Bundesligisten nehmen Training auf Stress mit dem Ball

Drei Wochen war Pause, in vier Wochen geht es weiter. Vielleicht. Wie man in diesen Zeiten einen Bundesligisten trainiert - und warum es auch bei Profis anfangs rumpelt -, erklärt Paderborns Trainer Steffen Baumgart.
Steffen Baumgart: Für den Trainer vom SC Paderborn ist die aktuelle Situation "Neuland"

Steffen Baumgart: Für den Trainer vom SC Paderborn ist die aktuelle Situation "Neuland"

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Bernd Thissen/ dpa

Fußballtrainer sind auch nur Menschen, Steffen Baumgart bildet da selbstverständlich keine Ausnahme. Der 48-Jährige vom Tabellenletzten SC Paderborn freute sich nach der ersten Trainingseinheit nach drei Wochen coronabedingter Zwangspause darüber, dass sich die Dinge "langsam wieder der Normalität annähern", wie er dem SPIEGEL sagte. Das tun sie zum Wochenanfang - zumindest für die Profiklubs im Land.

Einige Vereine hatten schon früher angefangen, ab Dienstag sind dann alle 18 Vereine der ersten Liga wieder im Trainingsbetrieb. Anders als sonst, aber immerhin.  

In kleinen Gruppen und unter vielen Auflagen der Behörden dürfen die Profis wieder ein bisschen kicken. Schon die Ankunft auf den Trainingsgeländen ist geregelt, in manchen Städten müssen sich die Spieler vor jeder Einheit medizinisch untersuchen lassen. In Paderborn wird das Training in "engem Austausch mit der Task Force Gesundheit der DFL und den Behörden" organisiert, wie Geschäftsführer Sport Martin Przondziono auf der Vereinshomepage zitiert wird. 

Die Einheiten beim SC finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, alle Materialien, die für den Trainingsbetrieb notwendig sind, werden in der jeweiligen Kabine bereitgestellt. Nach jeder Übungseinheit werden die Bereiche, in denen sich die Spieler aufhalten, "von einem Fachunternehmen desinfiziert", so heißt es. Bei einigen Klubs müssen die Spieler nach dem Training verschwitzt nach Hause fahren, denn geduscht werden darf teilweise nicht auf dem Vereinsgelände. In Paderborn teilt sich jeweils eine Klein-Trainingsgruppe eine Kabine mit einem eigenen Duschbereich.

Cybertraining - "damit die Jungs sich mal wiedersehen"

Hört man Baumgart zu, könnte man annehmen, dass zumindest die ersten Trainingseinheiten vielleicht auch ohne anschließendes Duschen zu überstehen gewesen wären. Auf dem Programm stand "ein Lauf-ABC und Einlaufen". Seine Spieler müssten sich jetzt erst mal wieder "an den Ball und den Rasen gewöhnen", sagt der Coach. Das klingt eher nach scheuen Tieren als nach schweißtreibendem Sport. Aber natürlich weiß Baumgart genau, was er tut.

Seine Spieler wurden bei voller Fahrt aus dem laufenden Ligabetrieb gerissen, es galt, die körperliche Verfassung so gut es geht zu bewahren - ohne zu wissen, wie lange dieser Wartestand andauern würde. Baumgart lobt vor allem die Arbeit seines Athletiktrainers, der dafür sorgte, dass sich jeder Profi zu Hause sinnvoll fit halten konnte. 

Er selbst habe sich auch nicht um den körperlichen Zustand seiner Spieler gesorgt, erzählt Baumgart, da vertraue er in den modernen Profi. Seine Spieler habe er zwischendurch trotzdem angerufen, "einfach so, um zu wissen, wie es ihnen geht". Einmal ließ Baumgart alle seine Spieler in der Pause zusammen trainieren - interaktiv. Der körperliche Effekt dabei war gar nicht so wichtig, er habe es nur gemacht, "damit die Jungs sich mal wiedersehen".

Am Montag durfte der Ball also ein bisschen bewegt werden. Es sei anders als etwa zur Saisonvorbereitung, erklärt Baumgart. Da müsse man viel mehr Grundlagen schaffen. Jetzt gehe es vor allem darum, den Körper wieder an die fußballspezifischen Bewegungen zu gewöhnen, er versucht, der Situation etwas Gutes abzugewinnen. Nun könne man an Dingen arbeiten, die sonst nicht so im Mittelpunkt stünden, mehr individuelle Arbeit mit den einzelnen Spielern. "Wir fangen ja nicht von vorne an."

Wie geht es weiter? Was ist das Ziel?

Baumgart ist sich bewusst, dass es viele als großes Privileg der Fußballprofis ansehen, dass diese unter medizinischer Dauerüberwachung nach Vorgaben der Taskforce der Deutschen Fußball Liga wieder an die Arbeit gehen dürfen, während für die Spielklassen unterhalb der Regionalliga die Verfügungen der zuständigen Gesundheitsbehörden entscheidend sind - und der Amateursport im Land daher weiter ausgesetzt ist. "Wir freuen uns, wieder unserem Beruf nachgehen zu können", sagt Baumgart. "Dass die Jungs wieder auf dem Fußballplatz stehen, ist schon mal ein sehr guter Anfang."

Ein Anfang, aber wie geht es weiter? Und was ist das Ziel?

Prognosen zu treffen, wie sich das öffentliche Leben in der Pandemie entwickelt, ist sehr schwierig, das hört man tagein, tagaus von Politikern und Wissenschaftlern. Eine Ausnahme sind da die Funktionäre der großen Sportverbände, vor allem die Fußballer treten als große Optimisten auf. Abgesagt wird nicht, nur aufgeschoben. Auch Baumgart sagt: "Wir wollen alle die Saison zu Ende bringen. Das ist der wichtigste Punkt." Derzeit hofft die Bundesliga auf einen Wiederbeginn mit Geisterspielen ab Mai.

Den Trainern, deren Job es normalerweise ist, ihre Spieler punktgenau auf Partien hin fit und motiviert zu bekommen, fehlt aber der Fluchtpunkt. Baumgart arbeitet mit dem, was er hat. "Wir trainieren so, dass wir Anfang Mai in der Lage wären, Fußball zu spielen. Ob das passiert, ist eine andere Geschichte."