Die Zahlen der Bundesliga-Hinrunde Torflut, Teenie-Treffer, Teamwork

Diese Bundesliga-Saison ist bisher die torreichste der vergangenen zehn Jahre. Das liegt vor allem an der starken Chancenverwertung, aber auch an treffsicheren Teenagern. Kopfballtore sind aber derzeit nicht im Trend. Die interessantesten Statistiken zur Hinrunde.

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Der FC Bayern eilt der Konkurrenz davon, Schalke 04 strauchelt, ein Aufsteiger ist gleich wieder auf einem Abstiegsplatz: Es scheint alles wie immer zu sein in der Fußball-Bundesliga. Nicht ganz. Wir haben mit Hilfe des Sportdatenanbieters Opta die Statistiken der Hinrunde analysiert - und sind dabei auf einige interessante Entwicklungen gestoßen.

Die erste Erkenntnis: Bislang ist diese die torreichste Saison der vergangenen zehn Jahre. 3,20 Treffer sehen die Zuschauer in Deutschlands Stadien pro Partie - ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als es durchschnittlich 2,93 Tore gab. Ein Grund für die vielen Treffer ist die starke Chancenverwertung. Knapp 15 Prozent aller Möglichkeiten wurden bisher genutzt.

Die Chancenverwertung in den vergangenen zehn Jahren

Rang Saison Chancenverwertung in % Tore pro Spiel
1 2013/2014 14,8 3,20
2 2012/2013 14,6 2,93
3 2010/2011 14,5 2,92
4 2011/2012 14,2 2,86
5 2004/2005 14,1 2,91
6 2009/2010 13,8 2,83
7 2008/2009 13,4 2,92
8 2005/2006 12,9 2,81
9 2007/2008 12,5 2,81
10 2006/2007 12,3 2,74

Quelle: opta

Auffällig ist dabei, dass die Chancenverwertung seit 2010/2011 auf einem hohen Niveau liegt. Besonders abgeklärt vor dem Tor waren bislang Schalkes Jefferson Farfán und Gladbachs Oscar Wendt, die jeweils 43 Prozent ihrer Möglichkeiten nutzen. In die Wertung kamen übrigens nur Spieler, die mindestens drei Treffer erzielten. Umso höher ist Farfáns Leistung einzuschätzen - er hat schon sechs Tore geschossen, Wendt drei.


Bei den Torschützen fällt auf: Es gibt immer mehr Teenager-Tore. Dass in Deutschland erstklassige Nachwuchsarbeit geleistet wird, ist schon länger bekannt, nun scheinen die Talente früher einen Torriecher zu entwickeln. Acht Teenager waren in der Hinrunde erfolgreich, sie sorgten für insgesamt 21 Treffer - Bestwert seit 2000. Damals hatte sich eine überalterte deutsche Nationalmannschaft bei der EM in den Niederlanden und Belgien blamiert. Es war ein langer Prozess bis zu dieser Saison, 2002/2003 etwa gab es in der Hinrunde kein einziges Teenie-Tor.

Teenager-Tore in der Bundesliga-Hinrunde*

Saison Anzahl Torschützen Anzahl Tore
2013/2014 8 21
2012/2013 3 5
2011/2012 4 11
2010/2011 6 13
2009/2010 7 14
2008/2009 2 3
2007/2008 3 4
2006/2007 11 15
2005/2006 4 5
2004/2005 1 1
2003/2004 5 8
2002/2003 0 0
2001/2002 3 5
2000/2001 1 2

*(Stichtag: 1.1.1994)
Quelle: opta

Beste Torjäger unter den insgesamt acht Teenagern, die trafen, waren die beiden 19-Jährigen Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg) und Hakan Calhanoglu (HSV), die je fünfmal erfolgreich waren. Noch überraschender war aber das Auftreten von Timo Werner. Der Stuttgarter ist der erste 17-Jährige in der Bundesliga-Geschichte, dem vier Treffer gelangen. Werner bereitete in 14 Spielen zudem vier Tore vor.

