Fußball-Bundesliga Freiburgs Pleitenserie hält an

Dritte Niederlage in Folge: Der SC Freiburg hat sein Heimspiel gegen Leverkusen verloren und bleibt Schlusslicht. Bayer reichte im Breisgau eine durchschnittliche Leistung - und das erste Bundesliga-Tor von Michael Ballack seit mehr als fünf Jahren.

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Am Freitagabend hatte der Druck zwei Gesichter. Freiburgs Trainer Marcus Sorg stand über weite Strecken der 90 Minuten fast regungslos an der Seitenlinie, den Blick starr auf das Spielfeld gerichtet. Die Miene seines Gegenübers Robin Dutt blieb ähnlich unergründlich, die Anspannung einte die beiden Kontrahenten. Sowohl für Sorg als auch für Dutt zählte nichts als ein Sieg. Freiburg gewann nur eines der vergangenen sechs, Bayer nur eine der vergangenen fünf Bundesliga-Partien.

Aufatmen kann nach dem 1:0 (1:0) für Leverkusen nur Dutt. Michael Ballack schoss die Gastgeber durch seinen Treffer in der zweiten Minute noch tiefer in die Krise. In der Tabelle bleibt Freiburg mit nur sieben Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. "Ich kann meiner Mannschaft nichts vorwerfen. Sie hat ein richtig gutes Spiel gegen einen guten Gegner gemacht. Wir sind aber wieder einmal nicht für unsere Mühen belohnt worden", sagte Sorg. Bayer rückt zunächst auf den achten Rang vor. Rückkehrer Dutt durfte feiern: "Der Sieg ist schmutzig und glücklich. Momentan tun wir uns sehr schwer, uns fehlt die Leichtigkeit. Wichtig ist, dass wir in dieser Phase punkten."

Der Bayer-Coach war zum ersten Mal seit seinem Wechsel nach Leverkusen wieder im Freiburger Stadion. "Zwei Gefühlswelten" seien das für ihn, ganz sicher aber ein "ganz wichtiges Spiel". Bayer läuft seit Saisonbeginn den eigenen Ansprüchen hinterher. Zuletzt verpasste es Dutt mit seiner Mannschaft, den Elan aus dem 2:1 gegen den FC Valencia in der Champions League in die Bundesliga hinüberzuretten. Das 0:1 gegen Schalke 04 am vergangenen Wochenende war pure Ernüchterung.

Weitaus schlimmer ist die Situation in Freiburg, das vor dem elften Spieltag bereits 25 Gegentore kassiert hatte. Um zu demonstrieren, warum das so ist, benötigte die Sorg-Elf nur 103 Sekunden. Nach einer Ecke durfte erst Bayers Ömer Toprak zu Manuel Friedrich köpfen und dann der zu Ballack, der den Ball schließlich aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Es war der erste Bundesligatreffer des ehemaligen Nationalmannschaftskapitäns seit 1994 Tagen. Am Spielfeldrand jubelte Dutt nur verhalten.

Bayers Leno macht es spannend

Freiburg reagierte wie ein Team, das zuletzt zwei schmerzhafte Niederlagen in Folge kassiert hatte: Wie schon bei der 1:2-Pleite gegen den Hamburger SV und dem 0:1 in Kaiserslautern offenbarte das sichtbar verunsicherte Team eine ausgeprägte Einfallslosigkeit im Spiel nach vorne. Nach Johannes Flums Schlenzer über das Tor (5.) ergingen sich seine Kollegen in einer Fehlpassorgie. Bayer versäumte es gegen die nervösen Gastgeber energisch auf das zweite Tor zu drängen.

Stattdessen machte es Leverkusen selbst spannend. Torhüter Bernd Leno musste bei einem Fernschuss nachfassen, der heranrauschende Papiss Demba Cissé stand allerdings im Abseits (28.). Auch Rosenthals Dropkick (37.) stellte den zuletzt so starken Keeper vor größere Probleme, wieder entschärfte Leno die Situation erst im zweiten Versuch. Die größte Gelegenheit der Gastgeber vergab Cissé eine Minute später. Eine Hereingabe von Anton Putsila setzte der Angreifer an den Außenpfosten.

Freiburg nutzt Chancen nicht

Die erneut mangelhafte Chancenverwertung der Freiburger hätte sich fast noch in der ersten Hälfte gerächt. Aus der zweiten guten Gästechance wäre beinahe das 0:2 entstanden. Andreas Hinkel rutschte im Duell mit Sidney Sam weg. Bayers Offensivspieler hatte freie Bahn, schoss den Ball aber neben das Tor (44.). Auf der Gegenseite köpfte Rosenthal vorbei (45.).

