Fußball-Bundesliga Kommt die Opel-Liga?

Vergangene Woche betrat der HSV mit der Umbenennung seines Stadions hier zu Lande neuen Boden in Sachen Fußball-Vermarktung. Nun ist anscheinend die heilige Kuh dran - die Bundesliga selbst.


Opel-Trikot: Mit Vollgas in die Totalvermarktung
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Opel-Trikot: Mit Vollgas in die Totalvermarktung

Hamburg - Nachdem auf dem Fernsehmarkt die finanziellen Grenzen erreicht zu sein scheinen, plant die Fußball-Bundesliga eine neue Quelle der Geldbeschaffung zu erschließen: Titel-Sponsoring. Der Hamburger Sportverein hat in dieser Hinsicht die Vorreiterrolle übernommen, indem er seine zu Anfang der fünfziger Jahren entstandene Spielstätte, das Volksparkstadion, in der vergangenen Woche in "AOL-Arena" umgetauft hat. 30 Millionen Mark in den nächsten fünf Jahren soll der HSV dafür von dem Online-Unternehmen bekommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die anderen Bundesligisten es ihren hanseatischen Kollegen nachmachen werden.

Keine Einwände von den Proficlubs


Kein Wunder, dass nun auch die "heilige Kuh" des deutschen Fußballs, die seit 1963 bestehende Bundesliga, davor steht, unter Marketing-Aspekten genutzt zu werden. Laut "Bild"-Zeitung tüftelt Liga-Boss Werner Hackmann an entsprechenden Plänen. "Dieses Modell mit einem General-Sponsor ist angedacht. Allerdings noch nicht für die kommende Saison", ließ Hackmann in dem Boulevard-Blatt verlauten. Vergangene Woche wurde das Modell den 36 Proficlubs vorgestellt, die laut "Bild" keinerlei Einwände erhoben.

Deutschland wäre nicht das erste Land, das seine Fußball-Profiliga mit einem Titelsponsor versehen würde. In England und Österreich heißen die Ligen "FA Barclaycard Premier League" beziehungsweise "Max-Liga". Das Kreditunternehmen Barclay lässt sich diese Werbemaßnahme beispielsweise 150 Millionen Mark im Jahr kosten.

50 Millionen Mark pro Saison


Deshalb ist es gut möglich, dass die Bundesliga demnächst mit dem Namen "Coca-Cola-Liga" oder "Mercedes-Benz-Liga" versehen wird. Auf mindestens 50 Millionen Mark pro Saison schätzen Experten den Marktwert der Bundesliga. England hat in dieser Hinsicht gegenüber Deutschland einen Vorsprung von einigen Jahren. Dort vermarktet sich die Premier League schon seit Anfang der Neunziger selbständig.

Obwohl einige HSV-Fans in den letzten Tagen ihr umgetauftes Stadion mit Parolen "Volkspark forever" und "Scheiß AOL" versahen, gehen Werbeexperten davon aus, dass Titel-Sponsoring die Zukunft für den deutschen Fußball sein wird. "Als der DFB Mitte der siebziger Jahre die Trikotwerbung einführte, gab's auch einen Aufschrei - der sich aber schnell wieder legte", wird ein Werbefachmann zitiert.



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