Bayern im Finale der Club-WM Schaum vor dem Tor

Ein Sieg - und schon im Finale: Mit Guangzhou Evergrande aus China hatte der FC Bayern bei der Club-WM wenig Mühe. Insgesamt ist der sportliche Wert des Turniers fragwürdig, die Fifa nutzt es zum Erproben von technischem Schnickschnack.

Aus Agadir berichtet


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Es war der große Moment von Bakary Gassama: Der Schiedsrichter aus Gambia rannte mit durchgedrücktem Rücken in Richtung des Tatorts. Dorthin, wo ein Spieler des chinesischen Teams von Guangzhou Evergrande soeben einen der Bayern gefoult hatte. Der Referee zählte die knapp neun Meter Abstand vom Tatort zur Abwehrmauer ab und dann: Ein Griff an die Hüfte, Gassama zückte eine kleine Sprühdose und drückte ab - mit Schaum markierte er die Stelle, an der die Freistoßmauer zu stehen habe.

Die Fifa hat an diesem Hilfsmittel schon länger herumgetüftelt, testete es bereits bei der Copa America und nun bei der Club-WM in Marokko. Ob solcherlei Spielereien allerdings den Fußball voranbringen, darf bezweifelt werden. So ging es zumindest den Münchnern.

Manuel Neuer, der Torwart des FC Bayern München, sagte: "Wir wollten schnell spielen. Und stattdessen malt der Schiedsrichter da auf dem Boden herum." Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer nannte diese neue Regel sogar "Zeitverschwendung". Der Grantler vom Dienst hat ausgemacht, dass der beschriebene Freistoß deshalb erst "mehr als drei Minuten später" angepfiffen werden konnte.

Die Bayern ohne Mühe, Evergrande überfordert

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Bayern-Sieg gegen Guangzhou: Ein Halbfinale wie ein Trainingsspiel
Das Farbexperiment des Weltverbandes, das bald Einzug in den Profifußball zu finden scheint, blieb immerhin im Gedächtnis der Zuschauer hängen. Anders als das Spiel an diesem Abend in der marokkanischen Küstenstadt Agadir. Der FC Bayern München, der im Halbfinale auf Guangzhou Evergrande traf, spazierte ohne große Anstrengung ins Finale der Club-Weltmeisterschaft. 3:0 besiegte der deutsche Rekordmeister das Team aus China.

Evergrande, das vom Italiener Marcelo Lippi trainiert wird, zeigte lediglich in den ersten 20 Minuten, dass es eine klare Spielphilosophie besitzt. Lippis Handschrift war in dieser Phase klar erkennbar, es deutete sich eine Art chinesischer Catenaccio an. Evergrande schaltete sehr schnell auf Defensive um und schaffte es immer wieder, mit mindestens neun Spielern hinter den Ball zu kommen.

Für Bayern München wurden die Räume eng. "Wir wussten aber, dass wir hinten sicher stehen müssen und dann irgendwann unsere Tore machen werden", sagte Mittelfeldspieler Toni Kroos. Als Franck Ribéry in der 40. Minute abzog und der Evergrande-Keeper im Stile einer Bahnschranke reagierte, war der Bann tatsächlich gebrochen. Kurz darauf köpfte Mario Mandzukic das 2:0 (44.), Mario Götze markierte mit einem Fernschuss das Endergebnis (48.). "Der Gegner war nicht auf europäischem Topniveau", sagte Thomas Müller.

"Das ist kein Untergang für die Chinesen"

Bayern hatte satte 30:2 Torschüsse, mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Es gab keinen einzigen wirklich gefährlichen Angriff der Chinesen. Zudem trafen die Münchner insgesamt fünf Mal Aluminium. "Das 3:0 ist jetzt kein Untergang für die Chinesen", sagte Müller und wirkte dabei, als hätten die Gäste aus München absichtlich Rücksicht auf den Stolz des Gegners genommen. Sportlich waren es zwei unterschiedliche Welten.

Womöglich stand ein Kräftemessen auf Augenhöhe aber auch nicht im Vordergrund dieses Turniers. Für die Fifa ist die Club-WM vielmehr eine weitere Möglichkeit, um die enorme Reichweite des Fußballs noch zu erweitern. Mit einem solchen Spiel lässt sich Einfluss auf den großen, chinesischen Markt ausüben. Etliche asiatische TV-Stationen übertrugen das Spiel, seit Tagen belagern chinesische Reporter jeden Winkel der Pressebereiche Agadirs.

