Fußball-EM Seedorf lustlos, Schweizer Stadien mangelhaft

Überraschender Verzicht: Der Holländer Clarence Seedorf will nicht bei der EM spielen. Dort werden auch knapp 400 kroatische Fans nicht auftauchen. Vielleicht kommt dafür ein italienischer Altstar zum Einsatz. In den Schweizer EM-Stadien wurden Mängel entdeckt.


Hamburg - Eine Studie hat knapp drei Wochen vor dem Start der EURO 2008 (7. bis 29. Juni) Sicherheitsmängel in drei von vier Schweizer Stadien aufgedeckt. Ein Expertenteam des Münchner Instituts Psytech überprüfte während des Liga-Spielbetriebs die EM-Arenen in Bern, Zürich, Basel und Genf. Das Ergebnis: Sie seien nicht optimal auf eine mögliche Massenpanik vorbereitet. Das Berner Stade de Suisse schnitt im Test am schlechtesten ab. Das Münchner Institut kritisierte hier vor allem unbefestigtes Gastronomie-Mobiliar.

Clarence Seedorf: Verzichtet freiwillig auf die EM
AP

Clarence Seedorf: Verzichtet freiwillig auf die EM

Die Experten konzentrierten sich in den EM-Stadien auf vier potentielle Gefahren: das Stolper-Risiko, das Bewaffnungs-Risiko im Stadion, das Staudruck-Risiko auf der Tribüne im Panikfall und das Risiko von Engpässen und Hindernissen auf den Fluchtwegen. Am besten schnitt das Stade de Geneve in Genf ab.

Der niederländische Nationalspieler Clarence Seedorf vom AC Mailand verzichtet auf eine Teilnahme an der EM-Endrunde. Nach Angaben des niederländischen Fußball-Verbandes KNVB habe der 32-Jährige seine Entscheidung am Pfingstmontag Bondscoach Marco van Basten mitgeteilt, der ihn zuvor noch für das vorläufige EM-Aufgebot der Niederländer nominiert hatte. "Ich war überrascht von seiner Entscheidung und hätte sie nicht erwartet. Ich habe Clarence gesagt, dass ich ihn als Spieler und Mensch respektiere", sagte van Basten.

398 kroatische F ans dürfen nicht zur EM in die Schweiz und Österreich reisen. Das kroatische Innenministerium übergab nach Angaben der Zagreber Zeitung "Jutarnji list" den Behörden der beiden Gastgeberländer eine Liste mit den Namen. Weiter hieß es in dem Bericht, die betreffenden Personen seien bereits als gewaltbereite Rowdys bekannt. Kroatien wird während der EM 32 Polizisten und 24 Grenzpolizisten in Österreich und der Schweiz zur Kontrolle seiner Fußballfans einsetzen.

Claudio Ranieri, Trainer von Juventus Turin, kann sich eine Rückkehr seines Kapitäns Alessandro Del Piero in den Kreis der Nationalmannschaft vorstellen: "Ich glaube, er hat den Nationaltrainer überzeugt." Der Stürmer ist seit Monaten in überragender Form, einen Spieltag vor Ende der Serie A führt der Weltmeister zusammen mit seinem Teamkollegen David Trezeguet und Genuas Marco Borriello mit jeweils 19 Treffern die Torjägerliste an.

Im Sommer des vergangenen Jahres hatte sich Del Piero aus der Nationalmannschaft verabschiedet, weil Nationalcoach Roberto Donadoni ihn damals nicht als Sturmspitze, sondern im offensiven Mittelfeld einsetzte. Er sagte damals: "Entweder ich spiele im Sturm oder gar nicht." Donadoni hat seine EM-Nominierungen noch nicht mitgeteilt. Del Pieros Berufung gilt jedoch unter Experten in Italien als sicher.

jar/sid/dpa



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