Ein Jahr ungeschlagen Wolfsburgs Frauen gewinnen Sieben-Tore-Spektakel

Eine überragende erste halbe Stunde legte den Grundstein für den 5:2-Sieg der Wolfsburgerinnen beim Zweiten Hoffenheim. Jubilarin Pernille Harder traf doppelt - und klaute dabei Mitspielerin Alexandra Popp ein Tor.
Pernille Harder (l., Archiv) hat nun 20 Saisontore erzielt

Pernille Harder (l., Archiv) hat nun 20 Saisontore erzielt

Foto: Darius Simka/ imago images/ regios24

Der Torklau: Alexandra Popp hatte in der 80. Minute Hoffenheims Torhüterin Janina Leitzig aus halbrechter Position bereits überwunden und der Ball rollte unerreichbar für eine Abwehrspielerin Richtung Torlinie. Doch aus Popps Treffer wurde nichts, weil ihre Wolfsburger Mitspielerin Pernille Harder noch die Notwendigkeit sah, den Ball über die Linie zu drücken. Harder jubelte etwas schuldbewusst, Popps Ärger schien überschaubar, die Freude über das 5:1 überdeckte das Stirnrunzeln über diese wenig kollegiale Aktion.

Das Ergebnis: Spitzenreiter VfL Wolfsburg hat beim Zweiten Hoffenheim vor 1700 Zuschauern 5:2 (3:0) gewonnen und baut seine perfekte Bilanz in Pflichtspielen gegen die TSG aus. Wolfsburg hat nach 13 Siegen und einem Remis in dieser Saison nun sechs Punkte Vorsprung auf die TSG. Die Hoffenheimerinnen ihrerseits können an diesem Spieltag noch von den Frauen des FC Bayern München überholt werden.

Die erste Hälfte: Wolfsburg bestritt die ersten Minuten des Kalenderjahres wie ein Team, das alle drei möglichen Titel gewinnen möchte. Das Offensivtrio Harder, Ewa Pajor und Svenja Huth kombinierte sich unterstützt von Alexandra Popp und Fridolina Rolfö durch die Hoffenheimer Abwehr, das Gegenpressing des Tabellenführers ließ die TSG selbst nach Ballgewinnen kaum Luft zum Atmen. Die Treffer von Rolfö per Kopf (7. Minute), Harder nach toller Einzelleistung (16. ) und Popp per Freistoß (24.) waren die Konsequenz dieses Angriffswirbels.

Die zweite Hälfte: "Leute, spielt mutig!", hatte TSG-Trainer Jürgen Ehrmann seine Spielerinnen bereits in der ersten Hälfte aufgefordert. Nach der Pause waren sie es dann auch. Sie erspielten sich einige gute Gelegenheiten und konnten auf das 4:0 durch Huth (70.) und das 5:1 durch Harder (80.) jeweils antworten: Maximiliane Rall traf per schönem Schuss ins lange Eck (72.), Luana Bühler aus dem Gewühl heraus (84.).

VfL unschlagbar: Seine letzte Niederlage auf nationaler Ebene hat der VfL Wolfsburg am 17. Februar 2019 hinnehmen müssen, damals unterlag man beim FC Bayern 2:4. Die nächste Niederlage ist frühestens am 21. Februar 2020 möglich, da tritt der Doublesieger von 2017, 2018 und 2019 gegen Turbine Potsdam an.

Stach desinformiert: Eurosport-Kommentator Matthias Stach gilt vor allem bei Tennis-Übertragungen an der Seite von Boris Becker als Mann der 1000 Details. Unter #stachinformiert bewundern Twitter-User die verschwenderische Fülle seiner Bonmots. Beim Bundesligaspitzenspiel hatte er allerdings arge Probleme, das Führungstor von Rolfö zu erkennen. "Jetzt kommt Engen, gut auf Harder. Harder, und dann die dicke Möglichkeit für Fridolina Rolfö... Stark gemacht erst sah es gar nicht so aus, als sei der Ball im Tor." Neun Sekunden können bei der Frage "Tor oder nicht?" ganz schön lange sein.

Duell der Torjägerinnen: Nicole Billa war bislang mit ihren 14 Saisontoren das Gesicht des überraschenden Erfolgs der jungen Hoffenheimerinnen. Gegen Wolfsburg blieb sie, geschwächt von einer Krankheit, ohne Treffer. Dass "Österreichs Fußballerin des Jahres" in ihrer Juniorinnenzeit mehrfache Kickboxweltmeisterin war, verschwieg uns Stach. Warum?!

Harder (bis zum Jahreswechsel 18 Tore) schob mit einer tollen Einzelleistung und beschriebenem Torklau in ihrem 100. Pflichtspiel Saisontore 19 und 20 hinterher. Insgesamt kommt sie nun auf 92 Pflichtspieltreffer im Dress des VfL.

Ausblick: Für Hoffenheim war Wolfsburg trotz einer couragierten zweiten Hälfte eine Nummer zu groß. Für die TSG dürften das Weiterkommen im Pokal (Viertelfinale bei Bayer Leverkusen) und der Kampf um Platz zwei in der Bundesliga die realistischen Ziele sein. Der VfL hingegen (Pokal-Viertelfinale in Gütersloh, Runde der letzten Acht in der Champions League gegen Glasgow City FC) scheint in dieser Verfassung auch nach den höchsten Weihen greifen zu können - vergangene Saison scheiterte das Team von Trainer Stephan Lerch knapp, 2019/2020 macht es einen noch stärkeren Eindruck.