Fußball-Bundesliga Hertha schlägt sich selbst, VfB unterliegt Werder

Neuer Trainer, alte Sorgen: Auch mit Friedhelm Funkel zeigte Hertha BSC Berlin eine desaströse Leistung vor allem in der Abwehr und verlor gegen den Hamburger SV. In der Krise steckt auch der VfB Stuttgart, der zu Hause Werder Bremen unterlag und in der Tabelle weiter abrutschte.

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Hamburg - An diesen Tag wird sich Sascha Burchert sicher sein ganzes Leben lang noch erinnern. Der 19-jährige Keeper, der vor kurzem erst sein Debüt für Hertha BSC Berlin feierte, wurde im Spiel gegen den HSV zum tragischen Hauptdarsteller.

Gerade für den verletzten Timo Ochs (Muskelfaseriss) eingewechselt (33.), verließ er zweimal innerhalb von zwei Minuten seinen Strafraum, um per Kopf eine gefährliche Situation zu klären. Beide Male gelang ihm das zwar, der Ball kam jedoch jeweils wie ein Bumerang zurück und landete im leeren Tor. David Jarolim traf aus 30 Metern (38.), Zé Roberto sogar aus 40 Metern (40.) zum 3:1-Halbzeitstand - nach einer schwachen zweiten Hälfte gleichzeitig auch das Endergebnis. Trotz des Sieges verloren die weiter ungeschlagenen Hamburger die Tabellenspitze an Bayer Leverkusen.

Die siebte Hertha-Niederlage im achten Bundesliga-Spiel eingeleitet hatte zuvor der brasilianische Innenverteidiger Kaka. Eine eigentlich harmlose Flanke köpfte er über Torwart Ochs hinweg ins eigene Tor (24.). Dass die Berliner in der neunten Minute durch einen Kopfballtreffer von Arne Friedrich in Führung gegangen waren, konnte weder die Hertha-Anhänger unter den 45.000 Zuschauern noch den erst tags zuvor verpflichteten Friedhelm Funkel wirklich trösten.

"Wir haben drei unglaubliche Tore bekommen, die nur fallen können, wenn man unten drin steht. Von den Rückschlägen haben wir uns nicht mehr erholt", sagte Hertha-Kapitän Arne Friedrich, gab sich aber trotzdem optimistisch: "Ich glaube, dass Friedhelm Funkel uns da rausholt."

Der Coach selbst war nach seinem missglückten Debüt etwas frustriert, machte aber auch einige positive Aspekte aus. "Drei solch kuriose Gegentore habe ich noch nie erlebt. Ich habe aber auch einige Dinge gesehen, auf die man aufbauen kann", sagte der 55-Jährige. "Über kurz oder lang wird es wieder aufwärts gehen. Wir brauchen nur ein Erfolgserlebnis."

Zuvor hatte Werder Bremen im Nachmittagsspiel den Stuttgartern ihr Jubiläum verdorben: Der VfB verlor sein 1500. Spiel in der Bundesliga 0:2 (0:1). Stürmer Claudio Pizarro brachte Bremen bereits in der 3. Minute mit seinem fünften Saisontor in Führung, Aaron Hunt (51.) sorgte für die Entscheidung. Durch das zwölfte Pflichtspiel in Serie ohne Niederlage schaffte die auswärts weiter ungeschlagene Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf vor 42.000 Zuschauern in der ausverkauften Stuttgarter Arena den Sprung auf Platz vier, der VfB hängt im unteren Tabellendrittel fest und läuft weiter seinen eigenen Ansprüchen hinterher.

Spieler weg, Trainer weg

Nach dem frühen Rückstand brachte die Mannschaft von Teamchef Markus Babbel fast nichts mehr zustande. Bremen, das nach dem 3:1 in der Europa League gegen Athletic Bilbao zwei Tage weniger Vorbereitung als Stuttgart hatte, wirkte deutlich frischer und gewann überlegen.

"Es hat die geistige Frische und der letzte Wille gefehlt. Vom Kopf her waren wir viel zu träge", analysierte VfB-Trainer Markus Babbel. "Ich bin sehr enttäuscht von der Mannschaft. Ich schütze sie oft, aber jetzt muss ich sie in die Pflicht nehmen", so Babbel weiter und kündigte an, nun "genau darauf zu achten, wer von den Spielern mitzieht".

Sportdirektor Horst Heldt möchte daher beim DFB erwirken, dass Babbel in der kommenden Woche bei der Mannschaft ist und nicht beim Trainerlehrgang. "Wir werden nun besprechen, was die ersten Maßnahmen sind. Die Hälfte der Mannschaft ist aber wegen Länderspielen nicht da und auch der Trainer nicht. Das ist in der momentanen Situation Gift. Ich versuche, so viele Spieler wie möglich dazubehalten - und auch den Trainer", sagte Heldt.

Babbel muss normalerweise am Dienstag wieder zum Lehrgang in Köln antreten. Seit Juni hat der 37-Jährige bereits die Doppelbelastung. Derzeit darf Babbel den VfB nur dank einer Sondergenehmigung des DFB trainieren.

luk/mac/sid/dpa

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