Tote Fußballanhängerin Iran und Fifa geraten wegen Stadionverbot unter Druck

"Geht nicht mehr ins Stadion": Irans Fußballidol Ali Karimi hat mit einer klaren Botschaft auf den Tod einer jungen Frau reagiert. Auch international wird der Fall diskutiert - der Tenor: Die Fifa muss handeln.

Weibliche Fußballs dürfen in Iran nur selten ins Stadion - hier bei einem Testspiel im Jahr 2018
ABEDIN TAHERKENAREH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Weibliche Fußballs dürfen in Iran nur selten ins Stadion - hier bei einem Testspiel im Jahr 2018


Die Worte sind deutlich, doch so ähnlich äußerte sich die Fifa schon häufiger: "Wir fordern die iranischen Behörden erneut auf, die Freiheit und Sicherheit aller Frauen zu gewährleisten, die an diesem legitimen Kampf zur Beendigung des Stadionverbots für Frauen im Iran beteiligt sind", teilte der Fußball-Weltverband unter dem Eindruck des tragischen Todes der Iranerin Sahar Khodayari mit.

Die junge Frau, 29, hatte sich vergangene Woche aufgrund einer drohenden Strafe in Brand gesetzt und erlag nun ihren Verletzungen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Die jüngsten Worte der Fifa reichen der Protestbewegung in Iran nicht mehr aus. Sie fordert vom Weltverband den Ausschluss der Nationalmannschaft von allen Wettbewerben, falls die iranische Führung am Stadionverbot für Frauen festhalten sollte. Laut Fifa-Statuten ist die Diskriminierung von Frauen verboten und muss sanktioniert werden.

Der Fall Sahar Khodayari

Der Weltverband soll bereits die Aufhebung des seit knapp 40 Jahren geltenden Verbots für die kommenden WM-Qualifikationsspiele eingefordert haben. Laut des iranischen Sportministeriums sind für das nächste Länderspiel am 10. Oktober gegen Kambodscha Frauen zugelassen. Offen ist allerdings, ob diese Ankündigung tatsächlich für alle Frauen und grundsätzlich für die Zukunft gilt. In der Vergangenheit durften Ausländerinnen und kleine Gruppen von Frauen bestimmte internationale Partien im Stadion verfolgen - andere wiederum wurden festgenommen und angeklagt.

So auch Sahar Khodayari. Die 29-Jährige sollte sich am 2. September wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Beleidigung der Polizei vor Gericht verantworten. Die Anhörung wurde zwar verschoben, dennoch soll Khodayari bei dem Termin erfahren haben, dass ihr bis zu sechs Monate Haft drohen.

Sie hatte im März versucht, bei einem Spiel ihres Lieblingsvereins Esteghlal Teheran in der asiatischen Champions League als Mann verkleidet ins Azadi-Stadion zu gelangen. Als Reaktion auf die drohende Gefängnisstrafe zündete sich Khodayari vor dem Gerichtsgebäude an und erlitt dabei schwere Verbrennungen.

Ali Karimi fordert zum Stadionboykott auf

Der Tod Khodayaris sorgt für Entsetzen. Das iranische Fußballidol Ali Karimi rief seine 4,5 Millionen Instagram-Follower zum Stadionboykott auf. "Die Frauen unseres Landes sind besser als die Männer", schrieb der frühere Profi von Bayern München und Schalke 04 zu einem Foto, auf dem eine Frau mit einem Fußball anstelle eines Herzens zu sehen ist: "Geht nicht mehr ins Stadion", hieß es weiter.

Auch Irans Nationalmannschaftskapitän Masoud Shojaei äußerte sich. "Die Selbstverbrennung einer Frau, die angeklagt wurde, weil sie ein Fußballspiel schauen wollte, ist das Resultat widerwärtigen Denkens und wird für zukünftige Generationen völlig unverständlich sein", schrieb Shojaei bei Instagram. Sein Teamkollege Ashkan Dejagah forderte ein Umdenken. "Wann wollt ihr endlich mit solchen Sachen aufhören? Genug ist genug", schrieb der frühere Bundesligaprofi.

Der Fall wird auch international diskutiert. Die schwedische Starfußballerin Kosovare Asllani forderte die Fifa zum Handeln auf. "Fifa, es ist Zeit, etwas zu unternehmen. Ihr dürft nicht mehr still sein." Ihre schwedische Teamkollegin, Hedvig Lindahl (Torhüterin beim VfL Wolfsburg), schrieb bei Twitter: "Fifa, es ist überfällig, etwas für die Frauen im Iran zu tun. Das ist nicht mehr in Ordnung." Unterstützung gab es auch von der britischen Fußballlegende Gary Lineker, der die Fifa ebenfalls in die Pflicht nahm.

jan/sid



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