Zuschauerpläne für Fußball-EM 2021 Die Forderung der Uefa scheint zu wirken

Wo ein EM-Spiel stattfindet, da sollen Zuschauer zugelassen sein: Das hatte Uefa-Chef Aleksander Ceferin gefordert. Mit Erfolg: Gleich mehrere Ausrichterstädte haben reagiert. Auch der Druck auf München steigt.
Uefa-Präsident Ceferin

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Leo Duperrex/ dpa

Aleksander Ceferin dürfte aktuell zufrieden sein. Schließlich zeigt die Forderung des Uefa-Präsidenten nach einer Zuschauer-Garantie bei der Fußball-Europameisterschaft im Sommer Wirkung. Immer mehr Gastgeberstädte verkünden Pläne, wonach sie Fans in die Stadien lassen wollen. Als neuester Verband hat das nun der italienische verkündet – der pandemischen Lage zum Trotz.

FIGC-Präsident Gabriele Gravina sagte, er sei »sicher, dass wir die Europameisterschaft in Rom eröffnen werden und dass wir das mit einer Menschenmenge im Stadion tun werden«. Am 11. Juni soll das Turnier in Italien eröffnet werden. »Ich weiß noch nicht, wie viele Zuschauer es sein werden, aber es wird auf jeden Fall eine Menge sein«, sagte Gravina.

Zuvor waren in Kopenhagen und St. Petersburg bereits konkrete Pläne bekannt geworden. Laut dänischer Regierung sollen jeweils bis zu 12.000 Zuschauer zu den vier geplanten Partien zugelassen werden, die russische Metropole strebt gar eine Auslastung von 50 Prozent der 61.000 Fans fassenden Arena an. Auch die Niederländer hoffen auf ein zu zwei Dritteln oder drei Vierteln gefülltes Stadion in Amsterdam, wie Verbandsdirektor Eric Gudde dem TV-Sender NOS bestätigte.

Die rumänischen Behörden hatten sich ebenfalls in Stellung gebracht und einer 25-prozentigen Stadionauslastung in Bukarest zugestimmt. Ansonsten bestehe die Gefahr, gestrichen zu werden, erklärte Sportminister Eduard Novak bei Digisport.

Und München? Eine Zuschauer-Garantie gibt es nicht. Der DFB verwies auf Anfrage einmal mehr auf eine Mitteilung aus dem Januar. »Wir möchten gerne im Sinne der Fans die Vision erfüllen, dass auch Zuschauer – unter den dann geltenden Bestimmungen – die Spiele der EURO 2020 in München besuchen können«, hieß es darin. In weiteren Gesprächen soll erörtert werden, »ob und wie die Umsetzung dieser Ziele gelingen kann«.

Laut der Stadt München, für die laut offizieller Sprachregelung ein Rückzug »kein Thema« ist, werde weiter mit »verschiedenen Szenarien« geplant. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, »eine Aussage darüber zu treffen, ob es das Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie zulässt, im Juni Zuschauer zuzulassen oder nicht«, hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter bereits gesagt: »Klar ist aber, dass Veranstaltungen dieser Art mit Zuschauern nach den aktuellen Vorschriften nicht erlaubt sind.« In München sollen die Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich, Portugal und Ungarn sowie ein Viertelfinale ausgetragen werden.

Ausrichter müssen sich wohl bis zum 7. April erklären

Dass nun Schwung in die Planungen anderer Städte kommt, liegt wohl vor allem an Ceferins Forderungen. Jeder der zwölf Ausrichter müsse garantieren, »dass Fans zu den Spielen dürften«, hatte der Chef der Europäischen Fußball-Union in der Vorwoche gesagt: »Die Option, dass irgendein Spiel der EM ohne Fans ausgetragen wird, ist vom Tisch.« So sollen möglicherweise die Einnahmen aus dem Ticketverkauf gerettet werden.

Die Uefa beteuerte zwar, dass keine Stadt, in der hinter verschlossenen Türen gespielt werden müsste, automatisch ausscheide. Allerdings werde geprüft, »ob es Sinn ergebe, ohne Fans zu spielen oder ob solche Spiele an andere Orte verlegt werden sollten«, hieß es. Gerüchte, wonach ein Großteil der Partien in Großbritannien gespielt werden könnten, halten sich dazu hartnäckig.

Nach Informationen des Sport-Informationsdiensts müssen sich die Ausrichterstädte bis zum 7. April bei der Uefa hinsichtlich der Zuschauerfrage erklären. Die Entscheidung über das Format der Endrunde (11. Juni bis 11. Juli) wird wohl frühestens beim Uefa-Kongress am 20. April fallen.

ara/mon/sid/Reuters
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