Die weiteren Teenager-Torschützen: Max Meyer (FC Schalke, 3 Treffer), Niklas Süle (1899 Hoffenheim, 1), Leon Goretzka (FC Schalke, 1), Arkadiusz Milik (FC Augsburg, 1) und Emre Can (Bayer Leverkusen, 1).


Eines der strittigsten Themen in der Hinrunde waren die vielen Strafstöße - und die teils fragwürdigen Entscheidungen, die ihnen zugrunde lagen. Die Statistik belegt das Gefühl: Seit 28 Jahren gab es nicht mehr so viele Elfmeter wie in dieser Saison. 45-mal wurde nach einem Strafstoß gejubelt, ein Schnitt von knapp 0,3 Elfer-Treffern pro Spiel. Nur dreimal gab es mehr Tore vom Punkt. Übrigens wurden nur acht Strafstöße verschossen, gerade mal 15,1 Prozent.

Elfmetertore pro Bundesliga-Spiel

Rang Saison Ingesamt* pro Spiel
1 1985/1986 92 0,301
1 1981/1982 92 0,301
3 1974/1975 91 0,297
4 2013/2014 45 0,296
5 1986/1987 86 0,281
5 1983/1984 86 0,281
7 1977/1978 83 0,271
7 1972/1973 83 0,271
9 1980/1981 77 0,252
10 1973/1974 76 0,248

*Alle Werte außer der Saison 2013/2014 sind aus der gesamten Saison
Quelle: opta

Erfolgreichster Elfmeterschütze der Hinrunde ist Hoffenheims Sejad Salihovic - fünfmal trat der Bosnier an, fünfmal verwandelte er. Beim 4:4 gegen Bremen am 14. Spieltag traf Salihovic sogar innerhalb von sechs Minuten zweimal vom Punkt.

Anteil der Elfmetertore an allen Bundesliga-Treffern

Rang Saison Elfmetertore* Tore gesamt* Anteil Elfmetertore
1 2013/2014 45 486 9,3%
1 1985/1986 92 992 9,3%
3 1986/1987 86 990 8,7%
4 1974/1975 91 1056 8,6%
5 1981/1982 92 1081 8,5%
6 2001/2002 74 893 8,3%
7 1977/1978 83 1014 8,2%
8 1972/1973 83 1045 7,9%
9 1983/1984 86 1097 7,8%
10 1999/2000 69 885 7,8%

*Alle Werte außer der Saison 2013/2014 sind aus der gesamten Saison
Quelle: opta


Übrigens ist der Anteil, den verwandelte Elfmeter an den gesamten Toren ausmachen, auf einem Rekordniveau. Nur in der Saison 1985/1986 lag der Wert einmal bei 9,3 Prozent - so wie in dieser Spielzeit.


Während es sehr viele Elfmetertore gibt, sind Kopfballtreffer äußerst selten. In den vergangenen zehn Jahren gab es nie so wenige Tore mit dem Kopf wie in der laufenden Saison. Durchschnittlich fällt nicht mal alle zwei Partien ein Kopfballtreffer.

Kopfballtore in den vergangenen zehn Jahren

Rang Saison Ingesamt* pro Spiel
1 2008/2009 196 0,641
2 2004/2005 195 0,637
3 2012/2013 183 0,598
3 2005/2006 183 0,598
3 2007/2008 183 0,598
6 2006/2007 172 0,562
7 2009/2010 160 0,523
8 2010/2011 158 0,516
9 2011/2012 158 0,516
10 2013/2014 71 0,467

*Alle Werte außer der Saison 2013/2014 sind aus der gesamten Saison
Quelle: opta

Auch der Anteil der Kopfballtore an allen Treffern ist gering, er liegt bei 14,6 Prozent. Dabei ist es gerade mal fünf Jahre her, als noch mehr als ein Fünftel aller Tore mit dem Kopf erzielt wurden. Seitdem ist die Entwicklung rückläufig. Nur in der vergangenen Saison lag der Wert noch einmal bei über 20 Prozent.

