Fußball-Bundesliga Endlich wieder was los

Dauernd ist über die Langeweile in der Bundesliga gemeckert worden. Jetzt spielen neue Vereine oben mit, und wieder ist es nicht recht. Dabei ist die Liga erstmals seit Jahren wieder richtig unterhaltsam.

Jubelnde Spieler von 1899 Hoffenheim
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Jubelnde Spieler von 1899 Hoffenheim

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Am Wochenende trafen Borussia Dortmund und Schalke 04 aufeinander. Es war das 171. Revierderby, mehr Tradition ist im deutschen Fußball schwer möglich. Das Topspiel dieses 9. Spieltages lautete allerdings 1899 Hoffenheim gegen Hertha BSC.

FC Bayern, Dortmund, Schalke, Leverkusen, mit Abstrichen noch Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg - das sind die Mannschaften, die in den Vorjahren die Bundesliga in der Spitze bestimmt haben. Die Bayern normalerweise unangefochten vorne, Dortmund als Zweiter, dahinter gruppierten sich die anderen vier genannten Teams.

Jetzt sind die Bayern zwar wie gehabt Erster. Knapp dahinter liegen RB Leipzig, mehr Neureicher als Neuling, dann Hoffenheim, der 1. FC Köln und Hertha BSC. Der SC Freiburg und Eintracht Frankfurt mischen auch noch in diesem Dunstkreis mit. Leverkusen ist dagegen Zehnter, Gladbach Elfter, Wolfsburg sogar Sechzehnter. Das Revierderby war das Duell des nunmehr Sechsten gegen den Zwölften und endete folgerichtig für so ein Duell im Liga-Mittelfeld 0:0.

Die Liga ist wieder bunt

Nach mehr als einem Viertel der Saison bildet diese Fußball-Bundesliga ein buntes, vielfältiges Bild wie seit Jahren nicht. Jahre, in denen es zur Folklore gehört hat, die Langeweile der Liga zu beklagen. Und auch mit Recht. Wenig war berechenbarer, als die Top Five der Liga zu prognostizieren. Am 7. Spieltag dieser Saison jedoch blieben die Champions-League-erfahrenen Teams Bayern, Dortmund, Schalke, Gladbach, Leverkusen und Wolfsburg allesamt sieglos. Das gab es zuletzt vor fünf Jahren.

Aber statt sich darüber zu freuen, dass sich in der Liga Dinge verändern, herrscht tendenziell schlechte Laune. Leipzig passt den meisten aufgrund seiner Strukturen ohnehin nicht, und es gibt ja auch genug Gründe, den Emporkömmling nicht zu mögen oder ihm den Erfolg zu neiden. Hoffenheim ist das Leipzig des vergangenen Jahrzehnts gewesen, Hertha der gern belächelte piefige Hauptstadtverein, der bemüht versucht, mit einem exaltierten Twitteraccount jung zu wirken. Und im Hinblick auf den 1. FC Köln hatte man sich ohnehin längst darauf eingerichtet, dass dieser Klub nie die Messlatte des Mittelmaßes überschreiten wird.

Abwechslung schön und gut, aber irgendwie scheinen die falschen Vereine vorne zu sein. Lieber verklärt man den Erfolg von Leicester City in England, als sich über die Fortschritte von Hertha BSC zu freuen. Wobei Leicester bei seinem Meisterstück sicherlich mehr Geld zur Verfügung hatte.

In der Liga werden noch 25 Spieltage absolviert, und dass am Ende wieder Bayern vor Dortmund, Bayer und Schalke steht, ist nach wie vor möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich. Aber so lange kann man sich ruhig daran erfreuen, dass in der Liga auch mal andere Teams einen Lauf haben, die Eleganz eines Anthony Modeste bewundern, die Cleverness eines Vedad Ibisevic und das spieltaktische Geschick eines Niklas Süle. Es ist doch weit spannender, zu beobachten, wie die Managements in Köln oder Leipzig mit solchen für sie neuen Situationen umgehen, als die fünfzigste Mario-Götze-Geschichte zu lesen und die sechzigste Ausrede von Wolfsburgs Klaus Allofs.

