BVB-Sieg gegen Stuttgart Wirbelsturm in Schwarz-Gelb

"Das könnte man öfter haben": Borussia Dortmund berauscht sich beim Kantersieg gegen Stuttgart an sich selbst. Starstürmer Robert Lewandowski schoss den VfB mit drei Treffern fast im Alleingang ab, die Fans verhielten sich diesmal vorbildlich. Nur ein Elfmeterpfiff sorgte für Diskussionen.

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Aus Dortmund berichtet


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Ziemlich einsam schlich Robert Lewandowski nach dem spektakulären 6:1 von Borussia Dortmund gegen den VfB Stuttgart durch den Mittelkreis. Er klatschte ein paar gegnerische Spieler ab, hob die Hände, um dem Publikum zu applaudieren, am Jubel seiner Kollegen nahm der Held des Abends aber kaum teil. Irgendwann kam Torwart Roman Weidenfeller und umarmte den Polen, der den BVB so gerne verlassen möchte, aber selbst nach Sensationsspielen wie diesem ist zu spüren, dass die Liebe zwischen dem Weltklassestürmer und dem Revierclub abgekühlt ist.

Umso erstaunlicher ist die Art und Weise, wie Lewandowski immer noch für die Dortmunder Fußball spielt. In der zweiten Halbzeit erzielte er das 3:1 (54.), das 4:1 (56.) und das 5:1 (73.), ein makelloser Hattrick. Es war der erste eines BVB-Spielers seit fast 20 Jahren, als der heutige Sportdirektor Michael Zorc gegen den Hamburger SV dreimal in einer Halbzeit traf. "Das war für mich sehr wichtig", sagte Lewandowski, dem im Oktober kein einziger Bundesliga-Treffer gelungen war.

Unter Skeptikern kursierte bereits der Verdacht, der 25-Jährige lasse sich angesichts des im kommenden Sommer anstehenden Vereinswechsels zum FC Bayern hängen. Nach diesem 6:1 ist er mit neun Trefffern bester Schütze der Liga, "er ist einfach Torjäger durch und durch", sagte sein Trainer Jürgen Klopp.

Strittige Elfmeterszene

Allerdings ist dieser Freitagabend derart ereignisreich gewesen, dass Lewandowskis Hattrick nur eine Geschichte von vielen war, die dieses Spiel zu erzählen hatte. So hatte es eine kuriose Entscheidung der Unparteiischen gegeben, als Florian Meyer in der 42. Minute nach einem Zweikampf zwischen Dortmunds Kevin Großkreutz und Stuttgarts Timo Werner im Strafraum erst Elfmeter gepfiffen hatte, die Entscheidung nach Rücksprache mit seinen Kollegen aber revidierte. Das war mutig, denn wie die Assistenten aus der Ferne erkannt haben wollen, was sich in dieser Situation wirklich ereignet hatte, blieb ungeklärt.

Selbst nach ausgiebigem Studium der TV-Bilder waren die Meinungen zu der Szene kontrovers, Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic meinte, den Strafstoß "muss man geben", Weidenfeller erklärte, "man sieht in den Bildern ganz klar, dass Werner nicht getroffen wurde" und Klopp meinte: "Ich habe es jetzt ein paar Mal am Bildschirm gesehen, und weiß immer noch nicht, ob es einen Kontakt gab." Es war eine Szene, die wunderbar demonstrierte, dass auch nach einer Einführung des Videobeweises, die in den vergangenen Wochen geräuschvoll gefordert wurde, munter weiter diskutiert werden würde.

Für den Ausgang des Spiels war diese Szene aber eher nicht relevant. Zwar stand es in jener 42. Minute nach Treffern von Haggui (13.), Sokratis (19.) und Reus (22.) erst 2:1 für den BVB, aber nach der Pause fegten die Dortmunder auch die leisesten Zweifel mit einem Wirbelsturm feinster Fußballkunst aus dem Stadion.

Schub für die Champions League

Analog zum schnörkellosen Spiel seiner Mannschaft fasste Klopp die große Show der zweiten Hälfte in Stichworten zusammen: "Gegner richtig unter Druck gesetzt, gar nicht nachgelassen, Doppelschlag, dann weiter drangeblieben, in einer tollen Atmosphäre, in strömendem Regen, geiles Fußballspiel, das könnte man öfter haben." Den Schlusspunkt setzte Pierre-Emerick Aubameyang mit seinem 6:1 (82.) "Das gibt uns einen Schub für das Spiel gegen den FC Arsenal am nächsten Mittwoch", sagte Nuri Sahin.

