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14. Mai 2018, 08:52 Uhr

Bundesliga-Bilanz

Ein Hoch auf den Videobeweis

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Was bleibt von dieser Bundesligasaison? Der Abstieg von Köln und Hamburg? Sicher nicht. Stattdessen der Videobeweis. Er hat dem Fußball die Emotion zurückgebracht.

Der geschätzte BVB-Blog schwatzgelb.de hat dieser Tage einen Text veröffentlicht, in der die Sehnsucht der Bundesligafans nach einer Geschichte thematisiert wurde. Mit dieser Sehnsucht wurde begründet, warum so viele dem Hamburger SV den Abstieg wünschen. Damit man von dieser Spielzeit etwas zu erzählen hat.

Aber dazu braucht es doch keinen Niedergang des HSV. Zumal das Sterben eines Pflegefalls, der seit Jahren der Agonie entgegendämmert, ja am Ende selbst bei nahen Angehörigen vielmehr das Gefühl der Erleichterung hervorruft, als von großer, gar schockhafter Emotion reden zu können. Stirb endlich, du Bestie. Nun ist sie gestorben.

Diese Saison hat eine ganz andere Story. Es ist die Saison, als der Videobeweis das Drama der Bundesliga zurückgebracht hat. Man stelle sich nur vor, diese Saison hätte ohne den Videobeweis stattgefunden. Diese Saison mit den ewigen Bayern da vorne, mit dem 1. FC Köln dort unten auf dem Abstiegsrang seit dem zweiten Spieltag. Mit Hertha, Augsburg und Mainz. Mit Peter Stöger, der Borussia Dortmund das Fußballspielen ausgetrieben hat, mit dem 1:0-Tedesco als Vizemeister mit 21 Punkten Rückstand. Der Ausfall des Eurosport Players am zweiten Spieltag als größtem Aufreger des Jahres. Und Köln und Hamburg sind übernächste Saison sowieso wieder da.

Kein Adrenalin für Schmadtke und Streich

Wie sehr dagegen hat der Videobeweis das Blut in Wallung gebracht. Wie viel Adrenalin hätten Kölns Jörg Schmadtke und Freiburgs Christian Streich nicht verschüttet, wenn die Entscheidungen althergebracht von Felix Brych und Manuel Gräfe auf dem Feld getroffen worden wären. Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Wie langweilig.

Ganz schnell wurde klar, dass dieses Instrument nicht, wie vordergründig immer noch behauptet, zur Fehlervermeidung eingesetzt wurde. Sonst hätte es ja Fehler deutlich vermieden, wenn es so gewesen wäre. Nein, die Einführung des Videobeweises hatte eine ganz andere Funktion. Die DFL hat das in vollem Bewusstsein gemacht, um den Entertainmentfaktor der Liga zu heben.

Wie machen wir die Bundesliga wieder spannend? Das hatte der Fußball-Vordenker Uli Hoeneß schon vor Jahren gefragt. Dieser nervenaufreibende Moment, wenn der Unparteiische einen Fernsehschirm in die Luft malt und der Jubel der Spieler plötzlich einfriert, als hätte sich im Kölner Keller Dornröschen mit der Nadel in den Finger gestochen. Die Minuten, die wie Stunden sind. Der Cliffhanger. Perfekt inszeniert auch, das Publikum im Stadion im Unwissen zu lassen wie in einem Haferkamp-Tatort von 1976. Nur nicht zu viel auflösen.

Wer kannte vorher kalibrierte Linien?

Und dann der Pfiff, die Überraschung, die Entscheidung, mit der niemand rechnete. Das große Raunen. Dann die Empörung, der Bluthochdruck, der Stammtisch. All das, was Fußball ausmacht. Der Riss durch die Familien heißt nicht mehr: Dortmund oder Schalke. Er heißt: Anhänger oder Gegner des Videobeweises. Beatles oder Stones, Grindel oder Streich.

Elfmeter, die niemand sah, die immer neue Interpretation der Handspielregel, die stets überraschende Deutung, was eine klare Fehlentscheidung ist und was nicht - nie kam Routine in die Spieltage, die Fans stürzten von Moment zu Moment in Wechselbäder der Gefühle. Und wer kannte vorher schon das Wort kalibrierte Linien, das jetzt Fußballfans unfallfrei in jede Debatte einwerfen können?

Strafstöße in der Halbzeitpause, wo endet die Macht des Referees, wo beginnt sie, und sitzt in dem Videokeller wirklich ein Unbekannter, der eine weiße Katze streichelt? Der Schurke, der über seine Kontrollbildschirme die Dinge regelt. Mehr James Bond war nie in der Fußball-Bundesliga.

Danke, Videobeweis. Danke, Deutsche Fußball-Liga. Ihr habt den Fußball gerettet.

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