Fußball-Bundesliga FC Bayern demütigt die Hertha, Schürrle rettet Bayer

Tore nach Belieben: Der FC Bayern kannte mit Aufsteiger Hertha BSC keine Gnade und siegte locker. Stuttgart schlug Hoffenheim, Wolfsburg gewann gegen Nürnberg. Aufsteiger Augsburg holte in Mainz drei Punkte. Borussia Mönchengladbach verpasste gegen Leverkusen den Sieg trotz Überzahl.

AP

Beim FC Bayern, das weiß man als Bundesligist, kann man verlieren. Beim FC Bayern, das weiß man besonders als Aufsteiger, kann man sogar untergehen. Hertha BSC Berlin, immerhin bester Liga-Neuling, hat mit Sicherheit schon einmal davon gehört - und konnte die 0:4 (0:3)-Klatsche beim Rekordmeister am neunten Spieltag trotzdem nicht verhindern. Gegen chancenlose Gäste sicherte sich der FC Bayern im Schongang den insgesamt siebten Erfolg im neunten Spiel und liegt mit nun 22 Punkten weiter an der Tabellenspitze. Die Treffer erzielten Mario Gomez (5. Minute/69.), Franck Ribéry (7.) und Bastian Schweinsteiger (13.).

Außerdem trennten sich Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen 2:2 (0:1), Stuttgart besiegte Hoffenheim 2:0 (0:0). Mainz 05 kassierte gegen Aufsteiger FC Augsburg eine 0:1 (0:0)-Pleite, der VfL Wolfsburg jubelte beim 2:1 (1:0) gegen den 1. FC Nürnberg.

"Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht. Im Moment sind wir auf einem sehr guten Weg. Wenn wir die ganze Saison so spielen, werden wir Meister", sagte Gomez - und niemand wollte ihm nach diesem Sieg widersprechen. Hertha begann mit dem Ehemaligen-Trio des FC Bayern. Thomas Kraft im Tor, Christian Lell in der Abwehr und Andreas Ottl im Mittelfeld hatten dem Aufsteiger zu einem respektablen Bundesliga-Start verholfen. In München war ein solcher schnell Illusion. Erst zwei Minuten waren gespielt, als Ribéry nach einem Fehler von Lell auf der linken Seite durchbrach, Kraft umdribbelte, aber dann den rechtzeitigen Abschluss verpasste. Seinen Pass in die Mitte konnte Hertha abwehren.

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Trainer Markus Babbel, früher ebenfalls in München aktiv, hatte gehofft, dass sein Team "frei von der Leber weg" spiele. Fünf Punkte aus vier Auswärtspartien schaffte seine Mannschaft bisher immerhin. Doch beim Rekordmeister lief nichts zusammen. Lewan Kobiaschwili verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung, den Konter über Ribéry schloss Gomez mit einem Rechtsschuss ab. Kraft sah den Ball spät, das Leder kullerte rechts von ihm ins Tor (5.).

Berlin bemitleidenswert

Die Hertha hatte sich von dem frühen Schock noch nicht erholt, da schlug der Gegner erneut zu. Auf der rechten Seite setzte sich Jérôme Boateng gegen zwei Mann durch, seine Hereingabe verwertete Ribéry aus kurzer Distanz, Gegenspieler Lell kam zu spät (7.). Berlin agierte bemitleidenswert. Und die Bayern? Taten das, was man von ihnen schon so oft an diesen sonnigen Samstagnachmittagen in München gesehen hat: den Gegner dominieren, Chancen nahezu im Minutentakt kreierend.

Anders als beim 0:0 in Hoffenheim vor zwei Wochen brachte die Elf von Trainer Jupp Heynckes wieder das von ihm geforderte dominante Spiel auf den Rasen. "Die gesamte Mannschaft hat heute eine Topleistung gebracht. Wenn ich Spieler herausstreiche, tue ich den anderen Unrecht", sollte der Bayern-Coach nach dem Schlusspfiff sagen. Seinem Team wurde es zuvor aber auch selten so früh so leicht gemacht. Schon in der 13. Minute stand es 3:0. Ribéry reichte ein simpler Querpass, um Schweinsteiger in der Mitte freizuspielen. Der Nationalspieler verwertete die Vorlage ohne Mühe aus etwa 18 Metern.

Auf der Berliner Bank fürchtete man längst ein Debakel, es waren immerhin noch etwa 30 Minuten bis zur Pause zu absolvieren. Aber die Bayern ließen Gnade walten. Ohne sich zu verausgaben kontrollierte man die Begegnung, erst Gomez sorgte in der 32. Minute wieder für Gefahr, als er eine Hereingabe nur knapp verpasste. Anschließend verzog Thomas Müller freistehend (35.). Noch vor der Halbzeit durften die Zuschauer dann aufrichtig staunen. Hertha BSC gab in der 39. Minute den ersten Torschuss ab. Raffael verfehlte deutlich.

Gomez trifft doppelt

Babbel tat, was Trainer von Auswärtsmannschaften tun, wenn ihr Team hoffnungslos zurückliegt. Nach der Pause blieb bei den Berlinern Patrick Ebert draußen, für den Offensivmann kam Fabian Lustenberger, ein Spieler für das defensive Mittelfeld. Schadensbegrenzung war angesagt. "Man hat es von Anfang an gemerkt, dass wir viel zu viel Respekt hatten. Man darf den Bayern nicht so viel Platz lassen, wie wir es gemacht haben. Dann kommt man ganz schnell unter die Räder", analysierte Babbel nach dem Schlusspfiff. Dass es nicht zu einem Debakel kam, lag auch an Berlins Kraft, der früh in der zweiten Halbzeit das 0:4 verhinderte. Der Torwart reagierte erst glänzend gegen den aufgerückten Philipp Lahm (55.) und dann gegen Gomez (64.).

Kurz darauf kam es erneut zu diesem Duell, allerdings mit ungleichen Vorzeichen. Roman Hubnik hatte Ribéry im Strafraum gefoult, es gab Elfmeter. Gomez trat an und verwandelt mit etwas Glück (69.). Es war bereits der zehnte Saisontreffer für den Nationalstürmer - im achten Spiel. Babbels Gegenüber Heynckes hatte nun Zeit für etwas Fußball-Romantik. Ivica Olic durfte nach langer Verletzungspause sein Comeback feiern. Dazu ersetzte Diego Contento Lahm. Die Bayern schonten sich längst für das kommende Champions-League-Match gegen den SSC Neapel am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). In Italien, das wissen die Münchner, wird es nicht ansatzweise so leicht wie an diesem Samstag gegen Hertha BSC Berlin.

FC Bayern - Hertha BSC Berlin 4:0 (3:0)
1:0 Gomez (5.)
2:0 Ribéry (7.)
3:0 Schweinsteiger (13.)
4:0 Gomez (69., Foulelfmeter)
München: Neuer - Boateng, van Buyten, Badstuber, Lahm (78. Contento) - Timoschtschuk, Schweinsteiger - Thomas Müller (73. Alaba), Toni Kroos, Ribery - Gomez (75. Olic)
Berlin: Kraft - Lell, Hubnik, Mijatovic, Kobiaschwili - Ottl, Niemeyer - Ebert (46. Lustenberger), Raffael, Ben-Hatira (61. Morales) - Lasogga (70. Ramos
Schiedsrichter: Weiner (Giesen)
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karte: - Raffael

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