Es ist viel zu früh und vielleicht auch falsch, von einem Umbruch in der Liga zu sprechen. Die Bayern liegen schließlich vorn, wie gehabt. Aber die Liga macht endlich wieder einmal Spaß. Es ist viel mehr los als sonst, es gibt neue Gesichter, neue Helden, neue Geschichten. Am Wochenende heißt das Spitzenspiel München gegen Hoffenheim. Frankfurt empfängt Köln zum Verfolgerduell.

Ach ja, in drei Wochen spielt Dortmund gegen Bayern.



insgesamt 48 Beiträge
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Athlonpower 31.10.2016
1. Die Frage ist, wie lange
Die Frage ist doch lediglich, wie lange noch die neuen Vereine oben mitspielen!
kabelfernsehen_seit_86 31.10.2016
2. Spannung pur!
Einfach einmal so tun, als sei diese Liga spannend! ;) Ok, aber die Begeisterung der Deutschen für die Bundesliga scheint ja immer noch ungebrochen... Gibt anscheinend auch nichts anderes.
Draco Silvano 31.10.2016
3. Momentaufnahme
Naja, aktuell ist das Ganze nichts weiter als eine Momentaufnahme. Wie auch schon im Artikel steht, ist es sehr wahrscheinlich das am Ende trotzdem wieder Dortmund, Leverkusen, Gladbach und Schalke hinter Bayern einreihen. Was aber auch irgendwie gut ist. Zwar gönne ich jedem kleinen Verein den Erfolg. Aber dann nächstes Jahr international spielen?!? Was dabei rauskommt hat uns die Vergangengeit gelehrt... Denn durch die Mehrfachbelastung steigt einfach der Aufwand enorm, sodass kleinere Teams ohne breiten Kader leider kaum mithalten können. Dies wiederum wird sich auch noch den restlichen Saisonverlauf auswirken, sodass o.g. Teams am Ende größtenteils trotzdem vor Leipzig, Hoffenheim, Berlin und Köln stehen werden. Bei den kleineren ist es einfach ungemein schwieriger eine konstant gute Saison zu spielen. Hat man ja in den letzten Jahren auch immer gut an Hoffenheim und Berlin sehen können, die schon oft nach der Hinrunde oben mitspielten und dann doch wieder durchgreicht wurden. Und außerdem werden auch viele hier sagen: Was bitte ändert dies ganze an der Langeweile der Liga? Denn das Bayern nach wie vor die Meisterschaft unangefochten holen werden bleibt weiterhin ein Fakt. Wer nun dahinter steht ist sogesehen auch egal.
fanasy 31.10.2016
4. Die Tabelle zeigt die Zukunft
mit Ausreißern nach oben (Hertha, Köln) und nach unten (Wolfsburg). Im ersten Moment spannend, doch in zwei Jahren ist alles noch oder
Pela1961 31.10.2016
5. Man sollte sich da nix vormachen
Das Gemecker über die "Langeweile" kam hauptsächlich aus einer schwarz-gelben Ecke (zumindest in den Fanforen) und hätte schlagartig aufgehört, wenn nich die Münchner, sondern die Dortmunder mit 20 Punkten Vorsprung die Liga beherrscht hätten. Für den objektiven Betrachter war die Liga als Ganzes sicherlich nie langweilig. Für die Anhänger von mindestens 15 Vereinen ist die Frage doch eher von untergeordneter Bedeutung, wer jetzt Meister wird. Man kann vielleicht noch sagen, dass die Meisterschaftsfrage nicht unbedingt spannend war, aber die Liga insgesamt ist es sicherlich. Wann war denn die Liga für die Anhänger des HSV, Werder, Eintracht Frankfurt spannender als im letzten Jahr?
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