Nach EM-Niederlage gegen Italien Flop, Schwiiz?

Nach Jahren des Achtelfinals will die Schweiz bei der diesjährigen EM hoch hinaus. Gegen Italien bekam sie jedoch über fast 90 Minuten die Grenzen aufgezeigt – vor allem von Manuel Locatelli.
Manuel Akanji: Zusehen, wie die anderen jubeln

Manuel Akanji: Zusehen, wie die anderen jubeln

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Jean-Christophe Bott / dpa

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Szene des Spiels: In Tagen der Europameisterschaft, in denen bestimmte Nationen über mangelnde Offensiv-Unterstützung aus dem Mittelfeld klagen, spielte Italiens Manuel Locatelli gegen die Schweiz einen traumhaften Flugball in den Lauf von Domenico Berardi auf den rechten Flügel. Locatelli erfreute sich jedoch nicht bloß der Schönheit seines Passes, sondern folgte diesem im Vollsprint in die gegnerische Hälfte. 50, 60 Meter und wenige Sekunden später legte Berardi ins Zentrum, Locatelli schob ein (26. Minute).

Das Ergebnis: 3:0 (1:0) gewann Italien gegen die Schweiz. Locatelli erzielte auch den zweiten (52.), Ciro Immobile den dritten Treffer (89.). Lesen Sie hier den Spielbericht.

Schweizer Anspruch: 2014, 2016 und 2018 erreichte die Schweiz jeweils das Achtelfinale eines großen Turniers. Zeit für höhere Ziele, dachten die Schweizer Fans und die Spieler nun, obwohl man mit dem Gruppen-Reiseplan Baku, Rom, Baku die meisten Kilometer sammelt und demnach auch die Belastung hoch ist. Der Schweizer Nati läuft die Zeit davon, denn noch immer spielt dasselbe Team zusammen, das in der Schweiz als goldene Generation gilt. Nachdem die Schweiz gegen Wales eine Chance nach der anderen liegengelassen hatte, muss sie nun um das Achtelfinale zittern: Kein Sieg gegen die Türkei am letzten Gruppenspieltag – und die Schweiz ist wohl raus.

Derby: Den italienischen und schweizerischen Fußball verbindet eine lange Geschichte. Seit 1911 trafen die Nachbarländer nun 59-mal aufeinander, gegen keine Nation spielten beide häufiger. Das Problem der Schweizer: Nur achtmal gewann die Nati – letztmals im Jahr 1993 in der WM-Quali. Die »Neue Zürcher Zeitung«  nahm das Spiel am Mittwoch zum Anlass, um unter anderem auf diesen historischen Sieg zurückzublicken. Ein gewisser Marc Hottiger traf damals zum entscheidenden 1:0.

Erste Hälfte: Und dass Schweizer Siege gegen Italien etwas für die Historie bleiben, war bereits früh abzusehen. Italien war absolut dominant, die Schweiz schaffte kaum einmal Entlastung, obwohl die 3700 Schweizer im Stadio Olimpico in Rom »Hopp Schwiiz« durchs Stadion hallen ließen. Nach einer Ecke von der linken Seite schoss Giorgio Chiellini erstmals ins Tor, wurde aber nachträglich aufgrund eines Handspiels zurückgepfiffen (19.). Nach Locatellis Treffer verhinderte Sommer gegen Ciro Immobile (34.) und Lorenzo Insigne (41.) einen höheren Rückstand.

Italienische Sorgen? In der 24. Minute drohte die italienische Euphorie ins Stocken zu geraten. Chiellini hielt den Ball am eigenen Sechzehner, schoss ihn dann ins Seitenaus. Der 36-Jährige zeigte an, dass er ausgewechselt werden muss und nahm direkt die Kapitänsbinde ab. Offenbar zwickte der Oberschenkel. Chiellini bildet seit mehr als einem Jahrzehnt gemeinsam mit Leonardo Bonucci eines der besten Abwehrzentren des Weltfußballs. Ein längerfristiger Ausfall würde schwer wiegen.

Zweite Hälfte: Sieben Minuten nach der Pause zeigte Locatelli, wie schussgewaltig er ist. Aber vor allem zeigte Immobile, was für ein intelligenter Stürmer er ist: Als Barella den Ball am Strafraum führte, stieß Immobile in den Strafraum zwischen drei Gegenspieler hinein. Nicht etwa, weil er den Ball, sondern weil er den Raum vor dem Sechzehner öffnen wollte. Der Schweizer Remo Freuler folgte Immobile, erst dadurch hatte Locatelli den Raum für seinen Abschluss. Nach dieser Teamdienlichkeit durfte Immobile kurz vor Schluss auch noch selbst treffen (89.).

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Doppelpacker: Für den 23 Jahre alten Locatelli war es der erste Doppelpack im zwölften Länderspiel, zuvor war das nur zwei Italienern in einem EM-Spiel gelungen: Mario Balotelli im Jahr 2012 im Halbfinale gegen – einmal kurz stark sein – Deutschland. Und Pierluigi Casiraghi im Jahr 1996 gegen Russland.

Ohne Gegentor: Dass die italienische Defensive auch ohne Chiellini stabil steht, zeigte sie nach dessen Auswechslung. Der 22 Jahre alte Torhüter Gianluigi Donnarumma strahlte für sein Alter eine unvorstellbare Ruhe aus, klärte einmal herausragend gegen Zuber, als er erst mit dem Fuß parierte und sich in die folgende Hereingabe des Schweizers schmiss, anstatt auf der Linie zu verharren. Torhüter der neuen Generation bekommen eingetrichtert, dass sie auch das sogenannte Second Goal zu verteidigen haben, das im rechten Winkel zur Torlinie gedacht wird, um Pässe durch den Fünfmeterraum abzufangen. Dadurch verhinderte Donnarumma ein potenzielles Gegentor, nach dem Spiel steht Italien bereits bei zehn Spielen infolge ohne.

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