Fußball-Bundesliga Eiskalt im Endspurt

Noch sieben Spieltage in der Bundesliga - und es geht drunter und drüber. Plötzlich gewinnen Abstiegskandidaten, Titelanwärter lassen Punkte liegen. Am Ende könnte einer profitieren, der unter größtem Druck cool bleibt: Felix Magath.

Schalke-Trainer Magath: Am Ende wieder der große Sieger?
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Schalke-Trainer Magath: Am Ende wieder der große Sieger?

Von Christoph Biermann


Grund zum Lachen hatten die Anhänger von Hertha BSC in dieser Saison selten und in der vergangenen Woche schon gar nicht. Dem durch die Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg vermeintlich sicheren Abstieg war ein Platzsturm erboster Fans gefolgt, der bundesweit für Entsetzen sorgte. Am Sonntagabend hingegen sahen die nach Wolfsburg mitgereisten Berliner fassungslos beseelt einen 5:1-Sieg, und im Moment des Überschwangs gelang ihnen sogar ein guter Witz. "Hoeneß raus!", riefen die Hertha-Fans dem langjährigen Manager der Berliner zu, der diesen Job seit einigen Wochen in Wolfsburg macht.

Es ist gut, wenn man gerade jetzt was zu lachen hat, denn langsam wird es ernst. Die Bundesliga nähert sich jener Phase, für die es im US-Sport den schönen lautmalerischen Begriff "Crunch-Time" gibt. Diese Zeit des Knirschens und Zermahlens meint jene Momente eines Spiels oder einer Saison, wo sich die Situation dramatisch zuspitzt. Und da geraten sicher geglaubte Erkenntnisse plötzlich ins Wanken.

Herthas sensationeller Erfolg in Wolfsburg ist nur ein Beispiel dafür. Am Tabellenende siegte der SC Freiburg zum ersten Mal seit Ende November wieder und sieht sich für die Politik der ruhigen Hand, ohne überstürzte Personalwechsel, bestätigt. Der kurze Frühling von Hannover 96 hingegen ist mit einem äußerst schwachen Spiel bei den Barcelona-Opfern aus Stuttgart schon wieder vorbei. Und der VfL Bochum ist nach drei Niederlagen hintereinander nun wieder das, was er abgeschüttelt zu haben hoffte: ein Abstiegskandidat.

Playoff-Wochen im Titelkampf

Verblüffender als diese Neuordnung im Tabellenkeller ist aber, dass die drei Mannschaften an der Tabellenspitze es durch Schalkes Unentschieden in Hamburg auf insgesamt nur einen Punkt brachten. Ganz vorne wird es an den kommenden drei Spieltagen zu einem vorgezogenen Playoff um die Tabellenführung kommen. Erst tritt Leverkusen am nächsten Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Schalke an, dann Schalke gegen Bayern und schließlich Leverkusen gegen Bayern.

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Bundesliga-Sonntag: Schalke verpasst die Spitze, Gekas trifft dreimal

Die Ouvertüre zum Kräftemessen in der Schwergewichtsklasse findet am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Gelsenkirchen statt, wenn Schalke und Bayern um den Einzug ins DFB-Pokalfinale spielen. Dass die Münchner in diesen Wochen auch noch in der Champions League gegen Manchester United ran müssen, soll nicht unerwähnt bleiben, denn diese Spiele werden Kraft kosten.

Gerade für die Bayern bergen die nächsten Wochen ein unerhörtes Absturz-Risiko, zumal sich Personalsorgen und mangelnde Form momentan zu einer handfesten Auswärtsschwäche addieren. Nur zwei gewonnene Punkte aus den Spielen in Nürnberg, Köln und Frankfurt belegen das, und der gefühlte Sieg beim AC Florenz war auch eine Niederlage. Die junge Mannschaft aus Leverkusen ist ebenfalls in einer schwierigen Situation. Sie erlebte bei der 0:3-Niederlage in Dortmund ein Debakel, als sie nach überragendem Auftreten in der ersten Hälfte noch komplett einbrach.

