EM-Fakten über Island Der Vaterersatz

Ein legendärer Wutausbruch, eine einmalige Vater-Sohn-Geschichte und der bislang erfolgreichste Fußballzwerg: Das sollten Sie über den EM-Neuling Island wissen.

Eidur Gudjohnsen
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Eidur Gudjohnsen


1.) Island haben wir einen legendären TV-Moment zu verdanken: den Wut-Weißbierausbruch von Rudi Völler, damals Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, nach einem 0:0 in einem EM-Qualifikationsspiel am 6. September 2003 in Reykjavik. "Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören", polterte Völler gegen die ARD-Moderatoren Gerhard Delling und Günter Netzer. Zu Interviewer Waldemar Hartmann sagte er unter anderem: "Du sitzt hier locker auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken." (Lesen Sie hier Völlers Aussagen im Wortlaut.)

2.) Island hat knapp 330.000 Einwohner, ungefähr so viele wie Bielefeld - und ungefähr 21-mal weniger als der Deutsche Fußball-Bund Mitglieder hat. Nie zuvor qualifizierte sich ein Land mit weniger Einwohnern für eine EM. Den bisherigen Rekord hielt Slowenien, mit zwei Millionen Einwohnern.

3.) Island hatte sich als eines der ersten Länder für die EM in Frankreich qualifiziert - und das in der schweren Gruppe A mit Gegnern wie den Niederlanden, der Türkei und Tschechien. Gegen Arjen Robben und Co. gewannen die Isländer sogar beide Spiele.

4.) Warum die Isländer inzwischen so erfolgreich sind? Für Heimir Hallgrímsson, der sich den Posten des Chefcoaches mit dem Schweden Lars Lagerbäck teilt, ist die verbesserte Trainerausbildung ein entscheidender Punkt: 2003 gab es nicht einen isländischen Trainer, der eine Uefa-A- oder -B-Lizenz hatte. 2014 waren es etwa 770. (Lesen Sie hier eine SPIEGEL-Geschichte über den Aufschwung im isländischen Fußball.)

5.) Rekordtorschütze der isländischen Nationalmannschaft ist Eidur Gudjohnsen mit 26 Treffern. Der Stürmer spielte unter anderem für den FC Chelsea und den FC Barcelona. Am 24. April 1996 ging er in die Fußballgeschichte ein - weil er als 17-Jähriger bei seinem Länderspiel-Debüt gegen Estland für seinen Vater Arnór eingewechselt wurde. Es war das einzige Mal, dass ein Sohn für seinen Vater in einem Länderspiel eingewechselt wurde.

6.) Auch in der Bundesliga haben isländische Fußballer Spuren hinterlassen: Atli Edvaldsson (Borussia Dortmund, Fortuna Düsseldorf, Bayer Uerdingen), Ásgeir Sigurvinsson (FC Bayern, VfB Stuttgart) und Eyjólfur "Jolly" Sverrisson (VfB Stuttgart, Hertha BSC) absolvierten jeweils mehr als 200 Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse.

7.) Atli Edvaldsson gelang am 6. Juni 1983 im Trikot von Fortuna Düsseldorf Außergewöhnliches. Im Spiel gegen Eintracht Frankfurt erzielte der Mittelstürmer als erster Isländer einen Hattrick in der Bundesliga. Da Edvaldsson in der Partie (5:1) noch zweimal traf, war er auch der erste Ausländer in der Bundesliga-Historie, der fünf Tore in einem Spiel schoss. Als zweiter Ausländer schaffte das Bayern-Angreifer Robert Lewandowski beim 5:1 gegen den VfL Wolfsburg in der abgelaufenen Saison.

8.) Mit 18 Meistertiteln ist Fram Reykjavik einer der erfolgreichsten Klubs Islands. Die letzte Meisterschaft liegt allerdings schon 26 Jahre zurück. Und den sportlichen Wert der ersten beiden Titel aus den Jahren 1913 und 1914 sollte man nicht überbewerten: Fram war die einzige teilnehmende Mannschaft und wurde somit kampflos zum Champion.

Gesammelt von Jens Witte

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