Hertha BSC 374 Millionen investiert, trotzdem Letzter – aber Windhorst bietet noch mehr Geld an

Null Punkte nach drei Spielen. Trotz Millionen von Lars Windhorst steht Hertha wieder schlecht da. Doch der Investor will nachlegen, wenn es sein muss, bemängelt fehlende Siegermentalität und kritisiert den Trainer.
Windhorst im Februar 2020 bei einer Hertha-Pressekonferenz: »Wir sind hier, um zu bleiben«

Windhorst im Februar 2020 bei einer Hertha-Pressekonferenz: »Wir sind hier, um zu bleiben«

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imago images/Matthias Koch

Lars Windhorst, Investor von Fußball-Bundesligist Hertha BSC, würde im Bedarfsfall noch mehr als die bereits geflossenen 374 Millionen Euro in den Klub investieren. »Mein Ziel ist, Hertha nach oben zu bringen. Wenn dafür weiter investiert werden muss, werde ich für die Mittel sorgen«, sagte der 44-Jährige in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung«. Er werde »alles dafür tun«, damit die Ziele des Klubs erreicht würden, sagte Windhorst. »Egal, was dazu nötig ist. Ich werde niemals aufgeben.«

Seit dem Einstieg beim Hauptstadtklub im Jahr 2019 haben Windhorst und seine Investmentfirma Tennor insgesamt 66,6 Prozent an der ausgegliederten Hertha BSC GmbH & Co. KGaA erworben. Sportlich allerdings hat sich das bisher nicht ausgezahlt. In der vergangenen Spielzeit wurde Hertha nur Tabellen-14. und schaffte erst kurz vor Schluss den Klassenerhalt. In dieser Saison sieht es noch schlimmer aus: Die Berliner stehen nach drei Spieltagen mit null Punkten am Tabellenende. Am Sonntag treffen sie auf Aufsteiger Bochum (17.30 Uhr, TV: Dazn).

»Das darf sicher keine fünf bis zehn Jahre mehr dauern, sondern eher zwei bis fünf.«

Hertha-Investor Windhorst über den zeitlichen Rahmen, in dem die Berliner in der Bundesliga oben mitspielen sollen

Er habe trotz der Rückschläge »keine Exit-Strategie. Ich habe nicht gekauft, um zu verkaufen. Wir sind hier, um zu bleiben«, sagte Windhorst. Er bereue sein Investment auch keineswegs. Er habe weiter das Ziel, mit Hertha in der Champions League zu spielen. Windhorst will, dass die bisher zumeist mittelmäßigen Berliner zeitnah oben in der Bundesliga mitspielen: »Das darf sicher keine fünf bis zehn Jahre mehr dauern, sondern eher zwei bis fünf«, sagte der Investor.

Es gab es Berichte darüber, dass vereinbarte Zahlungen von Windhorst verspätet bei Hertha eingetroffen sind. Negative Schlagzeilen machte Hertha mit zwei von Windhorst eingestellten Ex-Fußballern: Der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann, den Windhorst als sportlichen Berater beschäftigte, musste nach einer rassistischen Äußerung gegenüber dem ehemaligen Bundesligaprofi Dennis Aogo gehen. Jürgen Klinsmann, den Windhorst zunächst ebenfalls als Berater eingestellt hatte, der später aber kurzzeitig auch das Traineramt bei Hertha übernahm, hinterließ den Klub mit seinem Abgang im Februar 2020 im Chaos.

Windhorst sieht sich bei Hertha als Erneuerer. Im Klub habe er in den letzten Jahren eine fehlende Siegermentalität ausgemacht: »Die war doch oft zu wenig da in den letzten 20, 30 Jahren. Das Mittelmaß hat vielen gereicht.« Es habe Personen im Verein gegeben, die sich mit dem Klassenerhalt begnügen würden. Und die gäbe es zum Teil immer noch. Aber: »Wie soll ein Spieler vom unbedingten Erfolg überzeugt sein, wenn sein Vorgesetzter diesen Willen nicht hat oder nicht ausstrahlt?«, fragte Windhorst. Vor allem mit dem im Januar entlassenen langjährigen Geschäftsführer Sport, Michael Preetz, soll Windhorst Probleme gehabt haben.

Kritik an Trainer Dárdai: »So etwas geht einfach nicht«

Über Herthas aktuellen Trainer Pál Dárdai fand Windhorst kritische Worte. Der Ungar hatte nach dem 0:5 gegen den FC Bayern vor zwei Wochen gesagt: »Ich hänge nicht an meinem Sitz, ich helfe gerade aus.« Und: »Wahrscheinlich sucht Hertha BSC seit Langem einen großen Trainer. Pál ist ein kleiner Trainer, ein netter Trainer, er hilft aus, so lange, wie es sein soll.« Das wurde so verstanden, als biete Dárdai indirekt seinen Rücktritt an. »So etwas geht einfach nicht. Da denke ich doch als Spieler: Dem ist eh alles egal«, kritisierte Windhorst nun.

Hertha-Trainer Pál Dárdai auf dem Trainingsplatz: »Ich hänge nicht an meinem Sitz«

Hertha-Trainer Pál Dárdai auf dem Trainingsplatz: »Ich hänge nicht an meinem Sitz«

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Angst vor einem Abstieg hat Windhorst nicht: »Das wird nicht passieren«, sagte er. Mit dem neuen Sportgeschäftsführer Fredi Bobic und dem CEO Carsten Schmidt habe Hertha »keine Dilettanten, sondern nachweislich erfolgreiche Manager, die diesen Super-GAU zu verhindern wissen«, so Windhorst.

Bobic hatte den Kader der Berliner zuletzt stark verändert: Mit dem brasilianischen Olympiasieger Matheus Cunha (für 30 Millionen zu Atlético Madrid), Jhon Córdoba (für 20 Millionen Euro nach Krasnodar) und Dodi Lukébakio (Ausleihe nach Wolfsburg) hat der Klub seine drei besten Angreifer abgegeben. Gekommen sind für die Offensive Ishak Belfodil (für 500.000 Euro aus Hoffenheim), Stevan Jovetić (ablösefrei aus Monaco) und Myziane Maolida (für vier Millionen Euro aus Nizza). Zudem wechselte der niederländische Mittelfeldspieler Jurgen Ekkelenkamp von Ajax Amsterdam für drei Millionen Euro nach Berlin.

Ob Windhorsts große Ziele mit ihnen erreicht werden können, wird sich zeigen.

mey/sid/dpa
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