Drei Thesen zur Bundesliga Übermut tut manchmal gut

Im Kampf um die internationalen Plätze werden RB Leipzig und Werder Bremen immer stärker. Borussia Mönchengladbach rutscht dagegen in eine Krise.

Werders Max Kruse feiert den 3:1-Sieg seiner Bremer über FSV Mainz 05.
Carmen Jaspersen/DPA

Werders Max Kruse feiert den 3:1-Sieg seiner Bremer über FSV Mainz 05.

Von und Tobias Escher


1. Für Hecking könnte es eng werden

Borussia Mönchengladbach droht im Saisonendspurt die Luft auszugehen - mal wieder. Mit drei Siegen stark aus der Weihnachtspause gekommen, hakt es nun schon seit fast zwei Monaten gewaltig. Aus den vergangenen sieben Spielen konnte die Borussia nur eins gewinnen, viermal bekam sie drei oder mehr Gegentreffer.

Aber auch offensiv läuft in der Mannschaft von Trainer Dieter Hecking kaum noch etwas zusammen. Seit ebenfalls sieben Spielen erzielte die Borussia nicht mehr als einen Treffer in einem Spiel. Die Mannschaft agiert in den letzten Wochen oft unsicher und ohne Selbstvertrauen. Auch bisherige Leistungsträger wie Alassane Pléa oder Jonas Hofmann schwächeln. Gegen Düsseldorf wechselte Hecking in Thorgan Hazard einen der besten Spieler der Hinrunde bereits vor der Pause aus.

Thorgan Hazard (rechts) würdigte seinen Trainer keines Blickes.
Sascha Steinbach/EPA-EFE/REX

Thorgan Hazard (rechts) würdigte seinen Trainer keines Blickes.

Anzeichen für eine Trendwende sind momentan ebenfalls nicht auszumachen. Der Kredit von Trainer Hecking könnte aufgebraucht sein, wenn zum dritten Mal in Folge die Europapokalplätze verfehlt werden.

2. Es ist wichtig, sich hohe Ziele zu stecken

Tiefstapeln ist angesagt in der Bundesliga. Bloß keine zu hohen Ziele stecken, es könnte ja negativ ausgelegt werden. Bei Werder Bremen dachte man vor der Saison anders. Die Verantwortlichen um Trainer Florian Kohfeldt riefen Europa als Saisonziel aus; zuletzt war der Verein 2010 international vertreten. Werder äußerte hohe Ziele, statt tiefzustapeln.

Werder hatte vor der Saison große Ambitionen, zeigt aber auch große Leistungen.
David HeckerVID HECKER/EPA-EFE/REX

Werder hatte vor der Saison große Ambitionen, zeigt aber auch große Leistungen.

Werder hielt am Ziel selbst dann noch fest, als es kaum mehr erreichbar schien. Bremen hangelte sich von Endspiel um Europa zu Endspiel um Europa. Diese Endspiele brachten die nötige Aggressivität und Leidenschaft in das Bremer Spiel. 4:2 gegen Schalke, 3:1 gegen Leverkusen, jetzt 3:1 gegen Mainz: Werder steht plötzlich auf Rang sechs. Nur wer große Ziele formuliert, kann auch Großes erreichen.

Vor allem ein Spieler blüht auf: Max Kruse. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Er hat längst klargestellt, dass er nächstes Jahr international spielen will. Er tut alles dafür, dass er dies in Bremen tun kann. Als Zehner füttert er den pfeilschnellen Milot Rashica mit Pässen oder schließt selbst ab. Auch wegen Kruse darf Bremen träumen.

3. Die Nummer drei, die noch besser wird

RB Leipzig etabliert sich mit dem 5:0 gegen Hertha BSC endgültig als dritte Kraft im deutschen Fußball; nicht nur tabellarisch, wo der Vorsprung auf Gladbach nun fünf Punkte beträgt. Auch die weichen Faktoren sprechen für Ralf Rangnicks Team. Kaum ein Bundesligist ist defensiv derart gut organisiert, mit nur 20 Gegentoren stellt RB die beste Defensive der Liga.

RB Leipzig arbeitet sich immer weiter an Borussia Dortmund und Bayern München heran.
Martin Rose/Getty Images

RB Leipzig arbeitet sich immer weiter an Borussia Dortmund und Bayern München heran.

Zudem entfesselte Rangnick gegen Hertha das offensive Talent seines Teams. Das Mittelfeld bestand aus den Kreativköpfen Tyler Adams, 20, Amadou Haidara, 21, und den aus RB-Sicht fast schon alten Haudegen Kevin Kampl, 28, und Emil Forsberg, 27. Das junge Mittelfeld bewies eindrucksvoll: RB beherrscht auch Zauberfußball.

Im Sommer übernimmt Julian Nagelsmann das Team. Man darf gespannt sein, zu welchen Höhen der junge Trainer die noch jüngere Truppe führt. Er kann in der kommenden Saison auf dem defensiven Fundament seines Vorgängers aufbauen; eine Facette des Fußballspiels, die eher Nagelsmanns Schwachstelle darstellt. Zugleich steht er für die Entfesselung offensiven Talents, wie sie Rangnick nur selten wagt. Dreifachtorschütze Yussuf Poulsen, 24, schürt indes die Hoffnung, dass RB selbst einen Abgang von Timo Werner verkraften könnte.

