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Niederlage gegen Wolfsburg: Der HSV am Abgrund

Foto: Oliver Hardt/ Bongarts/Getty Images

HSV-Niederlage gegen Wolfsburg Paderborn wartet schon

Kurzes Aufbäumen, lange Lähmung: Nach dem 1:3 gegen Wolfsburg taumelt Hamburg in Richtung zweite Liga, der VfL kann sich Hoffnungen auf die Champions League machen. Die HSV-Niederlage im Spielfilm.
Von Timo Prüfig

Die Ausgangslage: Der Hamburger SV ging auf Relegationsrang 16 in die Partie und brauchte dringend einen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt. Allerdings fehlten mit Spielern wie Rafael van der Vaart, Johan Djourou, Marcell Jansen und Pierre-Michel Lasogga zahlreiche Stammkräfte. Die Gäste aus Wolfsburg hingegen wollten im Kampf um die Champions League im Fernduell mit Bayer Leverkusen vorlegen und zumindest über Nacht den vierten Platz vom Werksclub übernehmen. Die Heimstärke sprach für die Hamburger: Unter Trainer Mirko Slomka gab es im Volkspark zuvor in fünf Partien drei Siege und zwei Unentschieden.

Das Ergebnis: Nachdem sich die beiden Mannschaften in den vergangenen drei Duellen stets 1:1-unentschieden getrennt hatten, verlief die Partie diemal alles andere als ausgeglichen. Der VfL Wolfsburg unterstrich seine Champions-League-Ambitionen und besiegte einen über weite Strecken schwachen Hamburger SV verdient 3:1 (2:0).

Jubiläum des Spiels: Es hätte der 100. Bundesliga-Erfolg für Hamburgs Mirko Slomka als Trainer in der Fußball-Bundesliga werden sollen, doch bereits in der zweiten Spielminute schwanden die Hoffnungen darauf. Das frühe 1:0 durch Ivan Perisic war der 100. Treffer im Duell zwischen diesen beiden Mannschaften.

Die erste Hälfte: Es begann bitter für den HSV und ebenso endete es: Bereits in der zweiten Minute spielte Luiz Gustavo einen Traumpass in den Lauf von Ivan Perisic - der nutzte einen Stellungsfehler von Hamburgs Torwart René Adler zur Führung der Gäste. Kurz vor der Pause konnten sieben Hamburger zwei Wolfsburger nicht entscheidend stören und Kevin De Bruyne erhöhte aus spitzem Winkel auf 2:0 (42.). In der Zwischenzeit fiel der HSV nur durch zwei Chancen von Ivo Ilicevic auf (16., 18.). De Bruyne hätte sogar ein weiteres Tor für den VfL erzielen können, scheiterte aber im Eins-gegen-eins an Adler (31.).

Die zweite Hälfte: Sie begann wie die erste, mit einem Hamburger Gegentreffer. Nach einem Eckball sprang Naldo am höchsten, Ivica Olic drückte den Ball aus kurzer Distanz zum 0:3 über die Linie (49.) - die Entscheidung. Doch plötzlich begann der HSV zu kämpfen: Einen Schuss von Hakan Calhanoglu parierte Wolfsburgs Torwart Max Grün (51.), kurz darauf traf Ivo ilicevic aus sechs Metern zum 1:3 (58.). Doch die Hamburger Euphorie hielt nur kurz, Wolfsburg hätte durch Luiz Gustavo, der einmal Pfosten (73.) und einmal Latte traf (82.), und Olic, der alleine vor Adler scheiterte (82.), erhöhen können. Am Ende blieb es beim verdienten Auswärtssieg des VfL Wolfsburg.

Spion des Spiels: Michael Born schaute sich die Partie im Stadion an. Was er zu sehen bekam, wird dem Manager des SC Paderborn 07 gefallen haben: Keine Aggressivität, kein Aufbäumen, keine Ideen, keine Torgefahr - der Hamburger SV zeigte sich in einer desolaten Verfassung. Sollte es in den Relegationsspielen am 15. und 18. Mai tatsächlich zum Duell zwischen dem Bundesliga-16. HSV und dem Zweitliga-Dritten Paderborn kommen, kann sich Borns Team berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg machen.

Nicht-Angriff des Spiels: Beim Tor zum 0:2 befanden sich sieben Hamburger Feldspieler im eigenen Strafraum. Sie verteidigten gegen zwei Wolfsburger. Aber niemand verhinderte das Zuspiel von Olic auf De Bruyne. Und kein HSV-Profi hielt es für notwendig, den Belgier am Torschuss zu hindern. Heiko Westermann stand im Raum und drehte sich beim Abschluss des 23-Jährigen nur weg. René Adler streckte sich vergebens - der Ball schlug aus spitzem Winkel im langen Eck ein.

Spieler des Spiels: Wolfsburgs Luiz Gustavo stand bei zahlreichen Szenen im Mittelpunkt: Für den Brasilianer begann die Partie mit einem perfekten Zuspiel für Ivan Perisic, der zum 1:0 vollendete. In der zweiten Hälfte versuchte es der 26-Jährige dann selber, scheiterte mit zwei sehenswerten Schüssen aber zunächst am Pfosten und kurze Zeit später an der Latte. In der Schlussminute flog Luiz Gustavo dann auch noch wegen eines absichtlichen Handspiels mit Gelb-Rot vom Platz. Es war bereits der dritte Platzverweis für den VfL-Profi in dieser Saison.

Erkenntnis des Spiels: 18 Niederlagen, 65 Gegentore, nur 27 Punkte nach 31 Spieltagen - der Hamburger SV spielt die schlechteste Saison seiner Bundesliga-Geschichte und taumelt der zweiten Liga entgegen. Gegen Wolfsburg war über weite Strecken kein Widerstand, kein Wille und auch keine Hoffnung zu erkennen. Große Hoffnungen auf die Champions League kann sich hingegen der VfL Wolfsburg machen. Nach vier Siegen aus den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen und einem vermeintlich leichten Restprogramm (Freiburg, Stuttgart, Mönchengladbach) kann das Team von Trainer Dieter Hecking auf den vierten Tabellenplatz hoffen.

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