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Fußball-EM 2022 Sind Dresscodes im Sport heute noch zeitgemäß?

Immer mehr Athletinnen wollen selbst über ihre Kleidung bestimmen. Das hat nicht nur mit der Periode zu tun.
aus DER SPIEGEL 29/2022
»Weiß ist nicht sehr praktisch«: Englands Stürmerin Beth Mead

»Weiß ist nicht sehr praktisch«: Englands Stürmerin Beth Mead

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Damien Meyer / AFP

Bei der Fußballeuropameisterschaft, die derzeit in England stattfindet, ist eine Debatte über die Sportkleidung von Frauen entbrannt. Englands Spielerinnen haben ihren Ausrüster gebeten, die traditionell weißen Hosen gegen farbige zu tauschen, um unangenehme Situationen während der Periode zu vermeiden. »Weiß ist nicht sehr praktisch, wenn wir uns in dieser Zeit des Monats befinden«, sagte Stürmerin Beth Mead. Zuvor hatten bereits Tennisspielerinnen in Wimbledon Kritik an dem vorgeschriebenen weißen Dresscode bei dem Traditionsturnier geäußert.

»Es gibt Frauen, die haben nie Probleme mit ihren Tagen, andere haben extreme Blutungen. Aber das ist nicht, worauf es ankommt«, sagt die Beachvolleyballerin Karla Borger, 33. Es gehe in der Diskussion um weit mehr als das Tabuthema Menstruation. »Ich mag Tradition bei Turnieren. Aber wenn sich Spielerinnen nicht wohlfühlen, sollten sie schon die Wahl haben. Es ist letztlich ihre Arbeitskleidung.«

Borger setzt sich als Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland für die Rechte von Sportlern und Sportlerinnen ein. Die Vizeweltmeisterin hatte im vergangenen Jahr selbst für Aufsehen gesorgt, als sie und ihre Partnerin Julia Sude ein Turnier in Katar boykottierten.

Der Veranstalter hatte die Frauen trotz Wüstenhitze zum Tragen langer, in ihrer Sportart untypischer Kleidung zwingen wollen – Borger und Sude streikten. Nach einem internationalen Protest nahm der Veranstalter die umstrittene Kleiderordnung zurück. Bei Olympia wiederum trugen die deutschen Turnerinnen Ganzkörperanzüge, um ein Zeichen gegen Sexualisierung zu setzen.

Ob sich die Argumente um die Periode, Hitze oder Sexismus drehen: In allen Fällen geht es um Selbstbestimmung von Athletinnen und Athleten gegenüber einer strengen Kleiderordnung im Sport.

»Klar kann man fragen, warum wir damit jetzt kommen, wenn wir solche Dinge über Jahre hingenommen haben. Dass das Thema jetzt hochkommt, beim Tennis, bei den Turnerinnen, bei uns im Beachvolleyball spricht dafür, dass ein Wandel stattfindet«, sagt Borger. Es sei bisher meist noch so, dass »in der Wahrnehmung von Sportlerinnen das Aussehen vor der Leistungsfähigkeit« stehe.

ARA
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