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EM-Ranking Form: Deutschland fast ganz unten

Foto: © Michaela Rehle / Reuters/ REUTERS

Alternatives EM-Ranking Wo Deutschland schlechter als Albanien ist

Die Sportwissenschaftler vom Institut für Spielanalyse haben ein alternatives Ranking berechnet. Hier geht es um die Form aller EM-Teams -und Deutschland ist weit davon entfernt, ein Titelfavorit zu sein.

Man kann über Form im Fußball sehr einfach sprechen. Rumäniens Nationaltrainer Anghel Iordanescu sagte nach dem 5:1-Sieg gegen Georgien im letzten Test vor dem Eröffnungsspiel gegen Frankreich (21 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE): "Wir haben diesen Sieg vor der Abreise zur EM gebraucht." Sein Gegenüber Didier Deschamps, Trainer des Gastgebers Frankreich, betont seit Wochen: "Wir werden bereit sein."

Form hat aber sehr viele Facetten. Schwer in Worte zu fassen, weil es sich um multikomplexe Zusammenhänge aus fußballfachlichen, trainingswissenschaftlichen, psychologischen und soziologischen Aspekten handelt. Aber es gibt einen Weg, die Form anhand öffentlich zugängiger Quellen zu bestimmen: Mit den offiziellen Spielergebnissen der Mannschaften aus den vergangenen beiden Jahren vor der EM.

Die 24 EM-Teilnehmer nach Form sortiert

Die 24 EM-Teilnehmer nach Form sortiert

Foto: Institut für Spielanalyse

Nehmen wir eine Form-Skala zwischen 0 und 100 Punkten für alle Teams der Euro 2016 an. Ausgangswert könnte für alle eine mittlere Form von 50 sein. Nimmt man jetzt die offiziellen Spielergebnisse der EM-Teilnehmer aus den vergangenen zwei Jahren (Zeitraum der Qualifikation inkl. Qualifikationsspiele und Freundschaftsspiele), so hat man eine Basis von 456 Resultaten. Teilt man nun die Teams in drei Kategorien gemäß der Fifa-Weltrangliste ein und bezieht die Ergebnisse auf die Qualität der jeweiligen Gegner, können Formverläufe nachvollzogen werden.

Die Gruppe nach Formstärke und Erfolg der Teams sortiert

Die Gruppe nach Formstärke und Erfolg der Teams sortiert

Foto: Institut für Spielanalyse

In die Bewertung einer Partie geht ein, in welcher Kategorie beide Mannschaften eingeordnet sind. Gewinnt ein Top-Team (z.B. Portugal) gegen ein anderes Top-Team (z.B. Belgien) sind die Auswirkungen höher, als wenn ein Top-Team (z.B. England) gegen einen Underdog (Litauen) gewinnt. Genauso ist es, wenn ein Underdog gegen eine höherwertige Mannschaft gewinnt: Dies wird als positiverer Ausdruck der Form gewertet, als wenn ein Underdog gegen einen anderen seiner Kategorie gewinnt.

So finden wir die zum Favoritenkreis gehörenden Teams Spanien und Belgien bei einer Form von 59 und 63 wieder. Die Slowakei ist durch Siege gegen viele EM-Teilnehmer wie Spanien, Ukraine, die Tschechische Republik und zuletzt Deutschland sowie Nordirland in Top-Form (93). Dahinter folgt England (86) und mit etwas Abstand Gastgeber Frankreich (74). Letzter in der Tabelle ist das isländische Team, Deutschland findet sich auf dem 22. Platz wieder. Dass die letzten beiden Jahre nicht die stärksten des DFB-Teams waren, wissen Fans. Der Form-Wert spiegelt das aktuell auch wider.

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EM-Ranking Erfolg: England weit vorn

Foto: Peter Powell/ dpa

Eine weitere Größe, die Leistungen zu messen, ist der Marktwert der Spieler einer Mannschaft. Wenn wir die Spielergebnisse der vergangenen zwei Jahre mit dem Kaderwert der Mannschaften kombinieren, erhält man etwas, das wir Erfolg nennen.

Die 24-EM-Teilnehmer nach Erfolg sortiert

Die 24-EM-Teilnehmer nach Erfolg sortiert

Foto: Institut für Spielanalyse

Beim Erfolg stehen die Deutschen mit Platz 16 etwas besser da, doch auch in dieser Statistik finden sich andere Favoriten deutlich weiter vorne wieder. Hierbei ist die Skala nach oben und unten hin offen.

Das erfolgreichste Team seit der WM 2014 waren demnach die Engländer (+717). Insgesamt gibt es in den Top 5 einige Überraschungen, so belegen Kroatien (+531) und Polen (+501) die Plätze 2 und 3. Die EM-Favoriten Spanien (+481) und Belgien (+424) komplettieren die fünf erfolgreichsten Teams. Schlusslichter dieser Übersicht sind mit Wales (+19) , Ungarn (+59) und Albanien (+68) drei Außenseiter.

Das Institut für Spielanalyse

Das Institut für Spielanalyse arbeitet seit 2010 in der Nahtstelle zwischen Sportwissenschaft und Sportspiel-Praxis. Grundlage für die Analysen sind trainingswissenschaftliche sowie sportinformatorische Forschungsstrategien und Methoden, die dabei helfen, das Spiel zu lesen.

Zu den bisherigen Kunden zählen unter anderen die Deutsche Fußball Liga DFL, die Beko Basketball Bundesliga, der FC Augsburg, 1899 Hoffenheim oder der VfL Wolfsburg.

Seit 2015 bewertet das Institut für Spielanalyse unter der Marke Pro Facts für Fußballfans über den eigenen Facebook-  und Instagram-Kanal  die Leistung von Mannschaften vor, während und nach Spielen.

Für SPIEGEL ONLINE kommen diese während der EM 2016 in Frankreich zum Einsatz.

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