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Bundesliga: Der Aufregungs-Pegel steigt

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Fußball-Bundesliga Hoppla, es wird ja doch spannend!

Meisterschaftskandidat Bayern patzt, der vermeintliche Sicher-Absteiger Augsburg trifft - und die Bundesliga ist endlich wieder aufregend. Das ist gut für die Fans. Selbst wenn ganz zum Schluss wohl doch die üblichen Verdächtigen oben und unten stehen.

Selten war es vorher so klar: 2012 wird der FC Bayern München Meister. Auch die Absteiger standen fest: der FC Augsburg und der SC Freiburg. Warum sollte man diese Saison überhaupt zu Ende spielen?

Weil diese vermeintlich sprödeste Spielzeit seit Jahren jetzt ihr Spannungsmoment zu entfalten scheint.

Die Bayern schwächeln nach drei Niederlagen in den vergangenen fünf Partien. Die Kellerkinder Augsburg und Freiburg sammeln Punkte. Diese 49. Bundesliga-Saison, sie macht sich.

Der FC Bayern München liegt nach 14 Spieltagen auf dem dritten Tabellenplatz. Vor vier Wochen hätte eine solche Prognose zu Lachkrämpfen beim Gegenüber geführt. Schließlich ging es bei der Konkurrenz um nichts anderes mehr, als sich das Etikett des ersten Bayern-Jägers anzuheften. Jetzt, im späten November nach mehr als einem Drittel der Saison, sind die Bayern unvermittelt der erste Borussen-Jäger geworden. Hinter Dortmund, hinter Mönchengladbach, den beiden Teams, die am kommenden Samstag im direkten Duell (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die Tabellenführung untereinander ausschießen - wenn denn einer der beiden gewinnt.

Der Aufschwung der Gladbacher, so sehr er sich in der Rückrunde der Vorsaison bereits angedeutet hat, ist mit Bestimmtheit das Ereignis der bisherigen Spielzeit. Zudem herzerwärmend nicht nur für all die Kummer gewohnten Borussen-Fans überall in der Republik, sondern auch für die Fußball-Nostalgiker: ein Traditionsverein, der dem Abstieg mit allerletzter Kraft entkommen ist und jetzt mit begeisterndem Offensivspiel punktgleich mit dem Meister an der Tabellenspitze liegt. Eine Mannschaft, die in der Vorsaison noch beide Partien gegen den FC St. Pauli verloren hat, wird jetzt zum "derzeit besten Team der Bundesliga" gekürt, wie es Kölns Trainer Stale Solbakken über Borussia Mönchengladbach nach deren Derby-Triumphmarsch vom Freitag gesagt hat.

Statistik unterfüttert nur die Unberechenbarkeit

Der gegenwärtige Tabellenstand mag eine Momentaufnahme sein. Es ist aber auch ein Beweis dafür, dass die Bundesliga wohl nie berechenbar sein wird - so sehr jeder Laufweg jedes Profis mittlerweile auch vermessen wird, jede Bewegung statistisch festgehalten ist. In der Bundesliga schlägt Mainz die Bayern. Im Vorjahr verpasst Hannover 96 nur knapp die Champions-League-Qualifikation. Eigentlich dürfte so etwas gar nicht sein.

Die Münchner wären gern so etwas wie der Red-Bull-Rennstall der Liga, und wochenlang sah es ja auch danach aus, als gelänge es dem Team, die Konkurrenz nach Belieben zu beherrschen - aber dann verletzt sich Bastian Schweinsteiger und fällt für Wochen aus, dann erhält dessen Nebenmann Anatoli Timoschtschuk die Rote Karte und wird für mehrere Partien gesperrt - und schon gerät das gesamte Konstrukt der Dominanz durcheinander. Auch wenn die Bayern der natürliche Titelfavorit bleiben. Wenngleich sich mit der doppelten Borussia zwei Kandidaten herangerobbt haben.

Auch der FC Augsburg wird trotz des Siegs gegen den VfL Wolfsburg vom Wochenende das Attribut des Abstiegskandidaten Nummer eins nicht loswerden. Aber so einfach wird es der Aufsteiger den anderen Teams, die da unten stehen, nicht machen. Seit Wochen ist der Aufwärtstrend erkennbar, nur Punkte hatte das zuletzt noch nicht gebracht. Das Wolfsburg-Spiel könnte jedoch so ein Wendepunkt gewesen sein, das Erfolgserlebnis, das es braucht, um einen Trend einzuleiten. Kämpferisch ist der FC Augsburg mittlerweile jedenfalls in der Lage, mit der Hälfte der Bundesliga-Clubs mitzuhalten.

Die Abstiegskandidaten drücken von unten

Im Windschatten des Aufsteigers beendete der 1. FC Nürnberg seine Ergebniskrise, der SC Freiburg hat auch in Hoffenheim gepunktet, Mainz brachte sich ohnehin nachdrücklich in Erinnerung - alles Resultate, die den Druck auf ambitionierte Clubs wie den Hamburger SV und den VfL Wolfsburg erhöhen. Beide stehen nach wie vor bedrohlich nah am Tabellenende.

Der HSV tritt zwar unter Thorsten Fink erheblich gefälliger auf - regelmäßig nur unentschieden zu spielen, ist allerdings kein gutes Rezept, um schnell die bedrohlichen Regionen zu verlassen. Die Versuchung, mit dem spielerischen Aufschwung auch die Abstiegsgefahr zu verkennen, ist für den Verein vielleicht die größte Gefahr. Es sind immer noch nur zwei Punkte bis zum Abgrund. Und Wolfsburg findet einfach keine Konstanz - wie auch unter einem Felix Magath? Die Winterpause naht und damit die nächste Einkaufstour des Trainers.

Ein Abstiegskampf bekommt erst dann seinen richtigen Pep, wenn Teams darin verstrickt werden, die per se höhere Ziele verfolgen. Das hat die Vorsaison nachdrücklich gezeigt, als zeitweilig Mannschaften wie Mönchengladbach, Wolfsburg, Eintracht Frankfurt, der VfB Stuttgart, der 1. FC Köln, gar Werder Bremen und Schalke 04 im Keller steckten. Diesmal könnten der HSV und Wolfsburg die Spannungsmacher werden. Abstiegskampf ist kein Privileg des 1. FC Kaiserslautern.

Noch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es am Ende tatsächlich heißt: Meister Bayern. Absteiger Augsburg. Und alle können sagen: Das haben wir doch vorher gewusst. Aber bis dahin wird es richtig spannend.

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