Fußball-Bundesliga Leverkusen stoppt die Bayern

Am 7. Spieltag der Fußball-Bundesliga hat es auch den FC Bayern erwischt. Der Tabellenführer kassierte in Leverkusen die erste Saisonniederlage. Zwei Teams nutzten die Gunst der Stunde und profitierten ganz besonders vom Ausrutscher der Münchner.


Endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis für Bayer Leverkusen: Vranjes, Ojigwe, Bierofka und Babic (v.l.) lassen sich feiern
DDP

Endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis für Bayer Leverkusen: Vranjes, Ojigwe, Bierofka und Babic (v.l.) lassen sich feiern

Hamburg - Leverkusen hat den Alleingang des FC Bayern München gestoppt. Mit dem 2:1 (1:0)-Sieg brachte der zuletzt tief in der Krise steckende Werksclub dem deutschen Rekordmeister die erste Niederlage der Bundesliga-Spielzeit 2002/2003 bei. Dennoch behielten die Münchener (16 Punkte) ihre Tabellenführung.

Von den Verfolgern kamen Borussia Dortmund und Werder Bremen zu einem Sieg. Nach dem 4:1 (2:1) am Sonntag beim VfL Bochum sind die viermal in Folge erfolgreichen Norddeutschen bis auf einen Zähler an die Münchner heran- und auf Platz zwei der Tabelle vorgerückt.

Mit dem 1:0 (0:0) am Samstag gegen Mönchengladbach verbesserte sich Meister Dortmund (13 Punkte) auf Rang drei. Dagegen verlor Hansa Rostock (12 Punkte) gegen Aufsteiger Hannover 96 mit 1:2 (1:2) und fiel auf Rang drei zurück. Der FC Schalke 04 (12) kassierte mit 1:2 (1:1) bei Arminia Bielefeld ebenfalls die erste Saisonniederlage. Im zweiten Sonntagsspiel gewann der 1. FC Nürnberg mit 1:0 (1:0) gegen Schlusslicht Kaiserslautern.

Hektische Partie in Leverkusen

Gegen Bayern München wollten sich die Leverkusener aus der Krise schießen. Die Bemühungen wurden schnell belohnt: Schon nach acht Minuten brachte Lucio mit einem Freistoß aus 30 Metern die Gastgeber in Führung. Selbst als Thomas Brdaric (37.) in der hektischen Partie die Gelb-Rote Karte sah, ließen sich die Leverkusener nicht aus dem Rhythmus bringen. In Unterzahl schaffte Daniel Bierofka (63.) sogar noch das 2:0 gegen die lustlosen Bayern, bei denen vor allem die Ex-Leverkusener Michael Ballack und Zé Roberto an alter Wirkungsstätte enttäuschten. Der Anschlusstreffer von Hasan Salihamidzic (88.) kam zu spät.

"Heute hatten wir das Quäntchen Glück, das uns am Dienstag gegen Manchester gefehlt hat. Es war ein sehr hektisches Spiel, aber nicht unfair", sagte Bayer-Coach Klaus Toppmöller. Trotz des ersten Heimsieges dieser Saison ist Leverkusen derzeit nur 13. "Wir haben uns selbst geschlagen. So kann man sich im eigenen Strafraum nicht ausspielen lassen. Das war amateurhaft von uns", kritisierte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld.

Fußballballett: Der Gladbacher Joris van Hout (l.) und BVB-Defensivkraft Christian Wörns
AP

Fußballballett: Der Gladbacher Joris van Hout (l.) und BVB-Defensivkraft Christian Wörns

Dank Ewerthon hat sich Borussia Dortmund wieder an die Tabellenspitze herangearbeitet. Der Brasilianer traf fünf Minuten vor dem Ende zum 1:0 (0:0)-Erfolg für die Westfalen und sicherte dem Meister gegen die starken Gladbacher den dritten Saisonsieg. Die Gäste fielen nach dem dritten sieglosen Spiel in Folge auf den zwölften Platz zurück.

"Wir haben uns heute gegen eine Mannschaft schwer getan, die einen exzellenten Eindruck gemacht hat. Garant für den Sieg war Jens Lehmann im Tor", sagte BVB-Trainer Matthias Sammer, "insgesamt war das heute kein gutes Spiel. Wir haben es versäumt, klare Torchancen zu erarbeiten." Dennoch ist Dortmund als einziges Bundesligateam noch ungeschlagen und stellte mit sieben Spielen in Folge ohne Niederlage einen neuen Vereinsstartrekord auf. Gladbachs Coach Hans Meyer konnte sich hingegen kurz fassen: "Rein analytisch betrachtet waren unsere Jungs blind."

Eklatante Rostocker Heimschwäche

Hansa Rostock geht nach dem starken Saisonstart ein wenig die Luft aus. Das 1:2 (1:2) gegen Hannover 96 war die zweite Heimniederlage innerhalb einer Woche und bereits die dritte dieser Spielzeit. Die Rostocker Führung von Peter Wibran (11.) glich Mohammadou Idrissou (31.) aus. Hannovers Neuzugang Fredi Bobic war kurz vor dem Wechsel erfolgreich (43.) und erzielte bereits seinen vierten Saisontreffer.