Effizienz geht vor Ästhetik

Schon oft haben sich gerade spielerisch starke Mannschaften jenen beugen müssen, die einfach nur effizient spielten. Dafür stehen die in diesem Zusammenhang gern erwähnten Leverkusener von 2002 oder Eintracht Frankfurt von 1992, die im letzten Moment noch dem schmucklosen VfB Stuttgart an sich vorbeiziehen sahen.

Auch im Abstiegskampf kann auf der Schlussgeraden eine Saison noch völlig entgleisen, wie dem mit vielen jungen Talenten besetzten VfL Bochum von 1999, der halbwegs gesichert aus den letzten acht Spielen nur noch einen Punkt holte. In die Zweite Liga begleitet wurde er damals vom 1. FC Nürnberg, der in einem aufregenden Saisonfinale zugunsten von Hansa Rostock und Eintracht Frankfurt die Rettung verpasste.

In der "Crunch-Time" sind nicht mehr nur spielerische Vorteile und ausgefeilte taktische Konzepte entscheidend, sondern mehr als sonst auch gute Nerven. Wer die in dieser Saison im Abstiegskampf hat, ist noch nicht auszumachen (auch wenn es an Hannover 96 echte Zweifel gibt).

In der Spitzengruppe sieht es bei Bayer Leverkusen so aus, als ob die Mannschaft für die ganz große Nervenschlacht nicht gerüstet ist. Beim FC Bayern ist diese zwar Normalzustand, doch besonders von einem hat man in den letzten Jahren gelernt, dass er unter höchstem Druck eiskalt bleibt. Er war mal Trainer des FC Bayern, heißt Felix Magath und hat sich mit Schalke eine Ausgangsposition erarbeitet, bei der die Deutsche Meisterschaft mehr als eine nur theoretische Option ist. Denn spielerisch mag es bei Schalke zwar öfter knirschen, aber sie können auch jeden Gegner zermahlen.

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Seite 1
noodl 12.03.2010
1.
Zitat von sysopNoch ist der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga völlig offen. Bayern, Bayer, Schalke - oder gar noch ein anderer Club: Wer liegt am Ende vorne?
Bayern.
ulan 1 12.03.2010
2. Ganz einfach
Zitat von sysopNoch ist der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga völlig offen. Bayern, Bayer, Schalke - oder gar noch ein anderer Club: Wer liegt am Ende vorne?
Geld regiert die Welt. Da kein deutscher Fußballverein Bayern München hierin die Hand reichen kann, ist das Ergebnis eindeutig. Bis auf ganz wenige "Ausrutscher" hat sich diese Wahrheit für Bayern Münschen bestens und beständig gewährt. Es ist nahezu uninteressant, die Bundesliga dahingehend zu verfolgen, Sieger wird, wer die besten Spieler einkaufen kann.
Haio Forler 12.03.2010
3. .
Zitat von sysopNoch ist der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga völlig offen. Bayern, Bayer, Schalke - oder gar noch ein anderer Club: Wer liegt am Ende vorne?
Bayern.
Kanzla87 12.03.2010
4.
Auch unter Beachtung des Restprogramms sehe ich (leider) die Bayern im Vorteil. Die nächsten 5 Wochen werden entscheident sein, dann da spielen alle 3 Mannschaften fast ausnahmslos gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel. Leverkusens Restprogramm mit Hamburg, Dortmund, Schalke, Frankfurt, Bayern und Stuttgart in den nächsten 6 Wochen klingt beeindruckend und wir enorm schwer. Auch Schalke hat mehrheitliche starke Gegner... Fazit: Bayern machts...
krafts 12.03.2010
5.
Zitat von Kanzla87Auch unter Beachtung des Restprogramms sehe ich (leider) die Bayern im Vorteil. Die nächsten 5 Wochen werden entscheident sein, dann da spielen alle 3 Mannschaften fast ausnahmslos gegen Teams aus dem oberen Tabellendrittel. Leverkusens Restprogramm mit Hamburg, Dortmund, Schalke, Frankfurt, Bayern und Stuttgart in den nächsten 6 Wochen klingt beeindruckend und wir enorm schwer. Auch Schalke hat mehrheitliche starke Gegner... Fazit: Bayern machts...
Genau. Wenigstens kann sich dann keine Mannschaft herausreden, denn alle haben es noch selber in der Hand.
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