SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

04. April 2014, 16:32 Uhr

Fan-Streit in Düsseldorf

Verbannt aus dem eigenen Block

Von und

Tiefer Graben im Fan-Lager: Bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf kam es zur Prügelei zwischen Hooligans und Ultras. Die Gruppen ziehen jetzt in verschiedene Stadionbereiche um. Der Grundkonflikt ist damit jedoch nicht gelöst.

Die Talfahrt von Fortuna Düsseldorf hält an, doch es braucht keine ausgeklügelte Medienstrategie, um von der sportlichen Misere (Platz 14) abzulenken. Das schafft die Fan-Szene des Zweitligisten ganz alleine.

Noch immer wirken die Ereignisse vom Auswärtsspiel in Frankfurt am 22. März nach: Beim Streit um eine im Fortuna-Block aufgehängte Fahne mit dem Logo der rechtsgerichteten Atlético-Madrid-Fangruppe Frente war es zu Handgreiflichkeiten im Block gekommen; die Düsseldorfer Hooligan-Gruppierung Bushwhackers pflegt seit vielen Jahren eine Fanfreundschaft zu Frente.

Mit der Schlägerei eskalierte eine Problematik, die seit der Aufstiegssaison 2011/2012 schwelt, als Tausende neuer Fans ins Düsseldorfer Stadion strömten. Sie bescherten dem Verein zwar Einnahmen in einer neuen Dimension, von den treuen Anhängern wurden die "Eventfans" aber skeptisch beäugt. Die Neuen hätten keine Ahnung von Fußballtradition und althergebrachten Ritualen, hieß es, sie verwechselten das Stadion mit einer Fanmeile.

Auch deshalb, so hört man in Düsseldorf, seien die Hooligans zurückkommen, sie verstehen sich als Beschützer "alter Werte". Und wo sie schon mal dabei waren, für Ordnung zu sorgen, schauten sie auch der jungen Ultraszene auf die Finger. Es ist eine Entwicklung, die so ähnlich in vielen deutschen Fanszenen zu beobachten ist: Linkspolitisch engagierte Gruppen geraten unter Druck.

In Düsseldorf eskalierte der Konflikt zwischen Hools und Ultras

Offiziell ist es nicht ihre Positionierung gegen rechts, die als falsch angesehen wird. Ihnen wird vom Gegenlager der Vorwurf gemacht, der Mehrheit der Fans den Spaß am Fußball zu nehmen, indem sie Politik ins Stadion trügen. Auch mangele es den Jungen am nötigen Respekt gegenüber gewachsenen Strukturen. Denn während es für viele altgediente Hools dazugehört, gegnerische Spieler mit rassistischen und homophoben Parolen zu beschimpfen, hinterfragen die Ultras solche "Traditionen".

Auch in Düsseldorf kam es in den vergangenen Jahren zu diesem Konflikt. So heißt es aus den Reihen der Ultras, die Hools hätten ihren Verkaufsstand hinter Block 42 kontrolliert und auch den langjährigen Vorsänger der Gruppe verprügelt. Doch der erfuhr plötzlich nicht mehr die Solidarität seiner Gruppe Ultras Düsseldorf (UD), sondern wurde von einem Capo ersetzt, der den Hooligans offenbar genehmer war. UD hatte sich den Hools - ob aus Sympathie oder Angst vor körperlicher Unterlegenheit - angenähert.

Einigen Mitgliedern passte dieser Kurs nicht, sie gründeten deshalb Anfang 2013 ihre eigene Ultra-Gruppe, die Dissidenti. Sie verweigerten sich jeglichen Kungeleien mit den Hooligans.

Es wäre allerdings zu einfach, den Konflikt zwischen den Düsseldorfer Fans als rechts gegen links zu bezeichnen. Denn die traditionell linksorientierte Anhängerschaft ist nach wie vor bunt, fast geschlossen spricht sie sich gegen Faschismus aus. Das gilt auch für die Bushwhackers, die darunter vor allem eine Abgrenzung zur organisierten Nazi-Szene verstehen.

Die Frente-Fahne soll nicht mehr gezeigt werden

Und auch die Ultras Düsseldorf, die sich im Konflikt zwischen Bushwhackers und Dissidenti immer weiter auf die Seite der Hools geschlagen haben, werden in einer aktuellen Stellungnahme deutlich: "Die Bushwhackers dürfen sich nicht wundern, dass ihre unpolitische Haltung innerhalb der Fortuna-Szene kritisch hinterfragt wird, wenn sie die Fahne einer befreundeten Gruppe aufhängen, deren Mitglieder alles andere als unpolitisch auftreten. Rechte Scheiße und Nazis haben bei Fortuna nichts verloren." Gemeinsam mit den Bushwhackers habe man beschlossen, dass die Fahne künftig nicht mehr gezeigt wird.

Zumindest wird der Eindruck vermieden, dass die Hools nur deshalb auf ihre Fahne verzichten, weil die Dissidenti im Gegenzug umgesiedelt wurden. Denen hatten die UD deutlich gemacht, dass sie nach den jüngsten Unstimmigkeiten nicht mehr in Block 42 erwünscht seien. Also einigten sich die Dissidenti vor dem Auswärtsspiel in Ingolstadt mit dem Verein darauf, bis zum Saisonende in die Blöcke 12 und 13 zu wechseln. Auch die Bushwhackers erklärten sich bereit, den Block 160 am Ende der Spielzeit zu verlassen - nachdem der Verein mit Videoaufnahmen aus Frankfurt nachgewiesen hatte, dass die Schlägerei in Frankfurt von den Hooligans ausgegangen war, und zwei Stadionverbote ausgesprochen hatte.

Die Fortuna reagierte in diesem Fall zügig und mit konkreten Maßnahmen, im Gegensatz zu anderen Clubs, die ähnliche Probleme zunächst ignorieren oder von sich weisen. Der Verein veröffentlichte ein Statement, das um Ausgewogenheit bemüht ist und zugleich ein nicht zu übersehendes Stoppschild setzt. Die Bushwhackers seien nicht rechtsradikal, heißt es darin, aber: "Der Verein kann die Fahne nicht tolerieren und wird eine Änderung der Stadionordnung mit dem Verbot ,weltweiter faschistischer Symboliken und Gruppen' anstreben."

Es klingt, als sei der Konflikt in Düsseldorf fürs Erste beigelegt. Oberflächlich zumindest.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung