Fußball-Bundesliga Stuttgart nicht zu stoppen

Der VfB Stuttgart bleibt weiter auf Erfolgskurs. Auch in Frankfurt ließ der Bundesliga-Spitzenreiter nichts anbrennen. Härteste Verfolger bleiben Bayer Leverkusen und der SV Werder Bremen. In Rostock und Berlin konnte nach langer Zeit wieder einmal gejubelt werden.


Stuttgarter Torschützen unter sich: Kevin Kuranyi (l.) und Imre Szabics
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Stuttgarter Torschützen unter sich: Kevin Kuranyi (l.) und Imre Szabics

Hamburg - Stuttgart festigte am Samstag mit einem 2:0 (1:0)-Sieg in Frankfurt seine Tabellenführung. Mit nunmehr 30 Punkten liegt der VfB einen Zähler vor Leverkusen. Bayer setzte sich am Sonntagabend mit 3:1 (2:1) gegen den FC Schalke 04 durch. Dritter ist Werder Bremen (28 Punkte), das am Samstag in Hannover mit 5:1 (3:0) triumphierte.

Im zweiten Sonntagsspiel kamen die angeschlagenen Bayern zu einem 4:1 (1:0)-Sieg gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund. Die Münchner rangieren auf dem vierten Platz. Sie haben jedoch bereits sechs Zähler Rückstand auf Spitzenreiter VfB Stuttgart.

Vier Tage nach dem 3:1-Erfolg in der Champions League bei Panathinaikos Athen sorgten Imre Szabics (8. Minute) und Nationalstürmer Kevin Kuranyi (69.) für die Entscheidung zugunsten der Stuttgarter. Vor 28.000 Zuschauern blieb der VfB seit dem 17. Mai 2003 in der Bundesliga ungeschlagen.

Beide Mannschaften beendeten die Partie nur mit zehn Spielern. Schiedsrichter Uwe Kemmling zeigte in der 88. Minute den Abwehrspielern Geri Cipi (Frankfurt) und Fernando Meira (Stuttgart) nach einer Rangelei die Rote Karte. "Die frühe Führung hat uns offensichtilich eher verunsichert. Vor allem in der ersten Halbzeit hatte ich oftmals Angst, dass wir ein Gegentor kassieren", gestand VfB-Trainer Felix Magath. Frankfurts Coach Willi Reimann attestierte seinem Team beim ersten Gegentreffer "dilettantisches" Verhalten.

Coup in Hannover: Bremer Jubeltraube
DDP

Coup in Hannover: Bremer Jubeltraube

Auch ohne Top-Torjäger Ailton gewann Bremen nach einer starken Leistung das Nordderby bei Hannover 96 mit 5:1 (3:0). Nach den Toren von Nelson Valdez (8. und 36.), der den unter einer Bindehautentzündung leidenden Ailton ersetzte, trafen Ivan Klasnic (40. und 79.) sowie Fabian Ernst (87.) für den SV Werder.

Hannover zeigte vor 25.000 Zuschauern in der AWD-Arena die schwächste Saisonleistung und durfte nach dem Treffer von Jiri Stajner (55.) nur ganz kurz auf eine Wende hoffen. "Wir haben die Reihe der guten Auswärtsspiele fortgesetzt", freute sich der Bremer Trainer Thomas Schaaf, "meine Mannschaft hat eine sehr überzeugende Leistung gebracht."

Gewinner des Tages neben Stuttgart und Bremen war der VfL Bochum. Die Mannschaft von Trainer Peter Neururer verdarb Marcel Koller den Einstand als Kölner Chefcoach. Bochum gewann mit 4:0 (3:0) gegen das neue Schlusslicht. Vor 30.777 Zuschauern im Ruhrstadion machten Vahid Hashemian (7.), Peter Madsen (15.), Raymond Kalla (45.) und der eingewechselte Miroslav Stevic (87.) den vierten Heimsieg der Saison perfekt. Bochum kann als Tabellensechster weiter vom Uefa-Cup träumen.

Rostock gelingt Befreiungsschlag

Trotz des hohen Sieges blieb Neururer auf dem Teppich: "Heute reichte eine durchschnittliche Leistung. Nach der Pause haben wir das Ergebnis verwaltet." Koller verwies auf den Unterschied zwischen Theorie und Praxis: "Ich habe nur eine Woche mit der Mannschaft trainiert und sie hat gewisse Dinge gut aufgenommen. Aber klar, dass es mit der Umsetzung nicht so einfach ist. Dass es noch sehr viel zu tun gibt, hat man heute gesehen."