Nach der Pause erwarteten die Freiburger Fans das große Aufbäumen ihrer Mannschaft - und wurden enttäuscht. Noch nie hatte ihre Elf in dieser Saison einen Rückstand in einen Sieg umwandeln können, auch gegen Leverkusen blieb eine Drangphase zunächst aus. Das Engagement stimmte, doch die Mittel fehlten. Es war die Auswechslung von Ballack, die für etwas Regung auf den Rängen sorgte, zumindest unter den mitgereisten Bayer-Anhängern (65.). Für den Torschützen, der mit Verdacht auf Nasenbeinbruch runter musste, kam Simon Rolfes.

Vier Minuten war der auf dem Feld, als Cissé erstmals in der zweiten Hälfte für echte Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgte. Mit der Brust nahm der Senegalese eine Hereingabe von rechts an und zog sofort ab: drüber. Der eingewechselte Stefan Reisinger scheiterte an Leno (73.), inzwischen wäre der Ausgleich verdient gewesen. Leverkusen blieb wie in der ersten Halbzeit spielerisch schwach. In der 83. Minute brachte Dutt den Abwehrspieler Stefan Reinartz für André Schürrle. Der knappe Vorsprung sollte irgendwie über die Zeit gebracht werden.

Es war Leno, der die drei Punkte festhielt. Der 19-Jährige hielt erst gegen Reisinger, und dann gegen Oliver Barth (86.). Von Freiburg kam nun nichts Konstruktives mehr. Bayer holte den fünften Saisonsieg und sicherte Trainer Dutt eine etwas ruhigere Woche. Kollege Sorg wird ihn darum beneiden.

SC Freiburg - Bayer 04 Leverkusen 0:1 (0:1)
0:1 Ballack (2.)
SC Freiburg: Baumann - Hinkel, Barth, Krmas, Bastians - Rosenthal (81. Makiadi), J. Schuster, Flum, Putsila (76. Jendrisek) - Cissé, Dembélé (69. Reisinger)
Bayer Leverkusen: Leno - Schwaab, M. Friedrich, Toprak, Kadlec - L. Bender, Castro - Sam, Ballack (65. Rolfes), Schürrle (83. Reinartz) - Derdiyok (74. Kießling) Schiedsrichter: Marco Fritz
Zuschauer: 22.300
Gelbe Karten: Cissé -

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
kospi 29.10.2011
1. ...
Zitat von sysopDritte Niederlage in Folge: Der SC Freiburg hat*sein Heimspiel gegen Leverkusen verloren und bleibt Schlusslicht.*Bayer reichte im Breisgau eine durchschnittliche*Leistung - und das*erste Bundesliga-Tor von Michael Ballack*seit*mehr als fünf Jahren.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,794715,00.html
Das erste Bundesligator für Ballack seit 5 Jahren. Das letzte Mal hat Ballack 1994 getroffen. Hä? Wie jetzt? Muss ich das verstehen?
Cipo, 29.10.2011
2.
"...das erste Bundesliga-Tor von Michael Ballack seit mehr als fünf Jahren." Was ist denn das für eine blöde Bemerkung? Wie sollte Ballack in seiner Chelsea-Zeit (2006-2010) denn Bundesliga-Tore erzielen? Was folgt als nächstes? Die Headline "Thomas Müller noch immer ohne Torerfolg für den FC Barcelona!"
Sir_Batman, 29.10.2011
3. weiter lesen
Zitat von kospiDas erste Bundesligator für Ballack seit 5 Jahren. Das letzte Mal hat Ballack 1994 getroffen. Hä? Wie jetzt? Muss ich das verstehen?
1994 TAGE trotzdem unsinnig vom SPON, das zu schreiben.
Broko 29.10.2011
4. Vergleich Leverkusen - FC Bayern
Wir erinnern uns: Als der FC Bayern unlängst in Wolfsburg mit 1:0 gewann, durchsetzte der SPIEGEL seinen Kommentar trotz 10:8 Torschüssen und 60:40 Prozent Spielanteilen für den FC Bayern mit "schmeichelhaft" und "Glück" für den FC Bayern! Nun fällt die Vokabel "Glück" nur ein einziges Mal - und das auch noch im Zitat von Dutt! Leverkusens "Ausbeute": 10:20 Torschüsse, 47:53 Prozent Spielanteile! Warum diese Ungleichbehandlung?
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