Für mindestens einige Stunden steht der BVB nun an der Tabellenspitze, stellt den mit Abstand besten Sturm der Liga (31 Tore) und hat in den jüngsten vier Heimspielen sagenhafte 18 Treffer erzielt. Und die Fans, die den Sieg auf Schalke vor einer Woche mit dem Einsatz von Pyrotechnik eingetrübt hatten, benahmen sich auch vorbildlich, obwohl Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eine Choreografie der Ultragruppen untersagt hatte.

Den problematischen Teil des eigenen Publikums in den Griff zu bekommen, scheint derzeit eine schwierigere Aufgabe zu sein, als die vielen hoffnungslos unterlegenen Gegner zu besiegen. Aber konzeptlos sind die Dortmunder dabei nicht. Um rechtsradikale Strömungen auf der Südtribüne zu bekämpfen, war vor dem Spiel ein Flyer verteilt worden, in dem verschiedene verbotene und nicht verbotene Symbole der Neonazi-Bewegung erklärt wurden. Der Verein will die Zivilcourage des Publikums fördern.

Und die Feuerwerksfreunde unter den Ultras werden in Zukunft "oft nicht mehr da sein", prophezeite Watzke. An diesem großen Fußballabend war er aber heilfroh, dass wieder die Mannschaft im Mittelpunkt des Interesses stand.

Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 6:1 (2:1)
0:1 Haggui (13.)
1:1 Sokratis (19.)
2:1 Reus (22.)
3:1 Lewandowski (54.)
4:1 Lewandowski (56.)
5:1 Lewandowski (72.)
6:1 Aubameyang (81.)
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Sokratis, Hummels, Schmelzer (70. Durm) - Bender, Sahin - Blaszczykowski, Mchitarjan (76. Schieber), Reus (59. Aubameyang) - Lewandowski
Stuttgart: Ulreich - Sakai, Schwaab, Haggui, Boka - Kvist, Gentner - Leitner (85. Traoré), Maxim, Werner (74. Harnik) - Ibisevic (68. Abdellaoue)
Schiedsrichter: Meyer
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Sokratis -

insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
Redlance 02.11.2013
1. Elfmeterpfiff
Zitat von sysopDPA"Das könnte man öfter haben": Borussia Dortmund berauscht sich beim Kantersieg gegen Stuttgart an sich selbst. Star-Stürmer Robert Lewandowski schoss den VfB mit drei Treffern fast im Alleingang ab, die Fans verhielten sich diesmal vorbildlich. Nur ein Elfmeterpfiff sorgte für Diskussionen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-bundesliga-dortmunds-sieg-gegen-stuttgart-in-der-analyse-a-931380.html
Diese Aussage ist natürlich Blödsinn. Zu diesem Zeitpunkt wäre ein Elfmeter sehr wohl relevant gewesen. Dass Dortmund nach einem möglichen 2:2 vor der Halbzeit Stuttgart genauso überrannt hätte ist Spekulation. Das Spiel hätte dann nämlich auch ganz anders verlaufen können. Man weiß es nicht. Bei einem Stand von 5:1 gegen Spielende wäre ein Elfmeter wohl irrelevant, aber nicht zu diesem Zeitpunkt.
Broko 02.11.2013
2.
Komisch - wenn der FC Bayern solche Siege erringt, "analysieren" die Journalisten für gewöhnlich zunächst einmal die Schwächen der Gegner in epischer Breite! Dass der VFB gestern Abend ohne Abwehr angetreten ist, hat der Journalist hoffentlich auch bemerkt ...
stevowitsch 02.11.2013
3. Lauf
Tja, wenn die Dortmunder ins Laufen kommen, gibt es kaum noch ein Halten. Aber zum Hattrick: Ist aber, glaube ich, ursprünglich einfach nur eine Bezeichnung für 3 Tore in einem Spiel. 3 hintereinander und noch dazu in einer Halbzeit ist eine deutsche Erfindung. Oder? So, und heute nachmittag gewinnt "meine" Borussia in Hamburg, und dann ist alles gut! ;)
dhbean 02.11.2013
4. der einzige zweck...
...den der wechsel von lewa bringen wird ist dass der bvb geschwächt werden soll. dieser stürmer passt doch gar nicht ins bayern-konzept. schade drum.
Boesor 02.11.2013
5.
nette Formulierung zu Lewandowski s torausbeute. man hätte auch sagen können "seit 3 spielen" in der Bundesliga nixht getroffen. aber der ganze Oktober klingt wohl dramatischer...
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