Englands EM-Auftaktsieg gegen Österreich Viel Rauch um wenig

Fast 70.000 Fans im Old Trafford, eine Pyro-Show und ein Traumtor der Engländerinnen: Der EM-Auftakt hatte manche Zutat für einen aufregenden Fußballabend, nur leider auch viel Leerlauf – und einen Tonausfall.
Die Eröffnungszeremonie zur Fußball-Europameisterschaft sorgte für Spektakel, das Auftaktspiel für ein zähes 1:0

Die Eröffnungszeremonie zur Fußball-Europameisterschaft sorgte für Spektakel, das Auftaktspiel für ein zähes 1:0

Foto: Martin Rickett / dpa

Ein bisschen Wembley im Old Trafford: Oft brennt sich der erste Treffer eines großen Turniers noch ein wenig tiefer in Herzen und Erinnerungen der Fans als die Tore, die ihm folgen. Zumindest dann, wenn er schön anzusehen ist. Das, was Beth Mead in der 16. Minute gelang, fiel zweifelsohne in diese Kategorie: Die geschickte Ballmitnahme per Oberkörper, der elegante Heber über Österreichs Torfrau (und Arsenal-Teamkollegin) Manuela Zinsberger hinweg – ein Tor für Feinschmecker. Oder? Carina Wenninger schien den Ball noch von der Linie zu kratzen, der englische Jubel stockte für eine Sekunde. Doch anders als beim berüchtigten Wembley-Tor von 1966 hatte der Old-Trafford-Treffer von 2022 die Linie in vollem Umfang überquert, Torlinientechnik und VAR nickten die englische Führung einmütig ab.

Das Ergebnis: 1:0 (1:0) setzt sich England im Auftakspiel der Fußball-Europameisterschaft 2022 gegen Österreich durch. Nicht glanzvoll, aber souverän starteten die Lionesses so in die Heim-EM. Hier geht es zum Spielbericht.

Habemus Tamtam: 68.800 Fans in Manchester, da konnte man es mal krachen lassen. Und wie: Zusätzlich zur Tanzchoreografie mit EM-Flaggen und dem Ausrollen der pinken, blauen, orangen und lilanen Gruppen-Banner sparte die Eröffnungszeremonie nicht mit bunten Flammen, die am Spielfeldrand in den Himmel geschossen wurden. Vor lauter weißem Rauch geriet der Einlauf der Spielerinnen zu einer nebulösen Angelegenheit, bis zum Anpfiff hatte es im Old Trafford aber schon wieder aufgeklart.

Feierlich eröffnet: Die Fußball-EM 2022

Feierlich eröffnet: Die Fußball-EM 2022

Foto: Georg Hochmuth / dpa

Die erste Hälfte: Fünfzehn Minuten lang gelang es den mit zahlreichen Bundesliga-Legionärinnen gespickten Österreicherinnen, die Mitfavoritinnen zu entnerven. Hohes Pressing, schnelle Zuspiele in die Spitze und sogar mehr Ballbesitz als die Engländerinnen – wer spielte hier um den Titel, wer um die Außenseiterchance aufs Viertelfinale? Meads Führung dann kehrte die Kräfteverhältnisse jedoch flugs um, die Engländerinnen zeigten sich ballsicherer und gedankenschneller. Ellen White per Flugkopfball (26.) und Lauren Hemp, die an Zinsberger scheiterte (45.), hatten Chancen auf weitere Tore.

Ohne Worte: In der ARD-Halbzeitanalyse planten Moderator Claus Lufen und Expertin Nia Künzer, dem geneigten Publikum die schönsten Spielzüge der Engländerinnen noch einmal näher zu bringen. Ärgerlich bloß, dass dieser Versuch von einem minutenlangen Tonausfall torpediert wurde. So konnte man Meads Lupfer und das ähnlich sehenswerte Zuspiel von Fran Kirby noch einmal auf sich wirken lassen, nur eben unkommentiert.

Die zweite Hälfte: Nach der Pause setzte sich fort, was sich die halbe Stunde zuvor angedeutet hatte: Den Engländerinnen war nicht nach Hurrafußball zumute, den Österreicherinnen fehlten die spielerischen Mittel, um Stürmerin Nicole Billa – immerhin die Bundesliga-Torschützenkönigin der Saison 2020/2021 – im Strafraum in Szene zu setzen. So plätscherte die Partie bei Ruhepuls dem Abpfiff entgegen. Einzig der Schlenzer von Barbara Dunst, den Mary Earps per Flugeinlage entschärfte, sorgte im Ansatz für Gefahr (78.).

Nur eine Serie hält: Für die Österreicherinnen bedeutete das 0:1 die erste Niederlage in der regulären Spielzeit bei einer Europameisterschaft überhaupt. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Alpenrepublik bei der letzten EM 2017 erstmals dabei war (um erst im Halbfinale im Elfmeterschießen an Dänemark zu scheitern). Die Engländerinnen hingegen blieben auch im 15. Spiel unter Trainerin Sarina Wiegman ungeschlagen, bei 13 Siegen und zwei Remis steht ein Torverhältnis von 85:3 zur Buche. Zahlen, die eher für einen Favoritenstatus sprechen als die offensive Ausbeute gegen die Österreicherinnen.

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Die nächsten Bewerberinnen: Das englische Weiterkommen indes dürfte nahezu fix sein: Am Donnerstagabend greifen die übrigen Gruppenmitglieder Norwegen und Nordirland ins Geschehen ein, die Norwegerinnen dürften sich mit Österreich um den zweiten Platz in Gruppe A balgen, die Nordirinnen als Weltranglisten-47. (zwischen Usbekistan und Myanmar) die Höhe der Niederlagen begrenzen wollen. Der deutsche Blick richtet sich schon auf Gruppe B: Dort starten am Freitag Spanien (18 Uhr, gegen Finnland) und die DFB-Auswahl (21 Uhr, TV: ZDF, gegen Dänemark) ins Turnier.

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