Hinrunden-Halbzeit in der Bundesliga Zahlen, bitte!

Einfach laufen lassen: Der FC Bayern macht auf FC Barcelona und will den Ball nicht mehr hergeben. Borussia Dortmund steht aufs Schießen, Hannover 96 auf viel Körperkontakt. Die verblüffendsten Erkenntnisse zur Hinrunden-Halbzeit.
Bayern-Trainer Guardiola, rechts, auf dem Oktoberfest: Wie Barcelona

Bayern-Trainer Guardiola, rechts, auf dem Oktoberfest: Wie Barcelona

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images

Zügellos ist sie, die Fußball-Bundesliga. Acht Spieltage und noch immer kein einziges 0:0, das gab es zu diesem Zeitpunkt noch nie. 238 Tore sind bisher gefallen (2012/2013: 209, 2011/2012: 209), umgerechnet fast 30 pro Spieltag. Acht Handelfmeter wurden bereits gepfiffen (in der Vorsaison insgesamt 20), auch hier kündigt sich zum Saisonende ein Rekordwert an.

Die weitere wichtige Erkenntnis zur Halbzeit dieser Bundesliga-Hinrunde kommt einem dagegen irgendwie bekannt vor: Im Titelkampf deutet auch diesmal alles auf Borussia Dortmund und den FC Bayern hin, Leverkusen komplettiert das Favoritentrio.

Bayern-Pässe in Leverkusen

Bayern-Pässe in Leverkusen

Foto: Opta

Made in Barcelona

Doch die Münchner ragen noch einmal heraus, der Triple-Sieger hat rechtzeitig vor der Länderspielpause die Tabellenführung übernommen. Beim Duell in Leverkusen (1:1), ausgerechnet beim zweiten Remis in dieser Saison, offenbarten die Münchner, wie weit sie im Lernprozess unter dem neuen Lehrmeister Josep Guardiola bereits sind: ziemlich weit. Ein paar Zahlen belegen das eindrucksvoll:

  • Ballbesitz: 71,4 Prozent im Schnitt (auf Platz zwei in dieser Statistik: Dortmund mit 58,3 Prozent).
  • Ballkontakte: 6865, 800 mehr als der aktuelle Tabellenvierte Mönchengladbach (6020).
  • Passgenauigkeit: 89 Prozent (Mönchengladbach: 86 Prozent).

Es ist eine der Botschaften zur Hinrunden-Halbzeit, dass Guardiola die Dominanz aus Barcelona zu den ohnehin schon dominanten Bayern gebracht hat. Laut Sportdatenanbieter Opta übertreffen Philipp Lahm (604 Pässe) und Co. damit die Werte aus der nicht eben unerfolgreichen Heynckes-Ära (jeweils 64 Prozent Ballbesitz, 86 und 87 Prozent Passgenauigkeit) deutlich. Das Ergebnis ist eine erdrückende Überlegenheit, die sich, und das ist der einzige Makel, einzig noch nicht immer in entsprechenden Ergebnissen niederschlägt. Merke: Ballbesitz ist nicht alles.

Und Ballbesitz ist auch (fast) nichts: Der Tabellendritte aus Leverkusen fungiert bisher als Antithese zum von Guardiola favorisierten Pass-Exzess. Einen Punkt liegt Bayer hinter Bayern, kommt aber nur auf 43,8 Prozent durchschnittlichen Ballbesitz pro Partie. Dass das Team trotzdem oben mitspielt, liegt an seiner Konterstärke.

Feuer frei!

BVB-Profi Reus: Überragende Saison

BVB-Profi Reus: Überragende Saison

Foto: Dennis Grombkowski/ Bongarts/Getty Images

Mittelfeldmann Marco Reus (8 Spiele, 4 Tore, 3 Vorlagen) spielt bei Borussia Dortmund eine ganz starke Saison. In einem Team, das offensiv bisher Bestwerte auf sich vereint, ragt der Nationalspieler heraus. 32 Schüsse, davon 14 aufs Tor - nur Stürmer Robert Lewandowski schafft noch mehr (40/22). 191 Schüsse weist die Bilanz bisher für die gesamte Elf von Trainer Jürgen Klopp aus. Bayern München (155) kommt da nicht mit. Die eigentliche Überraschung ist aber der FC Augsburg (129) auf Rang drei: Der vermeintliche Abstiegskandidat wird bisher für seine attraktive Spielweise belohnt. Kurios: Der SC Freiburg, mit 64 Schüssen schwächstes Team der Kategorie, kommt wie Augsburg auf bisher neun Saisontore.

Von der Leine: Die Kartenkönige aus Hannover

96-Profi Huszti (l.): Hart, härter, Hannover

96-Profi Huszti (l.): Hart, härter, Hannover

Foto: Ronny Hartmann/ Bongarts/Getty Images

Die Profis von Hannover 96 krönen sich bisher gleich doppelt: zur derzeit schlechtesten Auswärtsmannschaft (0 Punkte, 0:7 Tore) und zur rustikalsten Bundesliga-Elf. 22 Gelbe Karten nach acht Spieltagen, dazu einmal Rot, das ist konkurrenzlos. Genau wie diese Zahl: 153 Fouls, also rund 20 pro Partie, begingen die Spieler von Trainer Mirko Slomka. 96 verteidigt damit im wahrsten Sinne des Wortes den Titel aus dem Vorjahr. Auch nach acht Spielen der Saison 2012/2013 hatte Hannover am härtesten hingelangt (20 Gelbe, eine Gelb-Rote Karte).

Arme Braunschweiger!

Braunschweig-Profis: 148 Minuten für ein Tor

Braunschweig-Profis: 148 Minuten für ein Tor

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

In zweieinhalb Stunden lässt sich einiges erledigen: Bei "Vom Winde verweht" die Einführung der Hauptcharaktere über sich ergehen lassen. Die Steuerklärung machen. Oder als Braunschweig-Fan auf das nächste Tor warten. Ganze 148 Minuten braucht die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht im Durchschnitt für einen Treffer. Das ist der mit Abstand schlechteste Wert der Liga. Die Tapferkeitsmedaille geht damit schon jetzt nach Niedersachsen.