Union Berlin verwundert mit Vorstoß "Wollen nicht vor 5000 Zuschauern, sondern vor 22.000 Zuschauern spielen"

In Zeiten von Social Distancing und Geisterspielen ist es ein irritierender Denkanstoß: Bundesligist Union Berlin möchte die Liga dazu bewegen, die Stadien wieder komplett zu füllen - so schnell wie möglich.
Stadion An der Alten Försterei in Berlin

 Stadion An der Alten Försterei in Berlin

Foto: Maja Hitij/ Getty Images

Der 1. FC Union Berlin will sich in der Diskussion über eine Rückkehr von Fans in die Stadien der Fußball-Bundesliga nicht mit einer Zwischenlösung zufriedengeben. "Wir wollen nicht darauf hinaus, vor 5000 Zuschauern, sondern vor 22.000 Zuschauern zu spielen. In dieser Richtung wollen wir denken. Wir wollen nicht mit dem Ziel einer reduzierten Lösung in den Prozess gehen", sagte Medienchef und Stadionsprecher Christian Arbeit bei einer Pressekonferenz.

Geschäftsführer Oliver Ruhnert warnte andere Klubs davor, die Situation mit Geisterspielen wegen der Coronakrise zu akzeptieren. "Niemand darf sich darin verlieben, ohne Zuschauer zu spielen, weil es vielleicht einfacher zu organisieren ist", sagte er: "Wenn wir 34 Spieltage ohne Fans absolvieren müssten, wäre das definitiv für einen Verein wie unseren elementar negativ." Laut Medienchef Arbeit müsse die "Denkrichtung" der Bundesliga sein, wie man es schaffe, mit der Erfassung von Personaldaten und Rückverfolgungsmöglichkeiten "die Stadien zu 100 Prozent" zu füllen.

Unions Vorstoß verwundert. Dass sich andere Bundesligaklubs in Spiele ohne Zuschauer "verlieben" könnten, darf man wohl ausschließen: Durch das Fehlen der Fans entgehen den Klubs Einnahmen in Millionenhöhe. Hinzu kommen bei vielen Klubs geringere Werbeerlöse, weil die Coronakrise auch vielen Sponsoren finanziell zu schaffen macht.

Die neue Saison beginnt wohl im September - und wohl weiter ohne Zuschauer

Der Einbruch der Einnahmen dürfte auch ein Grund für Unions Vorpreschen sein. Dass er entscheidende Wirkung zeigt, darf wiederum ausgeschlossen werden. "Mindestens zu Beginn der neuen Spielzeit wird die Bundesliga noch anders sein, als wir sie kennen", hatte DFL-Boss Christian Seifert erst am Samstag gesagt.

Die Spielzeit 2020/2021 wird voraussichtlich im September beginnen und demnach auch dann ohne Zuschauer. Ob und wann in diesem Jahr Fans in den Stadien zugelassen werden, entscheiden am Ende ohnehin weder Klubs wie Union noch die DFL - sondern die Politik.

Stadionbesuche großer Zuschauermengen dürften nach wie vor ein sehr hohes Infektionsrisiko beinhalten – nicht nur wegen der Nähe auf den Rängen, sondern auch wegen der An- und Abfahrtswege an Spieltagen.

Dennoch hatte Union-Präsident Dirk Zingler in seinem Grußwort im Stadionheft zur Partie gegen Fortuna Düsseldorf (3:0) am Samstag geschrieben, dass er sich "für den Start der neuen Saison klare und verständliche Regeln für die Wiederzulassung von Menschen zu Großveranstaltungen ohne Abstandsregeln" wünsche. Wie das mit der Eindämmung der Pandemie zu vereinbaren sein soll, ist nicht überliefert.

mon/dpa/sid
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