Als Frau im Männer-Fußballteam Eine kleine Revolution aus Friesland

Ellen Fokkema hat als Jugendliche immer mit Jungs Fußball gespielt und darf dies nun auch als Erwachsene tun. Die 19-jährige Niederländerin gehört als erste Frau zu einem Männerteam - nach längerem Kampf.
Ellen Fokkema inmitten der Jungs aus Menaam

Ellen Fokkema inmitten der Jungs aus Menaam

Foto:

Henk Jan Dijks/ Orange Pictures

Friesland ist eine sehr eigene Region in den Niederlanden. Abgeschieden, weit weg von den Metropolen Amsterdam und Rotterdam, sofern in den Niederlanden überhaupt etwas weit weg ist. Ein Leben mit dem Meer, die Menschen sprechen hier ein hartes Friesisch, das mit dem gewöhnlichen Niederländisch nur am Rand zu tun hat. Kleine Dörfer sind hier die Regel, Menaam zum Beispiel, das ist der friesische Name des Dorfes, auf Niederländisch Menaldum, 2000 Einwohner, plattes Land, als sehenswert gelten hier nur die beiden Windmühlen De Kievit und De Rentmeester.

Seit Dienstag jedoch ist Menaam, so könnte man sagen, geradezu in der ganzen Welt bekannt geworden. Die BBC hat berichtet, der US-Sender ESPN, The Canadian, RTL, die großen niederländischen Zeitungen "Telegraaf" und "NRC" ohnehin. Der Grund dafür ist, dass Ellen Fokkema, 19 Jahre jung, Fußball spielen will. Und sie dies in der neuen Saison im Männerteam tun wird. Es ist eine kleine Fußball-Revolution, die da von der siebten niederländischen Amateurliga ausgeht.

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Fokkema spielt beim friesischen Dorfverein Foarut Menaam, seit sie fünf Jahre alt ist. Immer hat sie gemeinsam mit den Jungs im Verein gekickt, daheim hat sie ein Foto des Teams stehen von vor 13 Jahren. Damals, als sie anfing, war sie schon mitten unter den Jungs, mit ein paar von ihnen hat sie die gesamten 13 Jahre in einer Mannschaft gestanden.

Antrag im dritten Durchgang genehmigt

Nun allerdings ist sie 19 und die Regeln sehen vor, dass sie ab jetzt nicht mehr im höchsten Männerteam spielen darf. Ab 19 gilt die Geschlechtertrennung im Fußball. Da jedoch das Frauenteam von Menaam nur auf bescheidenstem Niveau spielt, sah Fokkema nicht ein, ihre sportlichen Ambitionen herunterzuschrauben. "Ich habe immer mit Jungs gespielt, warum soll ich jetzt nicht mittun können?", habe sie sich gefragt. Und hat gehandelt. Sie und der Verein stellten einen Antrag beim niederländischen Fußballverband KNVB, weiter im ersten Männerteam mitspielen zu können, der Verband genehmigte dies - und widmete es gleich zum "Pilotprojekt Genderneutralität" um.

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Fokkema darf zunächst auf ein Jahr befristet bei den Männern mitspielen. Wenn sich das Modell bewährt, prüfe man, so der KNVB, "die Regeln entsprechend anzupassen". Der KNVB setze sich "für Diversität und Gleichberechtigung ein. Dieser Fall ist eine schöne sportliche Herausforderung, die wir nicht blockieren wollen", sagt Art Langeler, beim KNVB für die Fußball-Entwicklung zuständig.

Der Verband springt dabei über seinen eigenen Schatten, schließlich war es bereits der dritte Antrag dieser Art von Fokkema und Foarut Menaam. Bei den ersten beiden Versuchen lehnte der KNVB mit Hinweis auf das bestehende Reglement noch ab, beim dritten Mal hat er umgedacht. "Drie keer is Scheepsrecht", sagen sie in den Niederlanden, dem Land der Sprichwörter, das könnte man als "Aller guten Dinge sind drei" übersetzen.

Sie kenne bereits die Hälfte des Teams, mit den meisten hat sie schon zusammengespielt, sagt Fokkema. Daher glaube sie nicht, dass sie größere Probleme bekommen werde, ihre Rolle im Team zu finden. Foarut-Vereinsvorstand Auke Grijpma hält es ohnehin für merkwürdig, dass man 2020 noch darüber diskutieren müsse, ob Männer und Frauen gemeinsam spielen können. "Wir sind für Gleichberechtigung", sagt er: "Außerdem kann sie einfach gut Fußball spielen."

Der SC Heerenveen hat angeklopft

So gut, dass sie dem U14- und U15-Kader des Frauen-Nationalteams angehörte und so gut, dass der renommierte SC Heerenveen sie bereits zwei Mal lockte, für das SC-Frauenteam zu spielen. Heerenveen ist ein großer Name im niederländischen Fußball, Ruud van Nistelrooy und Klaas Jan Huntelaar starteten hier ihre großen Karrieren, auch das Frauenteam ist seit Jahren in der höchsten Spielklasse vertreten. Aber Fokkema sagte ab: Beim ersten Mal war ihr die Entfernung nach Heerenveen noch zu groß, beim zweiten Mal steckte sie in der Heimat mitten in der Ausbildung zur Krankenschwester. Das hatte Vorrang.

Nun spielt sie einige Klassen tiefer, aber eben bei und mit den Männern, und mehr Bekanntheit als jetzt beim Amateur-Siebtligisten Foarut Menaam hätte sie auch beim SC Heerenveen nicht bekommen können. Der Rummel sei ihr aber zu viel geworden, Medienanfragen blockt sie mittlerweile weitgehend ab. "Ich will vor allem Fußball spielen und dabei Spaß haben", sagt sie.

Bei allem Spaß wird es ab dem 29. August ernst: Dann bestreiten Ellen Fokkema und die Männer von Foarut Menaam ihr erstes Pflichtspiel der Saison im Pokal gegen VV Beetgum, friesisch Bitgum. Fokkema kennt den gegnerischen Verein gut. Bei Beetgum/Bitgum spielen ihre Schwestern Jenny und Marianne. Aber im Frauenteam.