Bayerns 2:2 gegen Augsburg Ungesunder Schlafrhythmus

Der FC Bayern tritt in der Bundesliga auf der Stelle. Beim 2:2 gegen den FC Augsburg zeigte sich die Defensive des Rekordmeisters in den entscheidenden Momenten nicht wach genug. Niklas Süle verletzte sich schwer.

Thomas Müller (l.), Javi Martinez und Benjamin Pavard verspielten spät den Sieg.
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Thomas Müller (l.), Javi Martinez und Benjamin Pavard verspielten spät den Sieg.

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Szene des Spiels: Aus dramaturgischer Sicht hätte die Partie für die Augsburger kaum besser laufen können, und auch die Bundesliga ist - und diesmal ist das keine Floskel - spannend wie selten zuvor. Zwei Joker sind der Grund dafür: Sergio Córdova tankte sich vor dem Augsburger Ausgleich gegen Lucas Hernández durch, Alfred Finnbogason vollendete in der Mitte. Die Bayern-Defensive, nach dem Seitenwechsel kaum geprüft, trat schlicht zu schläfrig auf - und musste den Gegentreffer in der Nachspielzeit hinnehmen.

Ergebnis: 2:2 (1:1). Lesen Sie hier den Spielbericht.

Erste Hälfte: Gleich in der ersten Minute erzielte Marco Richter das 1:0. Wer danach nun eine Gegenoffensive der Bayern erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Augsburg setzte zur Flucht nach vorn an, presste früh und verdiente sich zwei Eckbälle, ehe Robert Lewandowski mit der ersten echten Chance für die Bayern zum Ausgleich traf (14.). An der Dynamik des Spiels rüttelte das kaum: Stürzten sich die Augsburger aggressiv in die Zweikämpfe, bekamen die Bayern weiche Knie. Nach vorne verließen sich die Münchener zu sehr auf ihre individuelle Klasse – und das beinahe erfolgreich, ein Volley Serge Gnabrys klatschte zumindest an den Pfosten (39.).

Richters Blitzstart: 27 Sekunden brauchte die Partie für ihren ersten Höhepunkt. Einen Einwurf verlängerte Marco Richter per Bogenlampe zu Rani Khedira. Augsburgs Kapitän spielte den Ball per Kopf zurück - und Richter stocherte den Ball vorbei an Manuel Neuer ins Netz. Für Richter, der im Sommer bereits bei der U21-EM geglänzt hatte, war es der zweite Saisontreffer, für Augsburg ein frühes Zeichen, dass ein Punktgewinn möglich ist. Und für die Bayern eigentlich die dringende Empfehlung, den Sekundenschlaf auf ein Minimum zu reduzieren.

Kaputter Koloss: Niklas Süle hatte vor dem achten Spieltag 630 von 630 möglichen Bundesliga-Minuten absolviert. Gegen Augsburg kamen für Bayerns Innenverteidiger lediglich elf Minuten dazu: Im Zweikampf mit Florian Niederlechner hatte Süle sich am Knie verletzt und musste früh das Feld für David Alaba räumen, der dann mit Aushilfs-Linksverteidiger Benjamin Pavard die Positionen tauschte. Süle droht nun eine lange Pause: Trainer Niko Kovac berichtete nach der Partie vom Verdacht auf eine Kreuzbandverletzung beim Abwehrspieler.

Zweite Hälfte: Apropos individuelle Klasse, apropos Gnabry: Der Nationalstürmer läutete den zweiten Durchgang mit einem Treffer wie aus einem Arjen-Robben-Highlightvideo ein. Von rechts zog Gnabry nach innen, vorbei an Philipp Max, vorbei an Reece Oxford, und schloss mit dem linken Fuß zur Münchner Führung ab (49.). Ohnehin brachten die Bayern ihre Flügelstürmer nun besser ins Spiel, Philippe Coutinho (52.) und Kingsley Coman (79.) vergaben je aus kurzer Distanz die Vorentscheidung. 90 Minuten nach dem ersten Augsburger Treffer erzielte Finnbogason den insgesamt glücklichen Ausgleich (90.+1).

Felix Uduokhai freut sich über den späten Ausgleich
REUTERS

Felix Uduokhai freut sich über den späten Ausgleich

Zwei Koubeks: Tomás Koubek galt vor der Partie gegen die Bayern manchem bereits als Transferflop. In der ersten Hälfte wurde deutlich, wieso: Augsburgs Torhüter wehrte Hereingaben wiederholt unglücklich nach vorne ab, hatte sogar Glück, dass Tin Jedvaj eine Slapstick-Einlage ausbügelte und einen Schuss von Thiago von der Linie kratzte (40.). In der zweiten Halbzeit parierte der Zugang von Stade Rennes dann überragend und hielt sein Team gegen Coutinho und Coman in der Partie.

Müllert es?: Thomas Müller haderte zuletzt mit seiner Reservistenrolle beim FC Bayern. Nach der Partie in Augsburg dürfte sich daran wenig geändert haben: Erst nach 80 Minuten durfte der Ex-Nationalspieler für Coutinho auf den Platz, Müllers einzige Szene blieb ein Fehlschuss aus aussichtsreicher Position (90.).

FC Augsburg - Bayern München 2:2 (1:1)
Augsburg: Koubek - Lichtsteiner, Jedvaj, Uduokhai, Max - Oxford (63. Jensen) - Richter (82. Córdova), Morávek, Khedira, Vargas - Niederlechner (68. Finnbogason)
Bayern München: Neuer - Kimmich, Süle (12. Alaba), Hernandez, Pavard - Martinez, Thiago - Gnabry (87. Goretzka), Coutinho (80. Müller), Coman - Lewandowski
Schiedsrichter: Daniel Siebert
Gelbe Karten: Richter, Khedira, Koubek / Kimmich, Thiago, Martinez
Zuschauer: 30.660



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
lordnephilim 19.10.2019
1. Danke Augsburg
coole Nummer !!!!
kahabe 19.10.2019
2. Nu,
immerhin einen Punkt geholt im Auswärtsspiel. Andere verlieren gegen sogenannte "Underdogs". Und etwas historisches ist auch zu verzeichnen, der letzte Auftritt von Thomas M. im Leibchen der Roten.
25alex67 19.10.2019
3. Verdient.
Diesen Punkt hat sich Augsburg redlich verdient. Und der FC B muss sich fragen, wieviele Chancen er glaubt zu bekommen, um mal ein Tor zu schiessen. Das Spiel heute ist nicht Kovac anzulasten, das haben erst Coutinho und dann Müller vergeigt. Und weil sich die Augsburger nie aufgegeben haben, ist das 2:2 völlig verdient. Mit spochtlichen Grüssen.
fosterj 19.10.2019
4. Auf der Ebene
auf die sich der Bayern Sportdirektor artikuliert, auf der Ebene befindet sich Bayer München insgesamt! Kein Manager würde bei einem professionellen Unternehmen so bestehen dü. Das funktioniert anscheinend nur im Vereinsport.
RalfHenrichs 19.10.2019
5. War zu erwarten
Müller unzufrieden, Süle verletzt, Saison noch lang. Noch merkt man nicht zwingend, dass der Kader viel zu klein ist. Aber langsam gibt es erste Anzeichen.
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