Bundesliga-Schiedsrichter "Insgesamt unzufrieden"

Der ehemalige Weltklasse-Referee Markus Merk erhebt Vorwürfe gegen das deutsche Schiedsrichterwesen. Vor allem an der Spitze herrsche ein "kleiner Machtkampf" zwischen Herbert Fandel und Hellmut Krug.
Ex-Schiedsrichter Merk: "Durchaus ein kleiner Machtkampf"

Ex-Schiedsrichter Merk: "Durchaus ein kleiner Machtkampf"

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Der frühere Spitzenschiedsrichter Markus Merk sieht die Bundesliga-Referees in der Krise. "Es stimmt nicht mehr in diesem Umfeld. Die Schiedsrichter sind insgesamt unzufrieden, da ist Handlungsbedarf da", sagte der 53-Jährige als Sky-Kommentator zum Rücktritt von Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel. Merk sieht auch Differenzen zwischen DFB-Mann Fandel und Hellmut Krug, dem Schiedsrichter-Boss bei der Deutschen Fußball Liga: "Auch wenn beide es dementieren, das ist durchaus ein kleiner Machtkampf."

Fandel hatte ein Zerwürfnis bestritten. "Mit Hellmut Krug habe ich in den zurückliegenden sechs Jahren sehr gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet", wurde der 51-Jährige in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bunds am Freitag zitiert. Auch Krug betonte, zwischen ihm und Fandel habe es keinen Machtkampf innerhalb des Schiedsrichter-Ausschusses gegeben: "Das ist dummes Zeug. Wir sind nicht immer einer Meinung. Aber wir hatten sechs Jahre ein komplett vertrauensvolles Verhältnis."

"Die Schiedsrichter haben keinen Ansprechpartner"

Aus Merks Sicht ist eine Auflösung der Doppelspitze für eine Verbesserung der Lage dennoch unverzichtbar. "Das ist keine einfache Situation mit DFB/Fandel auf der einen und DFL/Krug auf der anderen Seite. Beide streben auch nach Macht, deswegen sollten DFB und DFL im Sinne der Schiedsrichter nach einer gemeinsamen Lösung suchen", sagte Merk.

Krug werden einseitige Bewertungen vorgehalten, Merk sagt: "Er wird bei den Schiedsrichtern sehr kritisiert. Er hat eine exklusive Meinung und lässt nicht mit sich diskutieren und bewertet uneinheitlich." Allerdings warf der frühere Weltschiedsrichter auch Fandel, der am vergangenen Donnerstag seinen Rücktritt zum Sommer "aus persönlichen Gründen" angekündigt hatte, Versäumnisse vor: "Die Schiedsrichter haben keinen Ansprechpartner. In den letzten Jahren wurde auch nicht geschafft, mehr Nachwuchs schneller an die Spitze zu bringen."

Derweil hat Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer mehr Rückendeckung für die Referees gefordert. "Wir brauchen neue Strukturen und mir fehlt auch jemand, der die Schiris in der Öffentlichkeit vertritt", sagte er der "Bild am Sonntag". "Wenn ein Bayern-Star unter Beschuss gerät, dann stellt sich zum Beispiel Matthias Sammer sofort vor ihn. Wer macht das bei den Referees? Da kommt gar nichts."

Zusammengefasst: Herbert Fandel und Hellmut Krug sind für die deutschen Schiedsrichter zuständig, Fandel von DFB-Seite, Krug bei der DFL. Diese Situation führt laut dem Ex-Schiedsrichter Markus Merk zu einem Machtkampf zwischen Verbänden sowie Fandel und Krug. Darunter leiden vor allem die Bundesliga-Referees.

luk/sid/dpa