Doch dass Absatzmärkte auch im Fußball Grenzen haben, zeigte ein Blick auf die Ränge im Stadion von Agadir. Die knapp 45.000 Personen fassende Arena war laut offizieller Bekanntgabe lediglich mit 27.000 Besuchern gefüllt. Die Zahl dürfte recht hochgegriffen sein, riesige Abschnitte der beiden Haupttribünen blieben menschenleer. Die Eintrittspreise lagen bei 40 Euro für die Kurven- und 80 Euro für die Haupttribünenplätze. Beim Finale erhöht die Fifa nochmal um zehn Euro.

Guangzhou Evergrande - FC Bayern 0:3 (0:2)
0:1 Ribéry (40.)
0:2 Mandzukic (44.)
0:3 Götze (47.)
Guangzhou: Zeng Cheng - Zhang Linpeng, Xiaoting Feng, Young-Gwon Kim, Xiang Sun - Zhi Zheng - Zhao Guri (76. Junyan Feng), Huang Bowen (46. Hao Rong) - Elkeson, Conca, Muriqui (75. Lin Gao)
München: Neuer - Rafinha, van Buyten, Boateng, Alaba - Lahm - Götze, Thiago, Kroos (59. Martinez), Ribéry (73. Shaqiri) - Mandzukic (75. Pizarro)
Schiedsrichter: Gamassa (Gambia)
Zuschauer: 27.311
Gelbe Karte: Zhao

insgesamt 66 Beiträge
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derheiko 18.12.2013
1. noch zu ungenau
Eine Markierung für den Freistoß ist gut, reicht aber leider nicht aus. Zu ungenau ist auch noch die Schrittlänge, daher sollte in Zukunft mit Maßband abgemessen werden. Außerdem ist der gesprühte Strich noch zu breit, man sollte definieren ob die Mauer am vorderen oder hinteren Ende des Striches zu stehen hat. Auch das Zurechtlegen des Balles durch den Schützen birgt noch Fehler, er kann sich den Ball dadurch locker 30 cm unbemerkt nach vorne legen. Mal im Ernst, es ist doch echt Unsinn eine extreme Genauigkeit mit dem Strich festzulegen wenn eh jedes Mal eine extreme Ungenauigkeit durch die Schrittlänge des Schiris vorhanden ist.
kopi4 18.12.2013
2. Sammer halt!
Die Aktion mit der Sprühdose verzögerte die Ausführung? Um 3 Minuten?Um die ehemalige Lieblinsgfloskel des Bayern-Frühstückdirektors Sammer zu zitieren:das ist "ein Stück weit" Blödsinn. Ohne als Sprayer aktiv zu werden schreitet der Schiri in solchen Fällen die neun Meter ab und bliebt da stehen bis sich die Spieler zur Mauerbildung dort einfinden.Den Punkt mit einem Strich aus der Dose zu markieren verzögert das ganze Procedere um keine Sekunde!Unnötig ist die Idee nur weil sich die mauerbildende Mannschaft weder in dem einen noch in dem anderen Fall an die neun Meter halten wird.
SirWolfALot 18.12.2013
3.
1. schön gesagt mit den knapp neun Meter, das waren gut und gerne zwölf! 2. soweit ich mich täusche, hies es in der ARD, dass die Preise für FIFA Verhältnisse recht preiswert waren und eine Karte hinter dem Tor 15? gekostet hat. Ich fand den Einsatz der Torlinientechnik nicht schlecht! Das kann man gerne einführen.
Ausfriedenau 18.12.2013
4. So wird Fußball immer langweiliger
Es gibt nur eine Erklärung für das minutenlange Gefummel mit der Sprühdose: Es geht um Geld, den demnächst wird offensichtlich in diesen absichtlich erzeugten Pausen Werbung eingespielt werden. warten wir ab!!
noxpert 18.12.2013
5. Ich finds gut!
Endlich keine Diskussionen mehr über den Abstand der Mauer etc. WEnn der Schiri damit umzugehen weiß, geht das ratzfatz und verzöget kein STück. Kleines Ding, wenig Aufwand - ob der Fußball das braucht mag dahingestellt sein, aber schaden tuts nicht. Es ist schon putzig, wie die FCB-Granden und der Kommentator insbesondere sich darüber lustig gemacht haben. Ziemlich arrogant fand ich. Wir werden uns erinnern, wenn der SChiri mal wieder 15mal in die MAuer muss, der Schütze sich ständig beschwert etc.
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