Fußball-EM ARD ermahnt Schweinsteiger nach Tweet mit Werbebotschaft

Bei der EM gibt Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger den ARD-Experten. Weil er in einer Halbzeitpause ohne Wissen des Senders einen Werbetweet absetzte, gab es Kritik. Der 36-Jährige darf aber weitermachen.
Experte Bastian Schweinsteiger, ARD-Moderatorin Jessy Wellmer während des EM-Spiels Ukraine gegen England

Experte Bastian Schweinsteiger, ARD-Moderatorin Jessy Wellmer während des EM-Spiels Ukraine gegen England

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Lars Baron / AP

Fußballexperte Bastian Schweinsteiger hat mit einem Werbetweet in der Halbzeit eines EM-Spiels für interne Diskussionen bei der ARD gesorgt. Schweinsteiger hatte am Samstag einen Tweet abgesetzt, in dem er für eine Herrenuhr warb. Die Uhr war auch während der Fernsehübertragung zu sehen. Am Montagnachmittag war der Tweet nicht mehr abrufbar.

Nach einer Ermahnung darf der ehemalige Nationalspieler weiter als Experte für die ARD arbeiten. Das bestätigte der öffentlich-rechtliche Sender nach stundenlangen Diskussionen im Haus.

»Wir sind im Kontakt mit Bastian Schweinsteiger und seinem Management und haben um eine Stellungnahme zu dem Vorfall vom vergangenen Samstag gebeten«, sagte eine Sprecherin des WDR. »Dabei haben wir sehr deutlich gemacht, dass die ARD gemäß ihrer Richtlinien keine Form von Schleichwerbung und nicht kenntlich gemachter Produktplatzierung ihrer Protagonisten duldet.«

In dem Beitrag waren zwei Bildern zu sehen, eines davon war ein Ausschnitt, auf dem die Uhr an seinem Handgelenk im Mittelpunkt stand. Zudem war der Twitteraccount des Herstellers angegeben, für den der frühere Nationalmannschaftskapitän seit 2019 als Markenbotschafter tätig ist.

Zuvor hatte die ARD erklärt, dass die Übertragungen von der EM wie alle Programme den ARD-Werberichtlinien unterliegen, »die jede Form von Schleichwerbung und nicht kenntlich gemachter Produktplatzierung ausschließen«. Dass Schweinsteiger beim Spiel Ukraine gegen England eine Uhr trug »und in der Halbzeitpause ohne unsere Kenntnis bei Social Media einen Post im Rahmen einer bezahlten Werbepartnerschaft veröffentlichte, werden wir prüfen und bewerten«.

Tweet dürfte laut Werberichtlinien in Ordnung sein

Unklar bleibt, inwiefern der Tweet gegen die Werberichtlinien der ARD verstößt. In einem Dokument zu den Werberichtlinien auf der Internetseite des Senders  heißt es: »Werbung ist jede Äußerung (...), die im Rundfunk von (...) einer natürlichen Person entweder gegen Entgelt oder eine ähnliche Gegenleistung oder als Eigenwerbung gesendet wird (...).« Demnach gilt die Richtlinie nur für im Rundfunk gesendete Inhalte, dazu dürfte Schweinsteigers privater Twitteraccount nicht gehören.

Bereits früher im Turnier, wie hier beim deutschen Spiel gegen Portugal, trug Schweinsteiger die Uhr

Bereits früher im Turnier, wie hier beim deutschen Spiel gegen Portugal, trug Schweinsteiger die Uhr

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Maik Hölter/TEAM2sportphoto / imago images/Team 2

Weiter heißt es in der Werberichtlinie des Senders: »Schleichwerbung ist die Erwähnung oder Darstellung von Waren, Dienstleistungen, Namen, Marken (...) in Sendungen, wenn sie vom Veranstalter absichtlich zu Werbezwecken vorgesehen ist und mangels Kennzeichnung die Allgemeinheit (...) irreführen kann.« Auch dieser Punkt weist ausschließlich auf Sendungen hin, demnach könnte Schweinsteigers Tweet lediglich im Zusammenhang mit der Präsentation der beworbenen Uhr während der Moderation problematisch sein.

Der ehemalige Fußballnationalspieler arbeitet seit dem vergangenen Jahr für die ARD. Der Vertrag gilt bis einschließlich 2022. Bei der EM tritt Schweinsteiger im Duo mit der Moderatorin Jessy Wellmer auf.

hba/dpa
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