Fußball-Bundesliga Werder hält die Bayern auf Distanz

Werder Bremen blieb auch am 28. Spieltag der Fußball-Bundesliga das Glück treu. Dank eines verwandelten Foulelfmeters erreichte der Tabellenführer einen hart erkämpften Sieg bei Eintracht Frankfurt. Bayern München nützte der Erfolg gegen Schalke wenig. Etwas Luft im Abstiegskampf konnte sich Hertha BSC Berlin verschaffen.


Werders Torschütze Valerien Ismael: "Bedeutender Treffer der Karriere"
REUTERS

Werders Torschütze Valerien Ismael: "Bedeutender Treffer der Karriere"

Hamburg - Alles andere als der Titelgewinn für Werder Bremen wäre sechs Spieltage vor Saisonende unlogisch. Wer wie die Bremer am 28. Spieltag bei einem Abstiegskandidaten schlecht spielt und ohne die ausgewechselten Stars Johan Micoud, Ailton oder Ivan Klasnic gewinnt, hat wohl nichts mehr zu befürchten. Das 1:0 bei Eintracht Frankfurt könnte das Meisterwerk Thomas Schaafs gewesen sein, obwohl der Werder-Coach abwiegelt: "Wir wissen, dass wir noch einen weiten Weg haben."

Die Konkurrenz bleibt Bremen allerdings auf den Fersen. Bayern München setzte sich 2:1 gegen Schalke durch und der VfB Stuttgart festigte seinen dritten Tabellenplatz am Sonntagabend mit dem 1:0 (1:0)-Erfolg im baden-württembergischen Derby beim SC Freiburg. Kevin Kuranyis neuntes Saisontor sicherte den Schwaben den Sieg. Im Abstiegsduell mit Hannover 96 verpasste Schlusslicht 1. FC Köln beim 0:1 (0:1) die wohl letzte Chance zur Aufholjagd. Thomas Brdaric traf in der 34. Minute für die Gastgeber.

Titelverteidiger Bayern München baut auf diesen weiten Weg von noch 18 zu vergebenden Punkten (Kahn: "Eine Menge Holz") und will nicht klein beigeben: "Wir werden weiter beißen", kündigte Bayerns Nationaltorhüter Oliver Kahn trotzig eine Fortsetzung des Zweikampfs an. "Aufgeben gibt's nicht", sagte auch Jens Jeremies. Und Trainer Ottmar Hitzfeld meinte: "Der Glaube an die Meisterschaft ist immer noch da." Doch Fakt ist, dass der Sieben-Punkte-Vorsprung Bestand hat und die Bremer laut Hitzfeld zudem das Glück haben, "das man braucht, um Meister zu werden."

Münchner Torfabrik: Roy Makaay erzielte gegen Schalke seine Saisontore 21 und 22
DPA

Münchner Torfabrik: Roy Makaay erzielte gegen Schalke seine Saisontore 21 und 22

Ein diskussionswürdiger Pfiff von Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen) führte zum entscheidenden Bremer 1:0 in Frankfurt. Torschütze Valérien Ismael sprach danach vom "vielleicht bedeutendsten Treffer" seiner Karriere: "Wenn Bremen Meister werden will, dann dieses Jahr." In München wurde hingegen eine Verschwörung der Unparteiischen gewittert: "Ich weiß nicht, der wievielte fragwürdige Elfmeter das für Bremen war. Das nimmt komische Tendenzen an", bemerkte Kahn. Dabei hatte Kahn offensichtlich die auch die fragwürdigen Entscheidungen zugunsten der Bayern (klares Abseitstor durch Pizarro beim 1:1 in Bremen) aus dem Gedächtnis gestrichen, deshalb konterte Schaaf die Münchner Anklage mit kühlen Worten: "Zahlreiche elfmeterwürdige Zweikämpfe in dieser Saison sind nicht zu unseren Gunsten entschieden worden."

Schützenfest in Leverkusen

Leverkusen in Torlaune: Auch Lucio traf zum zwischenzeitlichen 3:0
REUTERS

Leverkusen in Torlaune: Auch Lucio traf zum zwischenzeitlichen 3:0

Schalke fiel hinter die Revier-Rivalen VfL Bochum (4:0 gegen 1860 München) und Borussia Dortmund (2:0 beim Hamburger SV) auf Platz sieben zurück. Bei den "Löwen" aus München herrscht nach der höchsten Niederlage unter Falko Götz ebenso Panik wie beim 1. FC Kaiserslautern, der beim Tabellenvierten Bayer Leverkusen beim 6:0 den höchsten Heimsieg der Bundesliga-Historie sorgte. Tim Wiese, Torhüter der Pfälzer, sprach anschließend von einer "absoluten Blamage". Gerets-Nachfolger Kurt Jara stellte fest: "Wir haben wie ein Absteiger gespielt."

Dagegen gelang Borussia Mönchengladbach mit dem 2:1 durch Joris van Houts Siegtreffer bei Hansa Rostock der erste Auswärtserfolg dieses Jahres, nach dem Trainer Holger Fach die Gefahr gebannt siegt: "Ich bin hundertprozentig sicher, dass wir erstklassig bleiben."

In Bochum gingen die 1860-Fans fast auf die Barrikaden, ein Ultimatum für Götz gibt es indes nicht. Münchens neuer Vereinschef Karl Auer hält davon nichts: "Zu sagen, er hat noch eines oder zwei Spiele, bringt uns doch gar nichts."

Missglücktes Debüt von Gerets

Einen missglückten Einstand feierte unterdessen Erik Gerets auf der Trainerbank des VfL Wolfsburg. Der Nachfolger von Jürgen Röber unterlag mit seinem neuen Team bei Hertha BSC Berlin 0:1 (0:1) und muss somit weiter um den Klassenerhalt zittern. Die ebenfalls abstiegsgefährdeten Berliner konnten ihrerseits nach Punkten (28) zu Kaiserslautern aufschließen und schöpfen nach ihrem vierten Rückrundensieg wieder Hoffnung. Den Siegtreffer für die Hertha, die vom 17. auf den 16. Platz kletterte, markierte Nando Rafael (22.).

Luftduell in Berlin: Herthas Malik Fathi (l) und der Wolfsburger Marko Topic
DPA

Luftduell in Berlin: Herthas Malik Fathi (l) und der Wolfsburger Marko Topic

Insgesamt 254.304 Zuschauer, im Schnitt 36.329, sahen in den sieben Spielen am Samstag 20 Tore. In der Torschützenliste führt nach wie vor der Bremer Ailton mit 25 Treffern vor Bayern-Goalgetter Roy Makaay (22). Die Roten Karten Nummer 34 und 35 der Saison sahen Davala und Amanatidis. Gelb-Rote Karten wurden am 28. Spieltag nicht verteilt.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.