Anteil der Kopfballtore an allen Bundesliga-Treffern (seit 2004)

Rang Saison Kopfballtore* Tore gesamt* Anteil Kopfballtore
1 2008/2009 196 894 21,9%
1 2004/2005 195 890 21,9%
3 2007/2008 183 860 21,3%
3 2005/2006 183 861 21,3%
5 2006/2007 172 837 20,5%
6 2012/2013 183 898 20,4%
7 2009/2010 160 866 18,5%
8 2011/2012 158 875 18,1%
9 2010/2011 158 894 17,7%
10 2013/2014 71 486 14,6%

*Alle Werte außer der Saison 2013/2014 sind aus der gesamten Saison
Quelle: opta


Womöglich hängt das auch mit dem langsamen Aussterben der klassischen Stürmertypen zusammen. Kopfballungeheuer sind in dieser Saison bislang Mario Mandzukic (FC Bayern), Vedad Ibisevic (VfB Stuttgart), Adrián Ramos (Hertha) und Stefan Kießling (Leverkusen), die alle jeweils viermal mit dem Kopf trafen. Bei Kießling wurde auch das Phantomtor von Hoffenheim gewertet.


Teamfähigkeiten werden nicht nur in fast allen Stellenausschreibungen gefordert, auch in der Bundesliga sind sie derzeit unverzichtbar. 69 Prozent aller Treffer wurden direkt von einem Mitspieler vorbereitet, die Anzahl der Vorlagen pro Spiel ist auf dem höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre. 2,2 Assists gibt es durchschnittlich, ein leichter Anstieg im Vergleich zur Vorsaison.

Torvorlagen in den vergangenen zehn Jahren

Rang Saison Vorlagen ingesamt* Vorlagen pro Spiel
1 2013/2014 337 2,2
2 2012/2013 645 2,1
2 2004/2005 641 2,1
2 2008/2009 634 2,1
5 2010/2011 625 2,0
5 2011/2012 623 2,0
5 2005/2006 618 2,0
5 2009/2010 617 2,0
5 2007/2008 599 2,0
10 2006/2007 595 1,9

*Alle Werte außer der Saison 2013/2014 sind aus der gesamten Saison
Quelle: opta

Beste Vorbereiter der Hinrunde waren laut Opta, die nur direkte Vorlagen zählen, Franck Ribéry vom FC Bayern und Leverkusens Gonzalo Castro. Beide verzeichneten je sieben Assists.

max

insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
schnuffschnuff 23.12.2013
1. Unsympath
Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich sehe auf den Fotos von diesem Müller immer nur einen abstoßenden Aggro-Typen. Der kann die Weihnachtsganz wohl im Ganzen runter würgen.
decebalus911 23.12.2013
2. Müller
Zitat von schnuffschnuffVielleicht geht es ja nur mir so, aber ich sehe auf den Fotos von diesem Müller immer nur einen abstoßenden Aggro-Typen. Der kann die Weihnachtsganz wohl im Ganzen runter würgen.
sieht beim Torjubel schon ein wenig unvorteilhaft aus, das stimmt. Er ist aber trotzdem ein sehr sympathischer Fussballer, der auch nicht auf den Kopf gefallen ist ;-) Den fand ich trotzdem gut :-)
spon-4aq-j9h9 23.12.2013
3. Authentisch
also ich sehe auf jenen Bildern einen Vollprofi, der sich (trotzdem) immer noch wie ein Junge über jedes Tor und jeden Sieg ausgelassen freut und dem es nicht nur um den monatlichen Gehaltscheck geht.
NeZ 23.12.2013
4.
Müller ist der Großkreutz der Bayern. 100% hinter dem Verein, ein bodenstàndiger, ehrlicher Arbeiter. Dafür spricht seine Konstanz hinsichtlich Freundin, Verein & Heimatverbundenheit. Er verkörpert das, was sich Hooligans/Ultras/Rückständige wünschen, wofür wird er also kritisiert?
M.O.A. 23.12.2013
5. genau
Müller gilt algemein als ausgesprochen unsympathischer Spieler...ach so nein, das war ja Großkreutz, sorry.
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