Fußball-Bundesliga Willkommen im Abstiegskampf

In der Bundesliga sind gerade einmal vier Spieltage absolviert, und schon stehen im Tabellenkeller wieder die üblichen Verdächtigen. In diesem Jahr wird die Rettung vorm Abstieg besonders schwer: Noch nie war die Konkurrenz so stark.
Von Christoph Biermann

Als Michael Frontzeck am Sonntagabend den Presseraum im Bochumer Stadion betrat, wurde gerade über ihn geredet. Der Trainer von Arminia Bielefeld hörte im Vorbeigehen, wie sein ehemaliger Mannschaftskamerad Stefan Effenberg als Experte bei "Premiere" darüber sprach, dass Frontzeck "die Mannschaft noch erreichen" würde. Der nahm grinsend Platz und fragte betont erstaunt: "Stehe ich schon zur Diskussion?"

Nein, keine Sorge. Über seine Weiterbeschäftigung muss sich Frontzeck in Bielefeld derzeit keine Gedanken machen, obwohl die Arminia nach vier Spielen nur zwei Punkte hat und auf dem vorletzten Platz der Bundesliga-Tabelle steht.

Demonstrativ kam die gesamte Vereinsführung der Arminia nach der Pressekonferenz zu ihrem Trainer und schüttelte ihm die Hand. Es gibt schließlich niemanden in Bielefeld, den es überrascht, dass es auch in diesem Jahr um nichts anderes als den Klassenerhalt geht. "Wir haben in den letzten vier Jahren als Absteiger Nummer eins gegolten, da stört es uns auch nicht, es in diesem Jahr wieder zu sein", sagte Geschäftsführer Roland Kentsch. Allerdings gibt es im Vergleich zum Vorjahr für Bielefeld und den zweiten Abstiegsfavoriten Nummer eins aus Cottbus einen dramatischen Unterschied: Es gibt kaum noch andere Abstiegskandidaten.

Noch nie hat es in der Bundesliga gleichzeitig drei so finanzstarke Aufsteiger gegeben wie in diesem Jahr. Und damit scheint die Regel, dass Aufsteiger automatisch auch Abstiegskandidaten sind, diesmal nicht zu gelten. 1899 Hoffenheim scheint sich von Beginn an aus den Strudeln am Tabellenende heraushalten zu können.

Auch Bielefelds nächster Gegner 1.FC Köln wurde nach dem Aufstieg so dramatisch verstärkt, dass sie nicht wie ein Abstiegskandidat erscheinen. "Allein so ein Transfer wie Petit ist für uns Lichtjahre entfernt", sagte Frontzeck. Der portugiesische Nationalspieler machte trotz der Kölner 0:3-Niederlage gegen den FC Bayern den Eindruck, als könnte er auch problemlos im Kader der Münchner stehen. Er verdient auch nicht viel weniger als die Bayern-Stars. Borussia Mönchengladbach hat ebenfalls in Dimensionen investiert, die für die anderen Kellerkinder jenseits aller Erreichbarkeit sind. So verpflichteten die Gladbacher kurz vor Transferschluss für rund 3,5 Millionen Euro den amerikanischen Offensivspieler Michael Bradley vom holländischen SC Heerenveen. Für den hatte sich auch der VfL Bochum interessiert, aber darauf spekulieren müssen, Bradley vielleicht im Winter verpflichten zu können, wenn er nur noch ein halbes Jahr lang ablösepflichtig und nicht mehr so teuer gewesen wäre. Aufsteiger Gladbach brauchte solche Sparfuchsereien nicht und griff zu.

Allerdings scheinen die Borussen trotzdem der Neuling zu sein, der sich am schwersten tut. Die elf Gegentore in vier Spielen zeigen, dass die Defensive der Gladbacher in der neuen Spielklasse noch nicht angekommen ist, und das muss man erst einmal reparieren. Den Ex-Gladbacher Frontzeck indes und seine Kollegen aus Cottbus, Bochum oder Karlsruhe dürfte indes die Aussicht trösten, dass eines der höher gehandelten Teams sich um den Klassenerhalt sorgen muss. Denn genau auf solche warten die Finanzschwachen von ganz unten.

Am besten ist es, wenn diese Mannschaften es lange Zeit gar nicht merken wie im Vorjahr der 1.FC Nürnberg, dessen Abstiegskampf erst anfing, als alles schon fast vorbei war. Denn zumindest einen Vorteil haben die ewigen Bewohner des Tabellenkellers: Sie wissen, wie Abstiegskampf geht. Und sie wissen auch, dass er am ersten Spieltag beginnt - oder spätestens am vierten.

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