Engländerinnen im Finale der Fußball-EM Erst gewackelt, dann gezaubert

Am Ende war es ein deutlicher Sieg für Englands Fußballerinnen. Doch Halbfinalgegner Schweden war 30 Minuten das deutlich bessere Team – dank eines Trainerkniffs. Dann kamen die Gastgeberinnen und trafen traumhaft.
Englischer Jubel nach dem 4:0, dem fünften Sieg im fünften Turnierspiel

Englischer Jubel nach dem 4:0, dem fünften Sieg im fünften Turnierspiel

Foto: IMAGO/Nick Potts / IMAGO/PA Images

Szene des Spiels: Chance um Chance hatten sich die Schwedinnen zu Beginn des ersten EM-Halbfinals in Sheffield erspielt, doch das Tor fiel auf der anderen Seite: Lucy Bronze hatte von rechts geflankt, Beth Mead mit ihrem sechsten Turniertor getroffen (34. Minute). Es gibt Treffer, von denen wird behauptet, sie hätten den Spielverlauf auf den Kopf gestellt. Dies war so einer.

Ergebnis: England hat 4:0 (1:0) gegen Schweden gewonnen und steht im Finale der Europameisterschaft im eigenen Land. Hier geht es zum Spielbericht.

Erste Hälfte: Nach gerade einmal 20 Sekunden kam Sofia Jakobsson aus halblinker Position zum Abschluss, Englands Torhüterin Mary Earps konnte mit einer starken Fußabwehr parieren. Kurz darauf war es wieder Earps, die den Versuch von Stina Blackstenius gerade noch so zur Ecke klären konnte. Die folgende Hereingabe köpfte die schwedische Offensivspielerin an die Latte (8./9.), Fridolina Rölfö traf fünf Minuten später das Außennetz (14.). Und England? Traf mit dem ersten gefährlichen Angriff zum 1:0 (34.).

Sofia Jakobsson (r.) vergab das frühe 1:0

Sofia Jakobsson (r.) vergab das frühe 1:0

Foto: Danny Lawson / dpa

Geheimnisvoller Plan: Im Vorfeld der Partie wurde in der schwedischen Tageszeitung »Svenska Dagbladet« von einem »geheimnisvollen Plan« des Nationaltrainers Peter Gerhardsson geraunt. Der 62-Jährige enttäuschte nicht: Die ins Team gerutschte Jakobsson, bei diesem Turnier zuvor noch ohne Einsatzminute, hätte ihr Team beinahe schon in der 1. Minute in Führung gebracht. Immer wieder brachte die 32 Jahre alte Ex-Spielerin des FC Bayern Englands Starspielerin Bronze in Bedrängnis. Dabei war allgemein erwartet worden, dass sich die Schwedinnen auf Bronzes Kollegin Rachel Daly auf der anderen Abwehrseite konzentrieren würden, die im Viertelfinale gegen Spanien schwindlig gespielt wurde. Der überraschende Plan von Gerhardsson, er ging zumindest offensiv auf. 30 Minuten lang.

Zweite Hälfte: Zwei Tage weniger Vorbereitungszeit als ihre Gegnerinnen hatten die Schwedinnen vor diesem Halbfinale. Und dieser Nachteil, gepaart mit dem Schock des Gegentores, schien anfangs der zweiten 45 Minuten allgegenwärtig. England nun gedankenschneller – und erneut zielsicher: Eine Hereingabe von Mead segelte über die gesamte Abwehr hinweg auf den Kopf von Bronze, die den Ball schön in die linke Torecke platzierte (48.). Lauren Hemp vergab kurz darauf das 3:0, als sie aus kurzer Distanz nur die Latte traf (57.). Das besorgte dann die eingewechselte Alessia Russo, die erst an Hedvig Lindahl scheiterte, um dann im Nachschuss per Hacke durch die Beine der schwedischen Torhüterin zu treffen (68.) der Treffer des bisherigen Turniers. Fran Kirby erhöhte nach Lindahl-Fehler per Heber auf 4:0 (76.).

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Erfolgsgarantin Wiegman: 2017 hatte die Niederländerin Sarina Wiegman ihr Heimatland als Trainerin zum EM-Titel geführt. Sechs Siege holte sie damals in sechs Partien. Beim Folgeturnier steht sie auch schon wieder bei fünf Erfolgen aus fünf Begegnungen. Einen Sieg ist die 52-Jährige noch von ihrer zweiten perfekten EM-Endrunde entfernt. Bei den Buchmachern dürften dabei keine Wetten mehr auf die Startaufstellung angenommen werden: Gegen Schweden standen zum fünften Mal die gleichen elf Spielerinnen beim Anpfiff auf dem Platz.

Sarina Wiegman behält ihre weiße Weste bei EM-Endrunden: Elf Spiele, elf Siege

Sarina Wiegman behält ihre weiße Weste bei EM-Endrunden: Elf Spiele, elf Siege

Foto: MOLLY DARLINGTON / REUTERS

Verhinderter Partycrasher: Schwedens Nationaltrainer Gerhardsson hatte Wiegmans Vorgänger Phil Neville zwei empfindliche Niederlagen beigebracht, an Wiegman kommt auch er nicht vorbei. 2019 war er der damaligen niederländischen Nationaltrainerin im WM-Halbfinale 0:1 unterlegen, 2022 schied er jetzt als letzter männlicher Coach des Turniers aus.

Alessia Russo traf per Hacke (68.)

Alessia Russo traf per Hacke (68.)

Foto: Danny Lawson / dpa

Das Genie von der Bank: Die 23-jährige Russo kam zum fünften Mal von der Bank und traf zum vierten Mal. Nicht nur wegen der Schönheit ihres Hackentreffers gilt die Angreiferin von Manchester United vielen als bessere Option im Vergleich zu Dauerstarterin Ellen White. Doch Wiegman setzt wie erwähnt auf Bewährtes. Wohl dem, der seine vermeintlich beste Torjägerin dann bringen kann, wenn die Gegnerinnen schon von der präsenten White müde gelaufen sind.

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Finale: Auf wen die Engländerinnen im Finale treffen, entscheidet sich im zweiten Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich (Mittwoch, 21 Uhr, TV: ZDF, Stream: Dazn). Der EM-Titel wird dann am Sonntag im bereits ausverkauften Wembley-Stadion ausgespielt (18 Uhr, TV: ARD, Stream: Dazn).

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