Fußball-Bundesliga Stadionverbot für die ARD?

Der Streit über die Bundesliga-Kurzberichterstattung in der "Tagesschau" spitzt sich zu. Jetzt drohen die Vereine der ARD mit Aussperrung.


Fußball im Fernsehen: "Unterhaltungswert wiedergeben"
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Fußball im Fernsehen: "Unterhaltungswert wiedergeben"

Frankfurt - "Die Vereine Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen haben in einem gemeinsamen Schreiben das Verlangen des WDR, stellvertretend für die ARD, nach Kurzberichterstattung vom ersten Spieltag zurückgewiesen", ließ die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in einer Presseerklärung am Dienstag verlauten.

Für die Heimspiele der drei Klubs zum Bundesliga-Start am Samstag hatte die ARD in der vergangenen Woche eigene Kamerateams zur Kurzberichterstattung in der Tagesschau angekündigt. ARD-Sprecher Rüdiger Oppers war am Dienstagnachmittag nicht für eine Stellungnahme auf die Absage der Klubs zu erreichen.

DFL liegt kein Antrag vor


Die drei Bundesligisten verweisen laut DFL in ihrer Begründung für die Ablehnung der ARD-Forderung nach Kurzberichterstattung auf die übergeordnete Veranstalterrolle des Liga-Verbandes. Bei der DFL allerdings sei kein Antrag zur Kurzberichterstattung vom ersten Spieltag eingegangen.

Außerdem vermuten die Vereine auf Grund des von der ARD in Aussicht gestellten Aufwandes für die Technik, dass statt einer nachrichtlichen Berichterstattung "offenbar der Unterhaltungswert der Bundesliga wiedergegeben werden soll".

"Die Kirch-Gruppe ist am Zug"


"Das Vorgehen der Vereine hat uns nicht überrascht. Die Kirch-Gruppe ist jetzt am Zug. Noch ist es nicht zu spät, Einvernehmen zu erzielen. Sollte dies nicht gelingen, würden uns nur juristische Schritte bleiben", reagierte ARD-Sprecher Rüdiger Oppers relativ gelassen auf die Aussperrung. Die ARD, die die freie Auswahl für 90- Sekunden-Spielberichte in der Tagesschau verlangt und auf den gültigen Vertrag mit der ISPR pocht, denkt über eine Einstweilige Verfügung gegen das Kirch-Unternehmen nach, falls die ISPR den komplizierten TV-Vertrag kündigt.

Die DFL reagierte nicht sonderlich besorgt, über die Drohgebärden der ARD. "Nach derzeitigem Stand wird es am ersten Spieltag wohl keine Kurzberichterstattung geben", sagte DFL-Pressesprecher Michael Pfad. "Wir gehen auch davon aus, dass die ARD in dieser Woche keine rechtlichen Schritte mehr einleiten wird oder eine einstweilige Verfügung anstrebt", erklärte Pfad weiter.

Die Kirch-Gruppe zeigte sich am Dienstag nach eigenen Angaben gesprächsbereit. "Wir haben ein gutes Angebot gemacht", betonte Alexander Liegl, Sportrechte-Geschäftsführer bei KirchMedia in München. Auf Arbeitsebene sei eine Einigung erzielt worden, die ARD-Intendanten hätten aber ihr Veto eingelegt. Möglichen Einstweiligen Verfügungen sehe man gelassen entgegen. Nun wird im Hause Kirch auch das Modell durchgespielt, die Bundesliga-Sendung "ran" von Sat.1 bereits um 20 Uhr statt wie geplant um 20.15 Uhr zu starten. Dann könnte die ARD-Tagesschau gegen 20.15 Uhr als Zweitverwerter in kurzen Ausschnitten über das Top-Spiel der Bundesliga berichten.



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