Bundesliga der Frauen Warum der VfL Wolfsburg schon wieder Deutscher Meister ist

Der VfL Wolfsburg ist zu gut für die Bundesliga der Frauen. Nun will der FC Bayern mit mehreren Toptransfers zurück an die Spitze. Und wie stark kann Fusionsklub Eintracht Frankfurt werden?
Wolfsburgs Spielerinnen feiern den nächsten Meistertitel

Wolfsburgs Spielerinnen feiern den nächsten Meistertitel

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Maja Hitij/ Getty Images

Es ist selten, dass der VfL Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga der Frauen zittern muss. Aber es kommt vor, wie am ersten Spieltag im Heimspiel gegen den SC Sand. Das Team benötigte einen Elfmeter, um die Auftaktpartie zu gewinnen.

Torhüterin Almuth Schult fehlte damals verletzt. Die Topspielerinnen Nilla Fischer und Caroline Graham Hansen hatten den Verein zuvor verlassen. Ob des Qualitätsverlusts schwang eine Frage nach dem knappen 1:0 gegen Sand mit: Ist der Serienmeister in dieser Saison womöglich angreifbar?

Die Frage hatte sich schnell erledigt. Sehr schnell. Es gab kein weiteres Zittern mehr. Stattdessen folgten viele hohe Erfolge, ein 7:0 in Leverkusen, ein 8:0 in Freiburg, zwar auch ein Unentschieden gegen den einzigen echten Konkurrenten aus München, die bisher einzigen Punktverluste der Saison. Aber inzwischen haben die Wölfinnen ihre nächste Meisterschaft vorzeitig eingefahren, die vierte in Folge, die sechste seit 2013 insgesamt.

Seit 2017 im VfL-Trikot: Die Dänin Pernille Harder war in dieser Saison Wolfsburgs Topangreiferin

Seit 2017 im VfL-Trikot: Die Dänin Pernille Harder war in dieser Saison Wolfsburgs Topangreiferin

Foto: Stuart Franklin/ dpa

Mit Pernille Harder (26 Saisontreffer) und Ewa Pajor (16) hatte der Klub erneut das beste Sturmduo in seinen Reihen - und auch die torgefährlichste Offensive insgesamt (88 Tore in 20 Spielen). Dass Toptorhüterin Schult (nach der Verletzungspause ging sie in den Mutterschutz) für den VfL dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen sollte, war am Ende kein Nachteil: Bislang hat der Verein acht Gegentreffer kassiert. Noch ein Superlativ: beste Defensive der Bundesliga.

Der sportliche Erfolg ist auch das Ergebnis der professionellen Bedingungen, die sich durch die Männerabteilung im Hintergrund bieten. Allerdings ist er vor allem eine Folge der wirtschaftlichen Überlegenheit, die in Wolfsburg der VW-Konzern ermöglicht. Der Etat des VfL soll bei etwa 3,5 Millionen Euro liegen und damit um ein Vielfaches höher als der Etat der meisten Konkurrenten.

Bayerns Transferoffensive, Wolfsburgs Antwort

Einzig der FC Bayern ist derzeit in der Lage und auch gewillt, mit Wolfsburg mitzuhalten, wobei auch er als Tabellenzweiter derzeit acht Punkte hinter dem VfL steht. Für die kommende Saison planen die Meisterinnen von 2015 und 2016 jedenfalls einen neuen Angriff. Der Klub hofft, mit den Verpflichtungen der deutschen Toptalente und Nationalspielerinnen Klara Bühl, 19 Jahre (SC Freiburg), und Lea Schüller, 22 (Essen), sowie der erfahrenen Abwehrspielerinnen Marina Hegering (Essen) und Hanna Glas (PSG) die erdrückende Dominanz des VfL zu beenden.

