Fußball-Bundesliga Werder Bremen ist Deutscher Meister

Bundesliga-Tabellenführer Werder Bremen hat am drittletzten Spieltag der Saison 2003/04 den Gewinn der deutschen Fußball-Meisterschaft perfekt gemacht. Bei Verfolger Bayern München sicherten sie sich durch eine Glanzleistung in der ersten Hälfte den Titel. Bayern-Keeper Oliver Kahn war erneut ein schlimmer Fehler unterlaufen.


München - Mit einer Demütigung für den FC Bayern München entthronte Werder Bremen den Titelverteidiger in souveräner Manier mit einem triumphalen 3:1 (3:0)-Erfolg und konnte den vierten Titelgewinn nach 1965, 1988 und 1993 anschließend mit rund 10.000 mitgereisten Werder-Fans ausgerechnet im Stadion des Gegners begießen.

Während die Mannschaft sofort in die Werder-Fankurve eilte, stand Trainer Thomas Schaaf minutenlang alleine im Stadion und ließ den Jubel fast in sich gekehrt auf sich wirken, ehe er sich auch von den Anhängern feiern ließ. "Ich glaube, es ist sensationell, was die Mannschaft geleistet hat", sagte er nur. Top-Torjäger Ailton kniete auf dem Rasen und schluchzte, dann fiel er Manager Klaus Allofs in die Arme. Zu den ersten Gratulanten gehörte Uli Hoeneß. Anschließend verließ der Bayern-Manager kommentarlos das Stadion.

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Werder Bremen: Meisterstück in München

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Ivan Klasnic (19.), Johan Micoud (26.) und Torjäger Ailton (35.) mit seinem 27. Saisontreffer entschieden den Zweikampf um die Meisterschaft zu Gunsten der Mannschaft von Schaaf, der die Bremer als erster Cheftrainer nach Otto Rehhagel zum Titelgewinn führte. Für die Bayern, die nach der ersten Heimniederlage seit dem 12. April 2003 (0:1 gegen Bremen) die Saison ohne Titelgewinn beschließen werden, konnte Roy Makaay (56.) mit seinem 23. Saisontreffer nur noch auf 1:3 verkürzen.

Ausgerechnet Nationaltorhüter Oliver Kahn leitete mit einem schweren Fehler die bittere Niederlage für die Bayern ein. Einen ungenauen Pass von Ailton auf Klasnic, den der aus seinem Tor stürzende Bayern-Kapitän eigentlich nur aufnehmen musste, ließ er aus den Händen gleiten - und Klasnic schoss zur Bremer Führung ein. Dieser Fehler - vor den Augen von DFB-Teamchef Rudi Völler - war noch unverzeihlicher als jener beim 1:1 gegen Real Madrid, der für das Ausscheiden aus der Champions League maßgeblich gewesen war.

Auch im Spiel der letzten Titelchance war der Fauxpas der Anfang vom Ende. "Das ist nicht zu erklären, das passiert ihm normalerweise nicht", kommentierte Völler den Aussetzer des Nationaltorhüters. Der Schock wirkte sich auf die gesamte Mannschaft aus, die bis dahin allerdings auch nur einen einzigen Warnschuss durch Makaay zu Stande gebracht hatte (13.) und in der Folge förmlich auseinander brach. Die coolen Bremer dagegen, die laut Bayern-Manager Uli Hoeneß aus dem ausverkauften Olympiastadion "niedergemacht" und "weggefegt" werden sollten, spielten wie ein Meister auf. Spielmacher Micoud düpierte Kahn nach Zuspiel von Fabian Ernst mit einem Heber. Und Ailton machte noch vor der Halbzeitpause den Albtraum für Kahn komplett, als er den Bayern-Kapitän aus halbrechter Position mit einem Schlenzer aus 20 Metern überwand.

"Du musst in so einem Spiel brennen wie eine Fackel, aber bei uns brennt keiner. Das Ergebnis ist eine Katastrophe", schimpfte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge zur Pause. Nach dem Wechsel bot sich den nicht aufgebenden Bayern urplötzlich noch einmal die Chance zur Aufholjagd: Aber Makaay (48.) und Claudio Pizarro mit dem Kopf (54.) vergaben zwei Großchancen.

Als Makaay dann doch das 1:3 gelungen war, konzentrierten sich die Bremer wieder mehr. Ailton hatte sogar die Möglichkeit zu einem zweiten Treffer (67.). Bayern kämpfte zwar verzweifelt um den Anschlusstreffer, aber die Gäste hatten nur wenig Mühe, den Sieg über die Zeit zu bringen. "Ich gratuliere den Bremern zum Sieg. Sie haben eine exzellente Saison gespielt und den Titel verdient gewonnen", sagte Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld, "sie haben sich nicht verrückt machen lassen und den schönsten Fußball gezeigt. Die Niederlage ist natürlich sehr enttäuschend, ebenso die Tatsache, dass wir keinen Titel geholt haben. Aber das sollte Motivation für die neue Saison sein. Wir werden uns verstärken müssen, um uns im spielerischen Bereich zu verbessern."

Bayern München - Werder Bremen 1:3 (0:3)
0:1 Klasnic (19.)
0:2 Micoud (26.)
0:3 Ailton (34.)
1:3 Makaay (56.)
München: Kahn - Salihamidzic, Jeremies, Linke, Lizarazu - Schweinsteiger (46. Santa Cruz) , Hargreaves, Ballack, Ze Roberto - Pizarro, Makaay
Bremen: Reinke - Stalteri, Krstajic, Ismael (71. Lagerblom), Schulz (56. Skripnik) - Borowski, Baumann, Ernst - Micoud - Klasnic (87. Valdez), Ailton
Schiedsrichter: Steinborn (Sinzig)
Zuschauer: 63.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Ballack (5/2) - Ismael (5/1), Ailton (3), Klasnic (2)

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