"Das ist für uns fraglos eine bittere Niederlage. Aber wir haben da oben in der Tabelle im Normalfall auch nichts zu suchen", sagte Rostocks Trainer Armin Veh, "daher wissen wir mit der Situation umzugehen." Hannovers Coach Ralf Rangnick war hingegen sehr zufrieden: "Wir sind natürlich froh, dass wir den Trend der vergangenen Wochen fortsetzen konnten. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie unbedingt will."

Schalke verliert trotz Überzahl

Zu den Verlierern des Spieltages gehörte auch der FC Schalke. Trotz Überzahl verlor der Pokalsieger auf der Bielefelder "Alm" mit 1:2 (1:1) und kassierte die erste Saisonniederlage. Erhan Albayrak (7.) hatte die Gastgeber per Foulelfmeter in Führung gebracht. Gustavo Antonio Varela (19.) erzielte ebenfalls mit einem Strafstoß den Schalker Ausgleich. Arminias Stürmer Artur Wichniarek (56.) kassierte wegen Unsportlichkeit die Gelb-Rote Karte. Doch die Gäste nutzen die Überlegenheit nicht aus. Mamadou Diabang (68.) machte vielmehr den dritten Bielefelder Saisonsieg perfekt.

"Wir hatten zunächst kaum gute Aktionen zum Abschluss gebracht, aber am Schluss hatten wir sogar Möglichkeiten, das Ergebnis auszubauen", sagte Bielefelds Trainer Benno Möhlmann. Schalke-Coach Frank Neubarth hatte hingegen wenig Freude am Spiel: "In Überzahl haben wir uns sehr ungeschickt angestellt. Insgesamt haben wir zuwenig gezeigt."

Fehlentscheidung besiegelt Hertha-Niederlage

Der TSV 1860 München stellte mit dem 1:0 (1:0) gegen Hertha BSC den Anschluss an das obere Tabellendrittel her. Markus Schroth (15.) erzielte den einzigen Treffer. Beim dritten Saisontor des Angreifers hatten die Münchner allerdings Glück, dass Schiedsrichter Peter Gagelmann aus Bremen ein klares Handspiel des Torschützen übersah. Zudem verweigerte der nicht gerade souveräne Referee den Berlinern nach einem Foul von 1860-Keeper Simon Jentzsch an Andreas Neuendorf einen Elfmeter (22.).

"Wir hatten vor allem in der zweiten Hälte die besseren Chancen. Deshalb war der Sieg auch verdient. Ich bin zufrieden, dass wir endlich auch einmal einen sogenannten Großen geschlagen haben", freute sich "Löwen"-Coach Peter Pacult. Die Berliner hatten die letzten vier Auswärtsspiele beim TSV gewonnen. "Wir haben sehr gut angefangen, aber viele Chancen nicht genutzt", kritisierte Hertha-Trainer Huub Stevens, "in der zweiten Halbzeit haben wir den Faden verloren, da ist Hektik reingekommen. Über die Leistung des Schiedsrichters möchte ich mich nicht äußern."

Das taten dafür umso ausführlicher die Berliner Spieler. "Der Schiri hat uns verpfiffen", polterte Neuendorf. Nationalspieler Marko Rehmer sprach von zwei "glasklaren Fehlentscheidungen". Es sei "kein absichtliches Handspiel" gewesen, verteidigte der Schiedsrichter seine umstrittene Entscheidung.

Cotbus weiter im Tabellenkeller

Tomislav Maric (55.) sicherte dem VfL Wolfsburg beim 1:0 (0:0) in Cottbus den ersten Auswärtserfolg der Saison. Der Kroate, in der bisherigen Saison ohne Stammplatz, hatte in der Lausitz von Anfang an stürmen dürfen. Cottbus ist im eigenen Stadion weiter ohne Saisonsieg und bleibt mit lediglich vier Punkten aus sieben Spielen im Tabellenkeller.

"Wenn man verliert, ist man immer der Geprügelte", sagte Energie-Trainer Eduard Geyer nach der dritten Heimniederlage vor 11.605 Zuschauern im Stadion der Freundschaft, "wir müssen uns allmählich Gedanken machen. In den nächsten Tagen muss man in der Mannschaft etwas verändern." Wolfsburgs Trainer Wolfgang Wolf hatte hingegen nichts zu meckern: "Es ist alles aufgegangen. Kompliment an die Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit endlich so clever gespielt hat, wie ich es mir vorstelle."

Hamburger SV wie gewohnt heimstark

Entscheidender Spieler beim 3:2 (2:2) des Hamburger SV gegen den VfB Stuttgart war Bernardo Romeo. Der Argentinier erzielte den Siegtreffer in der 86. Minute. Er hatte auch schon in der 14. Minute den Ausgleich zum 1:1 markiert. Neben Romeo traf Sergeij Barbarez (23.) für den HSV. Jochen Seitz (9.) und Alexander Hleb (26.) waren für die Schwaben erfolgreich.

"Das war ein sehr gutes Spiel in der ersten Halbzeit mit viel Abwechslung. Aber wichtig ist, dass wir jetzt auch auswärts einmal nachlegen", sagte HSV-Trainer Kurt Jara, dessen Mannschaft von vier Heimspielen drei gewinnen konnte, in der Fremde aber noch ohne Sieg ist. VfB-Coach Felix Magath musste hingegen mit leeren Händen heimfahren. "Wir haben uns wieder als sehr guter Gast erwiesen und dem HSV drei Punkte geschenkt", bemängelte der ehemalige Hamburger Coach, "hier war heute deutlich mehr drin. Die Niederlage schmerzt, weil sie so unnötig war."



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