Januzaj nicht erdrückend, dennoch schaffte er es nicht, sich durchzusetzen. Die Zeit bei United dürfte am Selbstbewusstsein des als sensibel geltenden Kagawa gekratzt haben.

Das alles schließt nicht aus, dass seine Rückkehr zum BVB ein Erfolg werden könnte für Verein und Spieler. Nur selbstverständlich wäre es auch nicht.

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Checkker 29.08.2014
1. Manu,
Madrid, Barcelona und andere wollen ihre abgehalfterten Spieler für einen guten Euro loswerden und Bayern und Dortmund fallen darauf rein. Anstatt sich einmal die Werte der Spieler genau anzuschauen und sich die Frage zu stellen, wieso diese Topclubs die Spieler ziehen lassen. Sicher nicht, weil sie sooo toll gespielt haben. Aber Geld scheint ja im Moment keine Rolle zu spielen. Nur wenn dann auf einmal wieder ein Benfizspiel zur Vereinsrettung ansteht, dann will es wieder keiner der Hasenhirne gewesen sein.
cmann 29.08.2014
2. Wenn ich es richtig verstanden hab,
hat Herr Watzke sdas Desinteresse vom BvB an einem Transfer von Kagawa geäußert. Der meint doch was er sagt, oder? Außerdem ist der BvB hier so gut besetzt, das Kagawa in der derzeitigen Verfassung sowieso nur zweite Wahl wäre. Warum also einen Transfer tätigen der mehr Probleme, als Vorteile bringt? Wenn könnte ich mir noch eine Ergänzung im Angriff vorstellen. Immobile überzeugt mich irgendwie nicht, obwohl ich ihm von Herzen den "Durchbruch" wünsche habe ich so meine Zweifel ob er wirklich in die Mannschaft passt!
ozoli 29.08.2014
3. Shinji ist Borusse
van Gaal ist eine Superwurst, deshalb hat er auch den FC Bayern trainiert. Shinji ist Borusse und wird unter Klopp wieder aufbluehen.
ach_du_lieber_gott 29.08.2014
4. Zumindest
erscheint dieser Transfer um einiges Risikoreicher wie Methusalem Alonso.......................der hat zumindest keine Selbstwertprobleme, selbst nach vergeigter WM. Allredings ist die beim einen die Frage wird er wieder der Alte und beim anderen kann ein satter Spieler einer Mannschaft aus ebenfalls statten Spielern weiterhelfen.
nextsl 29.08.2014
5.
Zitat von CheckkerMadrid, Barcelona und andere wollen ihre abgehalfterten Spieler für einen guten Euro loswerden und Bayern und Dortmund fallen darauf rein. Anstatt sich einmal die Werte der Spieler genau anzuschauen und sich die Frage zu stellen, wieso diese Topclubs die Spieler ziehen lassen. Sicher nicht, weil sie sooo toll gespielt haben. Aber Geld scheint ja im Moment keine Rolle zu spielen. Nur wenn dann auf einmal wieder ein Benfizspiel zur Vereinsrettung ansteht, dann will es wieder keiner der Hasenhirne gewesen sein.
Ich finde es toll, dass Sie uns die Fußballwelt erklären, nachdem Sie doch so ziemlich der einzige sind, der es "checkt", wie man vernünftige und sinnvolle Transfers durchführt. Danke dafür. Zum Thema: Kagawa hat zu seiner BVB-Zeit überragende Leistungen gezeigt. In Manchester kam er nicht so zur Geltung, wie er wohl selbst erwartet hat. Ich glaube nicht, dass er in den letzten 2 Jahren das "kicken" verlernt hat und nachdem der BVB ebenso wie die Bayern einige Verletzte zu beklagen haben, macht eine Verpflichtung von Kagawa zum jetzigen Zeitpunkt Sinn. Ein weiterer Spieler mit großen Potential in der Liga der Weltmeister - freuen wir uns doch einfach darauf anstatt alles "mies zu machen".
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