Schwer vom Ball zu trennen: die künftige Wolfsburgerin Lena Oberdorf im Duell gegen Leverkusen

Schwer vom Ball zu trennen: die künftige Wolfsburgerin Lena Oberdorf im Duell gegen Leverkusen

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Aber das wird auch in der kommenden Saison schwierig bleiben: Nach Wolfsburg wechselt mit Lena Oberdorf, 18 (Essen), die wohl aufregendste Nachwuchsspielerin im deutschen Fußball sowie mit Pauline Bremer, 24, von Manchester City eine weitere Nationalspielerin.

Nationaltorhüterin Frohms entscheidet sich für Frankfurt

Die weitere Bundesliga-Konkurrenz kommt bei diesem Tempo kaum hinterher. Bei Turbine Potsdam wurde unlängst der Vertrag von Trainer Matthias Rudolph nicht verlängert, weil er nicht auf seinen Hauptberuf als Lehrer verzichten möchte. Solche Probleme sind in Wolfsburg und München unbekannt.

Auch die zuletzt diskutierte Doppelbelastung für viele Spielerinnen während der Coronakrise, die oft nebenher noch studieren oder einen weiteren Job neben dem Fußball haben, ist bei den beiden Spitzenklubs kein größeres Thema. Der überwiegende Profistatus in beiden Teams ist ein Vorteil, und seit nun sechs Jahren machen Wolfsburg und München die ersten beiden Plätze in der Bundesliga stets unter sich aus. Der bisher letzte Verein, der diese Dominanz brechen konnte, war der 1. FFC Frankfurt im Jahr 2014.

Und wenn es in Zukunft mehr Ausgeglichenheit an der Spitze geben sollte, dann ruhen die Hoffnungen erneut auf Frankfurt.

Wenn es um die Professionalisierung des Fußballs in Deutschland geht, gilt die Anbindung an einen Profiklub aus dem Männerbereich als wichtigste Maßnahme. In der laufenden Bundesliga-Saison spielen fünf Vereine mit, die diese Voraussetzung nicht mitbringen und allein durch diesen strukturellen Nachteil nicht mit Wolfsburg und Bayern mithalten können. Der 1. FFC, mit sieben Meisterschaften und vier Champions-League-Titeln die erfolgreichste deutsche Marke im Fußball der Frauen, will das nun ändern und fusioniert mit Eintracht Frankfurt.

Seit fünf Jahren, mit dem Beginn der Wolfsburger Dominanz, musste FFC-Manager Siegfried Dietrich mit finanziellen Grenzen leben. Deutsche Nationalspielerinnen oder ausländische Topstars waren nicht mehr zu einem Wechsel nach Frankfurt zu bewegen. Nun kommt mit Merle Frohms die neue Stammtorhüterin des Nationalteams zur Eintracht und laut Dietrich, der auch nach der Fusion der entscheidende Mann in Frankfurt bleibt, werden weitere Transfers folgen.

Verändert Frankfurter Fusion die Liga?

Die Verpflichtung von Frohms ist ein starkes Signal, doch noch ist nicht abzuschätzen, was in Frankfurt entsteht. Die Coronakrise hat die offizielle Vorstellung des Projekts nach hinten geschoben, der finanzielle Rahmen ist noch unbekannt. Auch in Köln und Leverkusen wird Bundesliga-Fußball gespielt, im Vergleich zum Fußball der Männer ist das wirtschaftliche Engagement der beiden rheinischen Rivalen jedoch eher stiefmütterlich.

Und es gibt noch zwei weitere Klubs, die Druck machen könnten: Der ambitionierte Zweitliga-Aufsteiger RB Leipzig mit Spielertrainerin Anja Mittag hofft auf einen schnellen Bundesliga-Aufstieg. Und Borussia Dortmund will bis zur kommenden Mitgliederversammlung entschieden haben, ob der BVB auch in den Fußball der Frauen einsteigt. Es ist unwahrscheinlich, dass in Frankfurt sofort ein Titelkandidat entsteht. Aber wenn die Eintracht mittelfristig zu Wolfsburg und Bayern aufschließen könnte und Leipzig und Dortmund folgen, dann würde der gesamte Sport in den kommenden Jahren davon profitieren.

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