Aktuell ist Leipzig die Nummer drei der Liga. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu mutmaßen: Das muss nicht auf ewig so bleiben.



insgesamt 11 Beiträge
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nadim.karkutli 31.03.2019
1. Jungs, ihr habt da Eintracht Frankfurt vergessen
Fachlich gute Analyse, aber neben RB und Werder gibt es da noch ein drittes BL-Team im Höhenflug: die Adler vom Main. Zusammen mit Werder die einzig ungeschlagene Mannschaft 2019, aber 4 EL-Spiele gegen Donezk und Inter Mailand inklusive. Auf CL-Kurs und im EL-1/4 Finale gegen Benfica. Wäre schön, auch das mal zu würdigen.
spon-facebook-1458183583 31.03.2019
2. Die Eintracht vergessen?
Besser als Bremen und wenn sie heute gegen Stuttgart gewinnen Platz Nummer 4. Mal sehen wer am Ende der Dritte ist.
joke61 31.03.2019
3. Kann man als Gladbach Fan
schon Frust kriegen! Wie kann man nur so desulat und lustlos spielen? Alleine die Aufstellung der Manschaft ist unverständlich! Plea auf links! Was hat der da zu suchen? Der ist Mittelstürmer und gehört in die Mitte. Stindel ist kein Stürmer! Der muss aus der zweiten Reuhe kommen. Erfolgsmodell war: Hazard oder Johnson, oder auch mal Hermann links, Hermann oder Johnson, oder ... rechts, Plea oder Raffael in die Mitte! Wenn man Tore schießt, kann man auch welche kassieren! Aber schauen wir uns doch mal an, wer die Tore schießt: Die Stürmer sind es nicht! Ok. Die schießen ja auch kaum Tore! Noch schlimmer ist allerdings die Einstellung. Arroganz wird bestraft! Mönchengladach wird verdient bis Ende der Saison die internationalen Plätze verlassen haben! Die haben einfach keine Eier und der Ergeiz fehlt auch!
Klangstof 31.03.2019
4. Alle Eintracht Anhänger...
sagen sich jetzt am Frühstückstisch mal ganz laut vor (und das mindestens 10-mal): "Wenn wir heute gewinnen, haben wir mit der Europa League nix zu tun!" Das ist doch ein Satz, der nachdenklich macht...:)
sibbi78 31.03.2019
5. Konkurrenz belebt das Geschäft!
Schaut man sich die Vereine in der Beletage der Bundesliga an, fällt sofort auf, dass hier Vereine mit Alleinstellungsmerkmal dominieren. Dortmund hat Schalke wohl auf immer verdrängt und ist Alleinherrscher im Ruhrgebiet. Die Konzernvereine Hoffenheim, Leipzig, Wolfsburg und Leverkusen schwimmen lediglich aufgrund der riesigen finanziellen Unterstützung oben mit - einzig Leipzig bringt als Stadt genügend Potential mit, um auch ohne Brause glücklich zu sein. Dann haben wir mit Berlin, Bremen und Frankfurt zwei Stadtstaaten und die größte Stadt Hessens, welche ebenfalls weit und breit konkurrenzlos sind. Am deutlichsten trifft dieses Alleinstellungsmerkmal allerdings auf Bayerns Stolz zu. Der FC Bayern München ist in Bayern absolut konkurrenzlos, v.a. nachdem die Löwen völlig am Boden liegen. Der FC Augsburg sowie der 1. FC Nürnberg sind keine richtigen Kontrahenten mehr, beide befinden sich auf Abstiegsrängen bzw. in deren Nähe. Vier Vereine, die man eigentlich in oberen Spähren der 1. Bundesliga erwarten würde, haben in der Vergangenheit Misswirtschaft und Managementfehler engros vorgelebt - ansonsten müssten sie zwingend in der 1. Liga ganz oben mit schwimmen. Die Rede ist vom VfB Stuttgart, dem Hamburger SV, dem 1. FC Köln und Hannover 96. Stuttgart und Hannover müssen sich wohl in der 2. Liga regenerieren, wobei der direkte Wiederaufstieg nicht sooo sicher ist: Union Berlin, die Kieler Störche, Pauli, Paderborn etc. sind nicht zu unterschätzende Gegner. Der HSV und der Effzeh werden wohl - wenn nicht alles schief läuft - in der nächsten Saison wieder in Liga eins mitmischen. Aber: Die Konkurrenz auch in der 2. Liga ist sehr stark - warten wir mal ab. Warum hat es Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga nicht so leicht? In NRW tummeln sich auf einem Umkreis von 50 km gleich vier Großvereine: Eben Mönchengladbach, Fortuna Düsseldorf, Bayer Leverkusen und der 1. FC Köln. Da jagt man sich schon mal die Talente gegenseitig ab, um sie später dann doch an Bayern München wieder zu verlieren...
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