Deutsche EM-Niederlage gegen Frankreich Pechvogel auf dem Rasen, Lebensgefahr aus der Luft

Deutschland spielt ordentlich gegen Frankreich und verliert dennoch völlig verdient. Mats Hummels hat ein umgekehrtes Déjà-vu, Antonio Rüdiger zeigt sich bissfest, und eine Protestaktion endet fast in einer Tragödie.
Mats Hummels unterlief ein Eigentor beim EM-Auftakt gegen Frankreich

Mats Hummels unterlief ein Eigentor beim EM-Auftakt gegen Frankreich

Foto:

KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Biss zum Pausenpfiff: Die Szene des Spiels lieferte Antonio Rüdiger, als der Ball gar nicht in der Nähe war. Der 28-Jährige ist mit dem FC Chelsea gerade Champions-League-Sieger geworden und befindet sich in bestechender Form. Dass er Biss hat, zeigte der Abwehrmann kurz vor Ende der ersten Hälfte. Da knabberte Rüdiger in die rechte Schulter von Frankreichs Paul Pogba wie ein verliebtes Löwenmännchen in den Nacken einer Löwendame. Der Knabberspaß für Erwachsene war aber eigentlich eine Tätlichkeit, die man mit Rot hätte ahnden können. Und sie erinnerte an andere Kostproben der Sportgeschichte. Nach Abpfiff umarmten sich Rüdiger und Pogba freundschaftlich.

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Das Ergebnis: So richtig zu fassen bekam die deutsche Elf die phasenweise famosen Franzosen aber im Spiel nicht und verlor deshalb verdient 0:1 (0:1) nach einem Eigentor von Mats Hummels. Deutschland muss zum ersten Mal, seit es eine Gruppenphase bei Europameisterschaften gibt, eine Auftaktniederlage hinnehmen. Hier geht es zum Spielbericht.

Knapp vorbei an einer Tragödie: Das Spiel hatte noch nicht begonnen, da gab es schon den ersten großen Aufreger. Ein Gleitflieger war von außerhalb des Münchner Stadions in die Arena gerauscht. Das Logo der Umweltaktivistinnen und -aktivisten Greenpeace prangte auf dem Schirm, dazu der Slogan »Kick out Oil«. Nach Angaben der Polizei wurden bei der riskanten Flugnummer zwei Personen verletzt; der Pilot hatte mit seinem Schirm die Kabel der über dem Spielfeld aufgehängten Kamera berührt. Er landete unsanft auf dem Rasen.

Rüdiger zeigte sich hier sanfter und erkundigte sich sofort nach dem Befinden. Der Aktivist wurde vom Sicherheitspersonal vom Feld geführt. Bei aller Liebe für Protestaktionen, die sich um Umweltbelange drehen: Das war eine unverantwortliche, lebensgefährliche Aktion, die in einer Tragödie hätte enden können. Greenpeace erklärte später, dass sie ganz anders hätte ablaufen sollen.

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Erste Hälfte: Eine sportliche Bruchlandung erlebte nach Anpfiff Hummels. Ein Tor von ihm gegen Frankreich hat in Deutschland schon einmal für sehr viel Euphorie gesorgt. Im WM-Viertelfinale 2014 war es ein Kopfballtreffer zum 1:0 Sieg. Diesmal aber traf der Verteidiger ins eigene Netz. Ein fantastischer Außenristpass von Pogba hinaus auf Lucas Hernández, ein leicht zu weit hereingerückter Joshua Kimmich auf rechts und eine verunglückte Klärungsaktion von Hummels: 0:1 (20.). Das erste Eigentor der deutschen EM-Geschichte und für Hummels ein umgekehrtes Déjà-vu. »Da mache ich Mats keinen Vorwurf«, sagte später Bundestrainer Joachim Löw.

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Zweite Hälfte: 0:2 hätte es wohl schnell nach Wiederanpfiff gestanden, wäre nicht Adrien Rabiot allein vor Manuel Neuer aufgetaucht, sondern Kylian Mbappé oder Antoine Griezmann. Rabiot, zentraler Mittelfeldmann von Juventus, traf nur den Pfosten (52.). Das gab der deutschen Elf die Gelegenheit, noch einmal etwas zurückzufinden in diese Partie. Serge Gnabry nach einer Hereingabe des auffälligen Linksaußen Robin Gosen scheiterte (54.). Aber so richtig gefährlich wurde die DFB-Elf nie. Und sie hatte Glück: Mbappé (66.) und Karim Benzema (85.) trafen jeweils ins Netz, aber zweimal aus Abseitsposition.

Hummels (rechts) klärt gegen Mbappé

Hummels (rechts) klärt gegen Mbappé

Foto: Alexander Hassenstein / POOL / EPA

Verliebt in eine Grätsche: Hummels war der Pechvogel dieser Partie, weil ihm das Eigentor unterlief. Aber eigentlich machte der Rückkehrer ein durchaus ordentliches Spiel – und er zeigte, dass man auch mit einem in die Jahre gekommenen Golf gegen einen Ferrari mithalten kann, wenn man nur erfahren genug unterwegs ist. In der 78. Minute lief ihm Mbappé davon, dass einem Hummels fast leidtun musste. Acht, neun, zehn Meter nahm er ihm im Laufduell ab. Doch dann setzte der Dortmunder eine fantastische Grätsche im Strafraum an, die man auf der Stelle heiraten wollte. Chance vereitelt.

Debatte über Kimmich: Löw hatte sich wie erwartet dazu entschlossen, Kimmich, eigentlich sein Schlüsselspieler vor der Abwehr, auf der rechten Seite in einem 3-4-3-System aufzubieten. Der Plan war riskant, weil Kimmich erstens der beste Balleroberer im Team ist und zweitens ein Jahr lang nicht mehr auf dieser Position gespielt hatte. Beim Gegentor sah Kimmich zwar etwas schlechter aus, aber das hätte auch Lukas Klostermann, Löws Alternative, passieren können. Darüber hinaus machten es Toni Kroos und Ilkay Gündoğan im zentralen Mittelfeld über weite Strecken des Spiels gut. Kroos entdeckte gar den Zweikämpfer in sich. Die Debatte über die richtige Position für Kimmich wird aber natürlich weitergeführt.

Paul Pogba war der beste Spieler auf dem Feld

Paul Pogba war der beste Spieler auf dem Feld

Foto: Eibner-Pressefoto / imago images/Eibner

Spieler des Spiels: Paul Pogba. Der Mittelfeldspieler ist so etwas wie das Gegenteil vom allseits beliebten N'Golo Kanté. Anders als sein 1,68 Meter kleiner und schüchterner Nebenmann polarisiert Pogba. Aber gegen Deutschland zeigte der 28-Jährige ein herausragendes Spiel, leitete das Siegtor mit einer Weltklasse-Spielverlagerung ein und spielte später auch noch einen wundervollen Pass auf Mbappé, der nur aufgrund einer Abseitsposition nicht zum 0:2 führte. In dieser Form dürfte Pogba einer der Spieler dieses Turniers werden.

So geht es weiter: Deutschland liegt nach der Auftaktniederlage in Gruppe F auf dem dritten Rang und muss am Samstag gegen Portugal zwingend punkten, um noch eine gute Chance auf das Weiterkommen zu haben. »Wenn du das erste Spiel verlierst und nur drei Gruppenspiele hast, ist der Druck groß«, sagte Kroos. Und er hatte recht.

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