Fußball-Bundesliga Radio im Fernsehen

In die Diskussion über die Bundesliga-Berichterstattung hat sich die ARD mit ganz neuen Plänen eingeschaltet.


Köln - Mit einer überraschenden Idee greift die ARD in die immer heftiger werdende Diskussion über die Fußball-Berichterstattung im Fernsehen ein. Innerhalb des öffentlich-rechtlichen Senders gibt es Überlegungen, in der traditionellen "Sportschau" am Samstag Reporter wie im Hörfunk über die Spiele der 1. Bundesliga berichten zu lassen. Damit würde die ARD auf die umstrittene Verlegung der Sat.1-Fußballsendung "ran" auf 20.15 Uhr reagieren und ein bisher einmaliges Konzept umsetzen. "Die Sportschau soll mit aktuellen Fotos und Reporter-Statements aufgewertet werden", sagte ARD-Chef Fritz Pleitgen.

"Das kann keiner verbieten"


"Es gibt Überlegungen, Kommentatoren über die Spiele erzählen zu lassen. Das kann keiner verbieten", heißt es in der ARD. Dazu könnte nach den Spielen innerhalb der "Sportschau" live in die Stadien zu den Reportern geschaltet werden: "Zusätzlich könnte man Fotos von den Torschüssen einblenden."

Offiziell will der Sender zu den Plänen noch keine Stellung nehmen. "Dazu können wir derzeit nicht mehr sagen. Klar ist nur, dass wir eine ausführlichere Ergebnisberichterstattung innerhalb der Sportschau bringen wollen", sagte ARD-Sprecher Rüdiger Oppers der Deutschen Presse-Agentur. "Bewegte Bilder werden wir sicher nicht haben", meinte er weiter.

Keine Spielberichte in der "Sportschau"


Die TV-Rechte der Fußball-Bundesliga liegen bis 2004 bei der Kirch-Gruppe. Deren Sender Sat.1 hat bisher eine Zusammenfassung des Ligageschehens um 18.30 Uhr gezeigt, die aber mit Beginn der neuen Saison auf 20.15 Uhr verschoben werden soll. Mit dieser Verlegung will die Kirch-Gruppe den Pay-TV-Sender Premiere World stärken, der trotz hoher Investitionen bei rund 2,4 Millionen Abonnenten stagniert und Milliarden-Defizite einfährt.

Nach dem Kalkül der Kirch-Manager kaufen mehr Kunden Abos von Premiere World, das alle Spiele live überträgt und eine Zusammenfassung samstags um 17.25 Uhr sendet, wenn die Zusammenfassung im frei empfangbaren TV erst drei Stunden nach dem Abpfiff der Partien gezeigt wird. Nach den derzeitigen Plänen von Kirch und des Ligaverbandes werden in der kommenden Saison sieben Spiele am Samstagnachmittag (15.30) und zwei am Sonntag (17.30) ausgetragen. Die Profivereine müssen dieses Modell noch offiziell absegnen.

Spielberichte will die ARD nicht in der "Sportschau" zeigen: "Es gibt zwar das Recht auf Kurzberichterstattung, aber das wollen wir nicht ausnutzen", sagte ARD-Sprecher Oppers. Allerdings besteht die ARD ebenso wie das ZDF darauf, in ihrer Haupt-Nachrichtensendung bewegte Bilder zu senden. Wie bisher sollen in der um 20 Uhr beginnenden ARD-Tageschau von zwei Spielen Kurzberichte zwischen 20 und 30 Sekunden gezeigt werden.

"Status quo erhalten"


Ähnlichen Umfang soll die Bundesliga-Berichterstattung in der "heute"-Sendung des ZDF behalten, die bereits um 19 Uhr beginnt. "Wir wollen den Status quo erhalten", sagte ein ZDF-Sprecher und dementierte damit Gerüchte, dass in "heute" von allen Spielen Ausschnitte gezeigt werden sollen. Das ZDF-"Sportstudio" wird wie bisher Zweitverwerter der TV-Rechte sein und gegen 22 Uhr eine Zusammenfassung senden.

Sollten die Vereine oder die Kirch-Gruppe diese Form der Kurzberichterstattung verhindern wollen, kündigten die öffentlich-rechtliche Sender juristische Schritte an. "Das wäre eine Rechtsstreit, auf den wir uns einlassen würden", so der ARD-Sprecher. Das Bundesverfassungsgericht hat die Kurzberichterstattung gesetzlich abgesichert, allerdings mit der Einschränkung: "gegen ein gewisses Entgelt".



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.