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Nürnbergs neuer Coach Verbeek Harter Hund

Die sanfte Tour in Nürnberg ist vorbei: Gertjan Verbeek ist der Disziplinfanatiker, den der Club für das Traineramt gesucht hat. In Alkmaar hat er drei Jahre attraktiven Fußball spielen lassen - aber am Ende Probleme mit dem Team gehabt.

Der eine hat abgesagt, der andere zu lange gezögert, nun kommt ein Trainer zum 1. FC Nürnberg, dessen Name zunächst gar nicht auftauchte: Gertjan Verbeek. Es sei "von der ersten Minute an" zu spüren gewesen, dass "er heiß auf diese Aufgabe ist und richtig Herz und Feuer mitbringt", versicherte FCN-Manager Martin Bader dem Bayerischen Rundfunk.

Fachlich scheint Verbeek gute Referenzen zu haben. Über drei Jahre blieb er in Alkmaar, einem Verein, den man strukturell durchaus mit dem Club vergleichen kann: Beide haben kein Geld für teure Transfers und sind darauf angewiesen, dass aus dem eigenen Nachwuchs oder durch Leihgeschäfte erstligataugliche Profis herangebildet werden.

In Nürnberg klappte das in den vergangenen Jahren meist ordentlich, dennoch hinkt der Vergleich mit den Niederländern, die dieses Profil seit Jahrzehnten mit Leben füllen. AZ Alkmaar ist ein Verein, der in Deutschland nicht die Strahlkraft von Feyenoord Rotterdam oder Ajax Amsterdam haben mag, der bei jüngeren deutschen Trainern aber höchste Achtung genießt: das Nachwuchsinternat von Alkmaar gilt als hervorragend, Dutzende deutsche Trainer haben dort in den vergangenen Jahren hospitiert - auch bei Verbeek.

Sicher keine Notlösung

Der 51-Jährige ist bekannt als Disziplinfanatiker und mithin als der harte Hund, den im Nürnberger Umfeld nach der Trennung von Michael Wiesinger viele herbeisehnen. In den Niederlanden ist allerdings zu hören, dass der Mann mit der Rod-Stewart-Frisur zuweilen autoritär und herrisch miteinander verwechselt. In Alkmaar soll es am Ende Verstimmungen zwischen ihm und Teilen der Mannschaft gegeben haben.

Dennoch wäre es verkehrt, ihn als Notlösung zu sehen, denn Verbeeks Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. Unter ihm qualifizierte sich AZ dreimal in Folge für die Europa League. 2013 gewann der Club das niederländische Pokalfinale. Aber ob er Nürnberger Trainer geworden wäre, wenn die Verhandlungen vorher anders gelaufen wären?

Top-Kandidat Christian Gross sagte ab, auch mit Marcel Koller hatte man wenig Glück. Der Schweizer, der in Bochum und Köln so gute Arbeit geleistet hat, dass das zumindest rückblickend auch dort so gesehen wird, hielt Club-Manager Bader aber offenbar zu lange hin.

Verfechter einer offensiven Spielweise

Dass Kollers Name ebenfalls durchgesickert war, war dem Werben der Nürnberger auch nicht eben dienlich. Der österreichische Verband, bei dem Koller als Nationaltrainer arbeitet, hatte so genügend Zeit, sein Vertragsangebot finanziell aufzustocken. Das Zögern Kollers könnte allerdings auch andere Gründe haben: Schweizer Medien sehen in ihm den Top-Favoriten auf die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld als Coach der Schweizer Nationalmannschaft.

Den Ausschlag für Verbeek gab dann offenbar nicht zuletzt die Tatsache, dass der Niederländer von Vornherein keinen Zweifel daran gelassen hatte, dass er unbedingt in Nürnberg anfangen will. "Er ist in der Lage, uns kurzfristig zu helfen", sagt Bader. Schon am Freitag wird Verbeek erstmals auf der Bank sitzen, wenn der Club beim VfB Stuttgart antritt (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Verbeek soll auch beim 1:1 in Frankfurt vor Ort gewesen sein. Was er dort gesehen hat, dürfte ihm nur bedingt gefallen haben. Im ersten Pflichtspiel nach der 0:5-Packung gegen den HSV gelang es Interimscoach Roger Prinzen immerhin, das Team mit einer strengen Defensivtaktik halbwegs zu stabilisieren, ehe man im zweiten Durchgang ein paar gelungene Spielzüge zustande brachte.

Dennoch herrschte nach dem Schlusspfiff Einigkeit, dass Kapitän Raphael Schäfer ("Unser Plan war schon, Fußball zu spielen, aber das war teilweise nicht erkennbar") recht hat: In der Vorwärtsbewegung klappt nicht viel, spielerisch zählt der Club fraglos zu den schwächsten Teams der Liga.

Auch hier wird Verbeek den Hebel ansetzen: Der Mann gilt als Verfechter einer offensiven Spielweise.

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