Fußball-Bundesliga Siegenthaler wird Sportchef beim HSV

Von der Nationalmannschaft zum Hamburger SV: DFB-Chefscout Urs Siegenthaler wird nach der WM in Südafrika einen neuen Posten antreten. Er wird Sportlicher Leiter beim HSV und tritt die Nachfolge von Dietmar Beiersdorfer an.
DFB-Scout Siegenthaler: Wechsel nach Hamburg

DFB-Scout Siegenthaler: Wechsel nach Hamburg

Foto: Oliver Berg/ dpa

Hamburg - Die endgültige Entscheidung am Dienstagabend war nur noch Formsache: Urs Siegenthaler, langjähriger Chefscout der deutschen Nationalmannschaft, wird nach der WM in Südafrika neuer Sportchef beim HSV. Der Aufsichtsrat der Hamburger segnete die Verpflichtung ab, Siegenthaler erhält einen Dreijahresvertrag.

"Die Perspektive, meine Vorstellungen und Erfahrungen einmal bei einem Bundesligaverein - noch dazu bei einem so traditionsreichen wie dem HSV - einbringen zu dürfen, hat mich sofort fasziniert", sagte Siegenthaler. Aufsichtsratschef Horst Becker sagte: "Wir haben in Urs Siegenthaler den idealen Sportlichen Leiter für den HSV gefunden. Er ist als Spielanalytiker hoch geachtet, verfügt nach seiner langjährigen Karriere als Profi, Trainer und Unternehmer über enorme Erfahrung auf unterschiedlichen Ebenen sowie über internationale Kontakte und hat seine Teamfähigkeit beim DFB unter Beweis gestellt."

Damit ist die Suche nach einem Nachfolger für Dietmar Beiersdorfer beendet, dessen Vertrag nach Differenzen mit Vereinsboss Bernd Hoffmann am 23. Juni 2009 aufgelöst worden war. Siegenthaler wird allerdings nicht als Vorgesetzter von Trainer Bruno Labbadia beim HSV arbeiten, denn mit der Verpflichtung des 62-Jährigen ändert der Club gleichzeitig seine sportliche Führungsstruktur. Labbadia, der bereits seit seiner Verpflichtung im Sommer praktisch auch als Sportchef arbeitete, behält seine Machtfülle.

"Erstklassige Kenntnisse über den internationalen Spielermarkt"

Den satzungsgemäß für die sportliche Leitung vorgesehenen Vorstandsposten soll Marketing-Frau Katja Kraus mitübernehmen. Siegenthaler soll den Nachwuchsbereich neu organisieren, eine Spielphilosophie mitentwickeln und durch seine glänzende Vernetzung im internationalen Fußball Talente entdecken und zum HSV lotsen.

"Urs Siegenthaler besitzt erstklassige Kenntnisse über den internationalen Spielermarkt. Für eine Sportchef-Rolle ist genau diese Vernetzung sehr wichtig. Er wäre bestimmt eine gute Wahl für den HSV", hatte der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld, der einst mit Siegenthaler in Basel zusammenspielte, zuvor gesagt. HSV-Nationalspieler Marcell Jansen kennt Siegenthalers Arbeitsweise aus eigener Erfahrung: "Seine Analysen sind super, Urs ist ein sehr positiver Mensch, der seine Arbeit extrem genau und gut macht."

"Siegenthaler hat mich schon vor längerer Zeit angesprochen"

Seit Wochen hatte der HSV hinter den Kulissen die Verpflichtung vorbereitet. "Siegenthaler hat mich schon vor längerer Zeit angesprochen", sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, "wir freuen uns, wenn Kräfte, die wir in der Nationalmannschaft installiert haben, bei Bundesligisten auf Interesse stoßen. Wir haben Siegenthaler die freie Wahl der Entscheidung gelassen - unter der Voraussetzung, dass er bis nach der WM zur Verfügung steht."

Mit Siegenthaler verlässt das erste prominente Mitglied aus dem Team um Bundestrainer Joachim Löw und Bierhoff den DFB. Dabei hatte Löw im Streit um seine Vertragsverlängerung noch am 8. Februar erklärt: "Wir haben gesagt, dass wir nur alle gemeinsam verlängern - das gilt auch für Hansi Flick, Andi Köpke und Urs Siegenthaler." Seit dem 13. Mai 2005 ist Siegenthaler für den DFB in der ganzen Welt unterwegs. Er beobachtet die Mannschaften, auf die Deutschland trifft. Der ehemalige Profi des FC Basel und der Young Boys Bern gilt als einer der besten Analytiker überhaupt. 1978 erwarb Siegenthaler sein Trainerdiplom an der Sporthochschule in Köln, der frühere Abwehrspieler war auch schon Co-Trainer der Schweizer Nationalmannschaft.

jar/sid
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