Fußballbundestrainerin Voss-Tecklenburg Gleiche Prämien für Frauen und Männer

60.000 Euro hätten die deutschen Nationalspielerinnen für den EM-Titel vom DFB erhalten, die Männer dagegen 400.000 Euro. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg plädiert für eine Anpassung als »klares Signal«.
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (r.) bei ihrem Auftritt im »aktuellen Sportstudio«

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (r.) bei ihrem Auftritt im »aktuellen Sportstudio«

Foto: IMAGO/Martin Hoffmann

Fußballbundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg plädiert für gleiche Titelprämien für Frauen- und Männer-Nationalmannschaften.»Es spricht prinzipiell nichts dagegen. Ich würde mir wünschen, dass es vielleicht auch der Gedanke im DFB ist, für die drei Topteams für den Titel das Gleiche auszuschütten«, sagte die 54-Jährige am Samstagabend in der ZDF-Sendung »Das aktuelle Sportstudio« auf die Frage, was gegen eine gleiche Bezahlung spreche. Dies wäre »ein klares Signal«.

Mit den drei Topteams des DFB sind die A-Nationalmannschaften der Frauen und Männer sowie die U21-Auswahl der Männer gemeint.

Allerdings sagte Voss-Tecklenburg, sie verlange keineswegs, die Prämien der Frauen auf das Niveau der Männer anzuheben, sondern »bei den Männern ein bisschen weniger, bei den Frauen ein bisschen mehr. Ich finde das immer noch überdimensioniert.« (Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema .)

17,9 Millionen Menschen sehen das EM-Finale in der ARD

Ihre Mannschaft verlor am vergangenen Sonntag das EM-Finale in London gegen Gastgeber England mit 1:2 nach Verlängerung . Durchschnittlich 17,9 Millionen Menschen verfolgten das Spiel in der ARD. Für den Titel hätten die Frauen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) pro Spielerin 60.000 Euro vom Verband erhalten, die DFB-Männer hatten für die EM 2021 (Aus im Achtelfinale) eine Titelprämie von 400.000 Euro ausgehandelt.

Bisher hatte sich Voss-Tecklenburg zumeist beim Thema gleiche Bezahlung zurückhaltend gezeigt. Auch im ZDF formulierte sie zunächst drei andere Wünsche, was sich im Fußball der Frauen ändern müsse:

  1. Grundgehälter in der Frauen-Bundesliga, damit die Spielerinnen »nicht mehr nebenher arbeiten gehen müssen«. Derzeit liege die Quote bei etwa 50 Prozent, so Voss-Tecklenburg.

  2. »Talentgerechtigkeit« zwischen den Geschlechtern, also den gleichberechtigten Zugang für Mädchen und Jungen zu den Nachwuchsleistungszentren

  3. Anstoßzeiten zur Primetime

Erst auf die Frage von Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein kam Voss-Tecklenburg auf Prämiengleichheit zu sprechen (hier im Video ab der fünften Minute ).

Am Rande des EM-Endspiels hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ein baldiges Treffen mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff angekündigt, in dem es auch um das Thema Equal Pay gehen soll. Das Treffen ist für Dienstag in Frankfurt am Main angesetzt.

Bundeskanzler Scholz will sich mit DFB-Team treffen

Scholz kündigte auch an, sich mit den Vizeeuropameisterinnen zu treffen. Ein Termin stehe noch nicht fest, sagte die Bundestrainerin am Samstag. Sie habe aber »tatsächlich das Gefühl, dass es nicht nur Lippenbekenntnis und Symbolpolitik ist«, so Voss-Tecklenburg, die von einem Auftrag für den »gesamten Sport« sprach. Die Politik müsse sich »stärker einbinden lassen«.

Es sei toll, dass es das erste Treffen gebe. »Dann müssen wir aber auch etwas daraus machen. Nicht nur reden, sondern auch Taten folgen lassen«, so Voss-Tecklenburg.

mey/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.