Haaland beim Dortmunder Derbysieg Der Müller-Ibrahimović-Hybrid

Beim Dortmunder 4:0 auf Schalke zeigte Doppeltorschütze Erling Haaland, dass akrobatisches Können nicht immer elegant sein muss. Schalke verlor Torhüter Ralf Fährmann – und das rettende Ufer weiter aus den Augen.
Erling Haaland war im Revierderby der beste Spieler auf dem Platz

Erling Haaland war im Revierderby der beste Spieler auf dem Platz

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Die Szene des Spiels: Wie sieht es eigentlich aus, wenn man die Wucht und Akrobatik des jungen Zlatan Ibrahimović mit der manchmal ulkigen, aber höchst erfolgreichen Staksigkeit eines Thomas Müller kombiniert? Die Antwort auf diese Frage lieferte Dortmunds Erling Haaland in der 45. Minute des Revierderbys. Der Norweger wuchtete sich per Seitfallzieher in eine Halbfeldflanke Jadon Sanchos und erwischte den Ball perfekt, ohne es so aussehen zu lassen. Ein seltsames, schönes, anspruchsvolles Tor des 20 Jahre alten Stürmers, der nach 17 Liga-Einsätzen nun 17 Tore erzielt hat.

Das Ergebnis: Im voraussichtlich für einige Zeit letzten Revierderby ließ Borussia Dortmund wenig Raum für Spannung. Schalke 04 unterlag einmal mehr dem Vereinsnamen entsprechend, der BVB hält sich im Rennen um die Champions-League-Plätze. Hier lesen Sie den Spielbericht.

Nostalgie als Mutmacher: Ein Derby ganz ohne Pathos, das darf nicht sein. Und so fanden sich vor Spielbeginn zahlreiche Ikonen glorreicherer Schalker Tage zusammen, um Fans und Mannschaft mitzuteilen, dass der Klub in die erste Liga gehöre. Das Ganze lief unter dem Namen "#SchalkeIstUnsNichtEgal". Es wäre sicher auch niemandem in den Sinn gekommen, dass Gerald Asamoah, Ebbe Sand oder Marcelo Bordon eine andere Meinung vertreten würden.

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Prominentes Lazarett: Apropos Nostalgie: Im Winter verpflichtete Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider, dessen Vertragsauflösung zum Saisonende die Königsblauen unter der Woche bekannt gaben, drei große Namen. Sead Kolasinac, Klaas-Jan Huntelaar und Shkodran Mustafi standen bislang allerdings noch in keinem Spiel gemeinsam auf dem Platz. Vor Anpfiff deutete Huntelaar im Sky-Interview an, dass das aufgrund eines Muskelfaserrisses in der Wade auch noch ein Weilchen so bleiben dürfte. Etwa zu diesem Zeitpunkt verletzte sich dann auch noch Mustafi beim Aufwärmen, Spieler wie Mark Uth, Matija Nastasic oder Nabil Bentaleb waren ohnehin nicht dabei. Christian Gross musste einmal mehr eine Rumpftruppe auf den Platz schicken.

Die erste Hälfte: Lange passierte wenig. Nur nach einem Ballverlust von Benjamin Stambouli wurde Jadon Sancho einmal gefährlich (7. Minute). Der BVB kontrollierte das Spiel, Schalke hatte mitunter Platz zum Kontern, kam aber nie mit Ball in die gefährlichen Spielfeldzonen hinein. Dann unterlief Stambouli der nächste Ballverlust – diesmal machte Sancho es besser (42. Minute). Haalands Kunstschuss ließ die Dortmunder Halbzeitführung noch deutlicher werden (45.).

Und noch ein Verletzter: In der griechischen Mythologie heißt der Fährmann Charon, er bringt die Toten ans Tor zur Unterwelt. In Gelsenkirchen heißt der Fährmann Ralf, er bringt Kontinuität ins Tor von Schalke 04. Diese wurde nach 32 Minuten gegen Dortmund jäh unterbrochen: Nach energischem Anlaufen Haalands hatte sich Fährmann beim eigenen Klärungsversuch verletzt, schleppte sich noch fünf Minuten durch, überließ dann aber doch Ersatzmann Michael Langer das Feld. Auch ohne Fährmann schipperte Schalke 04 weiter in Richtung zweite Liga.

Nichts geht mehr: Ralf Fährmann schienen Probleme an der Bauchmuskulatur zu schaffen zu machen

Nichts geht mehr: Ralf Fährmann schienen Probleme an der Bauchmuskulatur zu schaffen zu machen

Foto: Martin Meissner / dpa

Die zweite Hälfte: Dabei begann Schalke die zweite Hälfte tatsächlich mit einer Druckphase, setzte sich am und im gegnerischen Strafraum fest. Suat Serdar traf den Pfosten (50.), Matthew Hoppe scheiterte knapp an Dortmunds Keeper Marwin Hitz (53.). Doch dann spielte Raphaël Guerreiro einen Doppelpass mit Marco Reus, schob flach zum 3:0 ein und entschied die Partie (60.). Haalands zweiter Treffer (79.) garantierte den üblichen Schalker Namens-Gag, der sich nach dem dritten 0:4 der Königsblauen in dieser Saison allmählich abnutzt.

Meunier versus Morey: Die Fußstapfen, die Achraf Hakimi auf der rechten Dortmunder Abwehrseite hinterlassen hatte, waren von beachtlicher Größe. Für Hakimis designierten Nachfolger, den ablösefrei von Paris Saint-Germain gekommenen belgischen Nationalspieler Thomas Meunier, scheinen sie zu groß zu sein: Erneut vertraute Trainer Edin Terzic Youngster Mateu Morey, der prompt den hohen Ballgewinn zum Führungstreffer beisteuerte. Meunier fehlte zuletzt zwar auch aufgrund einer Verletzung. Trotzdem spricht der Trend für eine Wachablösung, stand der Belgier doch bereits während der Hinrunde häufig in der Kritik.

Kaum ein Hoffnungsschimmer: Vor dem Schalker Stadion zündeten Fans während des Spiels Feuerwerkskörper, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Geeigneter wäre wohl eine Sternschnuppe gewesen: Der Klassenerhalt verkommt aus Schalker Sicht allmählich zum Wunschdenken. Hertha BSC und Arminia Bielefeld auf den Plätzen 15 und 16 sind neun Punkte vor den Schalkern (und haben jeweils ein Spiel in der Hinterhand), sogar Leidensgenosse Mainz 05 auf Platz 17 enteilt allmählich. Zwölf Spieltage vor Saisonende braucht Schalke keine Aufholjagd mehr, um die Klasse zu halten. Sondern ein Wunder.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes wurde der Fährmann Charon zum Torwächter der Unterwelt. Da dieser Job in der griechischen Mythologie aber Kerberos zufällt, haben wir die Passage angepasst.

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