Mönchengladbachs 2:1 in Leverkusen Ein halbes Spitzenteam

Gladbach stand gegen Leverkusen unter Dauerdruck, gewann am Ende aber trotzdem. Seit vier Spieltagen ist die Borussia Tabellenführer. Aber ist sie auch ein Topteam?
Marcus Thuram war an beiden Gladbacher Toren beteiligt

Marcus Thuram war an beiden Gladbacher Toren beteiligt

Foto: Marius Becker/DPA

Ganz der Papa: Lilian Thuram war Welt- und Europameister, Marcus Thuram ist nun immerhin Stammspieler beim Bundesliga-Tabellenführer. Der Franzose, anders als sein Vater Stürmer statt Verteidiger, drehte im Spiel seiner Gladbacher in Leverkusen auf. Vor seiner Vorlage zum 1:0 ließ Thuram Gegenspieler Wendell auf dem Flügel mit einer Körpertäuschung zum Bauchklatscher ansetzen, den zweiten Gladbacher Treffer erzielte die Sturmkante in Knipsermanier aus fünf Metern per Schienbein. Tempo, Torgefahr, Wucht und Dribbelstärke: Der Fähigkeitenmix Thurams ist der eines Spielers, für den die Zuschauer ins Stadion gehen.

Das Ergebnis: Ein knackiger 2:1-Auswärtssieg für Gladbach. Hier geht's zur Meldung. Dank der drei Punkte baut die Borussia ihre Tabellenführung aus und liegt nun mit 22 Punkten vor Borussia Dortmund (19 Punkte) und RB Leipzig (18 Punkte).

Die erste Halbzeit: Leverkusen begann, wie es sich für ein Team von Peter Bosz gehört: Mit viel Ballbesitz, mit drei Eckbällen nach sechs Minuten. Aber auch ohne den nötigen Spielwitz für den letzten Pass. Umgekehrt kam die Mannschaft von Gladbach-Trainer Marco Rose zunächst nur selten bis an den Leverkusener Strafraum - aber wenn, dann gefährlich: Oscar Wendt nutzte den ersten Abschluss der Gäste zur Führung (18. Minute). Zwar narrte Kevin Volland wenig später die Gladbacher Abseitsfalle und glich aus (24.), stärker werdende Borussen gingen dank Thuram (42.) aber doch noch mit einem Vorsprung in die Pause.

Die zweite Halbzeit: Charles Aránguiz kam nach vier Wochen Verletzungspause zu seinem Comeback für Leverkusen. Mit dem Chilenen glückte Leverkusen beim Aufbau durch die Mitte deutlich mehr als zuvor, Gladbach verlegte sich auf Umschaltangriffe. Ein solcher hätte fast zum 3:1 geführt, als Jonas Hofmann Mitchell Weiser den Ball abluchste und Florian Neuhaus in der Mitte freispielte (56.). Lukas Hradecky parierte glänzend. Mit den besten Leverkusener Chancen scheiterte Karim Bellarabi an Gladbach-Torhüter Yann Sommer (62./69.), ehe Leon Bailey mit seinem Nachtreten gegen Hofmann und der folgerichtigen Roten Karte nach Videobeweis für den unrühmlichen Schlusspunkt der Partie sorgte (90.+7).

Das Trainerduell: Ein bisschen Taktikschlacht ist ja mittlerweile fast jedes Spiel in der Bundesliga. In Leverkusen war das nicht anders: Gladbachs Rose stellte gleich drei Innenverteidiger ab, um das Leverkusener Sturmduo in den Griff zu bekommen. Teilweise fehlten dafür die Verbindungen zwischen Defensive und Offensive. Im Laufe der ersten Hälfte schoben die Außenverteidiger weiter nach vorn, Gladbach spielte seine Ballbesitzphasen über die rochierenden Offensivkräfte effektiv aus und bekam die Partie in den Griff.

Leverkusens Bosz reagierte prompt, gewann mit Aránguiz statt Baumgartlinger und der Umstellung von der Dreierkette auf ein 4-2-3-1 das Zentrum zurück und verhalf seiner Mannschaft zu einem vielversprechenden Start in die zweite Hälfte. Roses Konter: Ein vermeintlich offensiver Wechsel von Denis Zakaria für Nico Elvedi, der Leverkusen als zusätzlicher Mittelfeld-Abräumer früher unter Druck setzen konnte als sein Verteidigerkollege zuvor. Und somit doch eigentlich defensiver Natur war.

Ein halbes Spitzenteam: Gladbach war als Tabellenführer nach Leverkusen gereist, aber als echten Titelkandidaten hatten die Elf vom Niederrhein bislang nur wenige wahrgenommen. Die drei Partien gegen Champions-League-Teilnehmer - zweimal gegen Dortmund, einmal gegen Leipzig - hatte man bislang allesamt verloren. Mit Leverkusen fiel nun der erste Vertreter der letztjährigen Top Vier. Zur spielerischen Dominanz einer Spitzentruppe fehlt den Gladbachern aber immer noch ein gutes Stück: 23 Leverkusener Abschlüsse gegenüber zehn Gladbacher Schüssen und 13:0 (!) Ecken sprechen für einen effizienten, aber auch glücklichen Auftritt der Borussia.

Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach 1:2 (1:2)
0:1 Wendt (18.)
1:1 Volland (24.)
1:2 Thuram (42.)
Leverkusen: Hradecky - Weiser, Tah, S. Bender - Bellarabi, Baumgartlinger (46. Aránguiz), Demirbay (73. Amiri), Wendell (69. Bailey) - Havertz - Alario, Volland
Gladbach: Sommer - Jantschke, Ginter, Elvedi (69. Zakaria) - Lainer, Neuhaus, Kramer, Hofmann (80. Benes), Wendt - Thuram (65. Stindl), Herrmann
Schiedsrichter: Siebert
Gelbe Karten: Tah, Baumgartlinger / Hofmann
Rote Karte: Bailey

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