Ebenfalls mit 4:0 schlug Rostock den 1. FC Kaiserslautern. Hansa machte durch den zweiten Saisonsieg einen Sprung vom 18. auf den 15. Tabellenplatz. Der FCK liegt zwei Ränge davor. René Rydlewicz (15.), Antonio di Salvo (22. und 33.) sowie Martin Max (79.) erzielten vor 14.600 Zuschauern im Ostseestadion die Tore für Rostock, das nach sieben vergeblichen Anläufen erstmals wieder gewann. Kaiserslautern verlor nicht nur drei Punkte, sondern auch noch Verteidiger Lucien Mettomo (36.) mit einer Gelb-Roten Karte wegen absichtlichen Handspiels.

Energisch: Rostocks zweifacher Torschütze Antonio di Salvo
DPA

Energisch: Rostocks zweifacher Torschütze Antonio di Salvo

"Wir haben die Negativserie gestoppt, aber es sind nur drei Punkte und wir müssen weiterkämpfen", sagte Hansa-Coach Juri Schlünz nach dem ersten Bundesligasieg mit seinem neuen Team. "Wir kannten die Situation von Hansa, so hat es mich nicht gewundert, dass die voll in die Zweikämpfe gehen. Nach dem deutlichen Rückstand wäre höheres Risiko Selbstmord gewesen", so Lauterns Trainer Erik Gerets.

Ebenfalls ihre Heimspiele gewannen der Hamburger SV und der SC Freiburg. Der HSV schlug 1860 München mit 3:1 (0:0). Freiburg besiegte den wieder einmal auswärtsschwachen VfL Wolfsburg mit 3:2 (2:0). Beim Sportclub war Alexander Iaschwili der Matchwinner. Der Georgier traf in seinem 100. Bundesligaspiel gleich dreimal (31., 33. und 76. Minute) für Freiburg, das zuletzt drei Niederlagen hintereinander kassiert hatte. Der eingewechselte Marko Topic (62.) und Maik Franz (90.) waren für die Gäste vor 23.000 Zuschauern im Dreisamstadion erfolgreich.

"Für unsere Möglichkeiten haben wir eine ausgesprochen gute erste Halbzeit gespielt. Da haben wir auch verdient geführt. In der zweiten Halbzeit gab es eine Phase, in der das Spiel kippen konnte", gab Freiburgs Trainer Volker Finke zu. Wolfsburgs Coach Jürgen Röber machte es kurz: "Aufgrund der ersten Halbzeit haben wir das Spiel verdient verloren. Da fehlte jegliche Aggressivität."

Marcel Koller: Noch viel zu tun für den Kölner Coach
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Marcel Koller: Noch viel zu tun für den Kölner Coach

Seinen ersten Sieg als Trainer des Hamburger SV konnte Klaus Toppmöller feiern. Trotz einer über weite Strecken trostlosen Vorstellung gewann der HSV am Samstag gegen den TSV 1860 München durch zwei Tore von Bernardo Romeo (53. und 75.) sowie einem verwandelten Foulelfmeter von Mehdi Mahdavikia (77.) mit 3:1 (1:0). Vor 44.947 Zuschauern in der AOL-Arena war Danny Schwarz (57.) zwischenzeitlich der Ausgleich für die Münchner gelungen.

"Wir haben viel Leidenschaft gezeigt und deshalb auch verdient gewonnen. Ich hoffe, dass das ein Anfang für eine bessere Zukunft war. Wichtig war, dass wir ökonomischer als zuletzt gespielt haben", sagte Toppmöller. So sah es auch 1860-Trainer Falko Götz: "Der HSV hat uns mit enormem Willen am Ende den Schneid abgekauft."

Gladbach bestätigt seine Auswärtsschwäche

Hertha BSC musste gegen Mönchengladbach lange zittern, kam dann jedoch noch zu einem 2:1 (1:1)-Sieg. Die Borussia ist nach der siebten Saisonniederlage seit elf Ligaspielen sieglos und bleibt auf dem vorletzten Platz. Zehn Sekunden nach seiner Einwechslung erlöste U21-Nationalspieler Alexander Madlung das Berliner Team und sicherte Hertha mit seinem Kopfballtreffer vier Minuten vor dem Ende den ersten Heimsieg dieser Saison. Gladbach wartet seit 423 Tagen auf einen Auswärtssieg.

Nach der Führung durch Vaclav Sverkos (7.) hatte Weltmeister Luizao (15.) vor 32.983 Zuschauern den Ausgleich erzielt. Mit einer Rangelei und zwei Roten Karten für Marcelinho und den Gladbacher Aidoo (90.) hatte die umkämpfte, aber spielerisch schwache Partie ein unrühmliches Ende.

"Die Mannschaft hat sich gesteigert und den Sieg in der zweiten Halbzeit erkämpft, nicht erspielt", sagte Hertha-Trainer Huub Stevens, der die Partie wegen einer Sperre von der Tribüne aus verfolgen musste. Drastische Worte bemühte Gladbachs Coach Holger Fach: "Der eine oder andere Spieler hat sich versteckt. Wenn man Angst hat, sich in die Hose scheißt und die Leute nicht markiert, darf man sich über das Gegentor nicht beschweren."



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